Umleitung Theenhausen: „Muss erst jemand zu Schaden kommen?“

Großbaustelle Theenhausen: Rüdiger Paulsen beklagt in einem Offenen Brief an die Städte Werther und Borgholzhausen, den Kreis Gütersloh und das Haller Kreisblatt die Zustände entlang der Umleitungsstrecke und macht Vorschläge, wie sie sich abmildern ließen

Anja Hanneforth

Gefährlich: Bei Trockenheit ist an dieser Stelle der Dieckbrede Begegnungsverkehr gerade noch möglich. Bei Nässe jedoch laufen Autofahrer Gefahr, in den Graben zu rutschen, da das Gelände beidseitig der Straße deutlich abfällt. Gleichzeitig folgt an dieser Stelle eine nicht einsehbare Kurve. Daher fordert Rüdiger Paulsen hier Tempo 20. - © Anja Hanneforth, HK
Gefährlich: Bei Trockenheit ist an dieser Stelle der Dieckbrede Begegnungsverkehr gerade noch möglich. Bei Nässe jedoch laufen Autofahrer Gefahr, in den Graben zu rutschen, da das Gelände beidseitig der Straße deutlich abfällt. Gleichzeitig folgt an dieser Stelle eine nicht einsehbare Kurve. Daher fordert Rüdiger Paulsen hier Tempo 20. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther-Theenhausen. Rüdiger Paulsen wohnt in Theenhausen. Ist er mit seiner Frau unterwegs, lässt die ihn manchmal in Barnhausen aussteigen, damit er den Rest zu Fuß gehen kann. „Das tut mir gut", sagt er. Zurzeit ist der halbstündige Spaziergang allerdings alles andere als erholsam. Er muss miterleben, was ihm auch schon mit dem Auto passiert ist: Brenzlige Situationen an der Barnhauser Straße und der Dieckbrede, ausgelöst durch genervte, rücksichtslose, oft viel zu schnelle Autofahrer, die die Umleitungsstrecke von oder nach Theenhausen nutzen. „So geht das hier nicht weiter", sagt Paulsen. Und weil er sich bereits mehrfach an den Kreis Gütersloh gewandt hat, ohne dass sich etwas tat, richtet er nun einen offenen Brief an die Städte Werther und Borgholzhausen, den Kreis sowie örtliche Medien, um auf die Missstände hinzuweisen.

Rüdiger Paulsen schickt eines vorweg: Die Bauarbeiten in Theenhausen seien notwendig, die Unannehmlichkeiten verkraftbar. Für ihn selbst bedeutet der Weg über die Ausweichstrecke etwa 1000 Kilometer mehr im Jahr. „Aber damit kann ich leben", sagt er.

Nicht leben will er mit den gefährlichen Situationen, die sich täglich an Barnhauser Straße und Dieckbrede abspielen. Die Straßen, so Paulsen, seien für so viel Verkehr und schon gar Begegnungsverkehr schlicht nicht ausgelegt. Abgesehen von unübersichtlichen Kurven und mehreren Anhöhen berge die Bankette die größte Gefahr. In sie müssten die Autofahrer bei Begegnungsverkehr ausweichen.

"Mir graut vor den nasskalten Monaten"

Höhenunterschied: Schon jetzt sackt die Bankette mehrere Zentimeter tief ab. - © Anja Hanneforth, HK
Höhenunterschied: Schon jetzt sackt die Bankette mehrere Zentimeter tief ab. (© Anja Hanneforth, HK)

„Bei Trockenheit mag das noch gehen", sagt Paulsen. Doch bei Nässe bestehe die Gefahr, dass sich die Autofahrer festfahren oder in die abschüssigen Seitenbereiche rutschen. „Schon jetzt sind die Randstreifen an vielen Stellen abgefahren und eingesackt. Mir graut vor den nasskalten Monaten."

Kritisch werde es, wenn man Landmaschinen, Lastern oder Lieferwagen begegnet. Dann müsse einer zurück, bis irgendwo eine Ausweichmöglichkeit gefunden ist.

Besonders ärgerlich findet Paulsen, dass der Anteil Ortsfremder, die eigentlich die weitere Umgehung der Baustelle nutzen sollten, erheblich zugenommen hat. Das sorge für noch mehr Verkehr.

