Schweinestall neben Waldheimat: Was ist mit den behinderten Bewohnern?

Melanie Wigger

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Werther. Dass Anwohner wegen des geplanten Schweinestalls für den Hof Venghaus protestieren, sorgte mehrfach für Diskussionen und ging zuletzt bis vors Oberverwaltungsgericht Münster – jedoch ohne Erfolg für den Maststallgegner. „Aber darüber, dass rund 100 Menschen in angrenzender Nachbarschaft von der Anlage betroffen sein werden, darüber spricht niemand", wundert sich eine Wertheranerin.

Als Bewohnerin der Waldheimat, die mittlerweile unter Flex-Eingliederungshilfe firmiert, ist sie irritiert, dass die Menschen in der Eingliederungshilfe bei der Planung anscheinend keine Rolle gespielt haben: „Liegt das daran, dass wir nicht als »normale« Anwohner zählen?"

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Bußwinkel: Abstand zum Stall ist entscheidend

Pastor Uwe Winkler, Vorstand der Diakonischen Stiftung Ummeln – der Trägerin der Flex-Eingliederungshilfe –, geht davon aus, dass die Bewohner der Waldheimat vom Kreis Gütersloh nicht vergessen wurden. „Es ist doch selbstverständlich, dass der Kreis prüft, ob die Nähe zum Stall ein Problem für uns ist." Gespräche dazu habe es jedoch nicht gegeben.

Genau genommen wurde nicht direkt geprüft, ob die Waldheimat durch die 1.250 geplanten neuen Mastplätze des Hofes Venghaus beeinträchtigt wird. Das habe jedoch nichts mit fehlenden Anwohnerstatus zu tun, sondern mit dem Abstand zum Stall, erläutert Bernhard Bußwinkel. Der Leiter der Bauabteilung erläutert, dass die Klage des Maststallgegners vor einem Jahren in zweiter Instanz gescheitert ist, obwohl dessen Haus nur 80 Meter vom geplanten Bau entfernt liegt. Die Waldheimat wäre sogar 260 Meter davon entfernt. Ein Geruchsgutachten hatte jedoch damals belegt, dass selbst bei 80 Metern Entfernung nur 16 Prozent der Ausdünstungen ankommen.

„Im Zweifelsfall gilt der gleiche Schutz wie für alle anderen"

Würde die Einrichtung jedoch näher am Stall liegen, würde der Kreis Gütersloh unabhängig davon, ob die Bewohner laut Gesetz als Anwohner zählen oder nicht, genau prüfen, welche Konsequenzen der Bau hätte. „Im Zweifelsfall gilt der gleiche Schutz wie für alle anderen", verspricht Bußwinkel.

Nachbarn: Die Waldheimat (heute Flex-Eingliederungshilfe) ist links im Bild zu sehen. Rechts neben dem trennenden Waldstück liegt der Hof Venghaus, der einen weiteren Schweinemaststall für 1.250 Tiere plant.  - © Ulrich Fälker
Nachbarn: Die Waldheimat (heute Flex-Eingliederungshilfe) ist links im Bild zu sehen. Rechts neben dem trennenden Waldstück liegt der Hof Venghaus, der einen weiteren Schweinemaststall für 1.250 Tiere plant.  (© Ulrich Fälker)

Ein brennendes Thema sei der Maststallbau unter den geistig und psychisch behinderten Bewohnern sowie unter Mitarbeitern des Pflegeheims nicht, sagt Pastor Uwe Winkler: „Mir ist nichts zu Ohren gekommen."

Da die Waldheimat und der Hof Venghaus seit mehr als 100 Jahren eine gute Nachbarschaft pflegen, sieht Winkler der Entwicklung gelassen entgegen. Dass die Heimbewohner bei der Planung keine besondere Rolle gespielt haben, finde er sogar angenehm: „Es zeigt, dass die Menschen hier als ganz normal betrachtet werden."

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