Sterbende Insekten: Warum die Lichtverschmutzung in Werther schwer zu beheben ist

Das Thema Lichtverschmutzung in Werther lässt sich nicht so leicht lösen wie von der Politik erhofft. Im Herbst kommt das Thema erneut auf die Agenda

Anja Hanneforth

In der Kritik: Tagsüber locken die Blumen die Insekten an, bei Dunkelheit sind es Werthers Straßenlaternen - in diesem Fall die in Häger. Doch das zwanghafte Umschwirren, ausgelöst durch die Lichtquelle, treibt die Tiere in den sicheren Tod. - © Anja Hanneforth, HK
In der Kritik: Tagsüber locken die Blumen die Insekten an, bei Dunkelheit sind es Werthers Straßenlaternen - in diesem Fall die in Häger. Doch das zwanghafte Umschwirren, ausgelöst durch die Lichtquelle, treibt die Tiere in den sicheren Tod. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. CDU-Ratsherr Ernst-Georg Giesselmann hatte Anfang Februar das Thema in den Fokus der Politik gerückt. Er beklagte mögliche Auswirkungen von Werthers Straßenlaternen auf die Insektenwelt. Das Licht der Lampen könne, so seine Befürchtung, die Tiere anlocken und auf lange Sicht durch deren zwanghaftes Umschwirren töten. Getan hat sich seitdem nichts. Jetzt ist der Sommer fast vorbei, und frühestens im Herbst wird sich die Politik erneut mit dem Thema befassen.

Wie berichtet hatte sich der Verdacht, dass die Lichtquellen wenig insektenfreundlich sind, zwischenzeitlich erhärtet. Doch lässt sich der Vorschlag aus der Politik, künftig einfach jede zweite Laterne in den Nachtstunden zwischen April und Oktober abzuklemmen, nicht ohne Weiteres umsetzen.

Bauamtsleiter Jens Kreiensiek erläuterte im Fachausschuss den Grund: Die Schalttechnik ließe dies nicht zu. Wolle die Politik den Wunsch dennoch umsetzen, müssten Kollegen vom Bauhof im Frühjahr und im Herbst jede zweite Laterne anfahren und manuell umklemmen; anders sei dies nicht möglich. Pro Laterne würde dies etwa eine Viertelstunde dauern. 900 Laternen im Stadtgebiet seien betroffen, 450 von ihnen müssten also zweimal im Jahr angesteuert werden.

Gespräche mit Nachbarkommunen geplant

Es lässt sich schnell ausrechnen, was dies bedeutet: Je Runde wäre ein einziger Mitarbeiter, legt man eine Arbeitszeit von acht Stunden pro Tag zu Grunde, 14 reine Arbeitstage, also abzüglich der Wochenenden fast drei Wochen nur mit dem Umklemmen der Lampen beschäftigt. „Will man das?", gab Kreiensiek die Antwort gleich selbst.

Er kündigte an, dass es demnächst Gespräche mit den Nachbarkommunen geben werde, um sich über insektenfreundliche Beleuchtungen auszutauschen. In einer der nächsten Fachausschüsse würden dann die Ergebnisse vorgestellt. Außerdem ließ Kreiensiek wissen, dass entlang des Fußwegs in der Mühlenwiese testweise neue Leuchtenköpfe montiert worden seien: mit LED-Licht, zusätzlich mit Gelblicht und eine Vulkanleuchte. „Das kann sich jeder gern mal ansehen", lud er ein.

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