Paulsen hat mehrere Forderungen, die er bereits im Mai an den Kreis Gütersloh schrieb: Auf der gesamten Dieckbrede, wie schon auf der Barnhauser Straße, Tempo 50; an den gefährlichen Stellen Tempo 30, besser noch Tempo 20, vielleicht sogar Bodenschwellen; die Befestigung der Randstreifen; möglicherweise ein Einbahnstraßenkreisel aus Dieckbrede, Voßheide und Teilen der Barnhauser Straße; eine verbesserte Ausschilderung der Umleitung für den überörtlichen Verkehr.

Vier Mails später, und es passierte nichts. Schließlich sei ihm mitgeteilt worden, man sei nicht zuständig, er solle sich an Polizei und Ordnungsamt wenden. Paulsen sah nur einen Ausweg: einen offenen Brief auch an die Medien. „Denn muss erst jemand zu Schaden kommen, bevor etwas passiert?"

Das sagt der Kreis

In einem ausführlichen Schreiben bezieht Bernhard Riepe von der Abteilung Straßenverkehr Stellung. Der Kreis habe zwei 48-stündige Verkehrsuntersuchungen an der Dieckbrede durchgeführt. Ergebnis: 761 Fahrzeuge täglich, mit einem Lkw-Anteil von drei Prozent. Die Durchschnittsgeschwindigkeit habe zwischen 41 und 45 Stundenkilometern gelegen, 85 Prozent hätten Tempo 51 nicht überschritten. Da die Messungen in den Ferien stattfanden, würden sie in den nächsten Wochen wiederholt. Verkehrsunfälle seien seit Einrichtung der Umleitung keine registriert worden. Die Randstreifen zu befestigen, sei Sache der Stadt Borgholzhausen. Riepe rät jedoch ab, da dadurch die Straße verbreitert und einige Autofahrer noch schneller fahren würden. Möglicherweise würden an besonders gefährlichen Stellen Baken aufgestellt, die Beschilderung der Umleitung werde verbessert. Einen Einbahnstraßenkreisel hält Riepe für wenig hilfreich, da dies die Wege zusätzlich verlängern und zu höheren Geschwindigkeiten führen würde. Dem Hauptproblem, zunehmend rücksichtsloses Verhalten vieler Verkehrsteilnehmer, stehe er allerdings ratlos gegenüber.

Das sagt die Stadt Pium

Das rücksichtslose Verhalten mancher Autofahrer beklagt auch Bauamtsleiterin Kerstin Otte. „Umleitungen und Tempolimits werden missachtet, Absperrbaken an die Seite geräumt. Das macht uns die Sache nicht leichter." Man stehe in engem Kontakt mit dem Kreis, der für die Verkehrsführung zuständig sei. Dieser habe von einem Schottern der Seitenstreifen abgeraten. „Wir wollen es Autofahrern nicht noch komfortabler machen, schneller zu fahren", kann sich Otte der Argumentation anschließen. Sie hat für die Autofahrer noch eine schlechte Nachricht parat: Ab Mitte September werde die Telekom Breitbandkabel entlang der Barnhauser Straße verlegen.

Das sagt die Stadt Werther

Bürgermeisterin Marion Weike verweist auf den Kreis Gütersloh, der für die Straßenführung zuständig sei.

Schranke wird repariert, Tat strafrechtlich verfolgt

Die Schranke, die den Verkehr aus der Großbaustelle in Theenhausen heraushalten soll und die am Wochenende von unbekannten Tätern abgefahren wurde (das HK berichtete), ist wieder aufgetaucht und wird wieder installiert. Das teilte Jan Focken, Sprecher des Kreises Gütersloh, auf Anfrage mit. Die Reparatur soll in den nächsten Tagen erfolgen und die Schranke dann, etwas verkürzt, wieder ihren Dienst an der Voßheide aufnehmen. Wie Focken ausführte, sei die Polizei vor Ort gewesen und die Tat zur Anzeige gebracht worden. „Hier handelt es sich um Sachbeschädigung, die wir nicht hinnehmen werden", so Focken.

Wie groß allerdings die Chancen sind, die Täter zu ermitteln, ließ er dahingestellt. Wie berichtet hatten Bauarbeiter einen Bagger genau dort abgestellt, wo eigentlich eine Videokamera den vollen Blick auf die Schranke haben soll. „Nun müssen wir sehen, ob in den Aufzeichnungen noch etwas von den Tätern oder ihrem Fahrzeug zu erkennen ist."

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