Urlaubsgrüße aus Werther: Das sind die Postkarten aus der Böckstiegel-Stadt

Auch im digitalen Zeitalter haben die Wurfsendungen mit Motiv ihre treuen Käufer. Die Grüße aus Papier gehen auch schon mal über den Atlantischen Ozean.

Claus Meyer

Starkes Blatt auf der Hand: Nadine Bihlmayer von der Buchhandlung Lesezeichen zeigt Postkarten mit Wertheraner Motiven. Foto: Claus Meyer - © Claus Meyer
Starkes Blatt auf der Hand: Nadine Bihlmayer von der Buchhandlung Lesezeichen zeigt Postkarten mit Wertheraner Motiven. Foto: Claus Meyer (© Claus Meyer)
Postkarten Werther: Bücherhäuschen Häger - © Christiane Dammeyer
Postkarten Werther: Bücherhäuschen Häger (© Christiane Dammeyer)

Werther. Das Analogste in einer schwindenden analogen Welt hält sich noch ganz wacker. 155 Millionen Postkarten sind 2018 in Deutschland angekommen oder verschickt worden. Fünf Prozent weniger als 2017, aber immer noch statistisch betrachtet fast zwei pro Einwohner. Und das in einer Zeit, in der die SMS schon lange als veraltet gilt.

Auch aus der Böckstiegelstadt können Urlaubsgrüße in alle Welt gesandt werden. Die Buchhandlung Lesezeichen, der Dorfladen Häger und das Museum Peter August Böckstiegel sind beispielsweise Verkaufsstellen für Postkarten aus Werther.

Info

Ansichten in Schwarz-Weiß

• Sinnigerweise heißt die Seite oldthing.de: Wer hier sucht, findet in der Tat alte Sachen. Zum Beispiel Postkarten aus Werther. Die meisten in Schwarz-Weiß, manch eine in Farbe. Wer die alten Schätzchen haben möchte, muss ein wenig Geld erübrigen können. Für die »Ortsansicht aus der Vogelschau« fordert der Anbieter Bartko-Reher aus Berlin fünf Euro. Für die kolorierte »Restauration Georg Wöhrmann um 1920« will dresden-de satte 28 Euro sehen.

• Umsonst gibt es die Motive auf dem Geschichtsportal Werther. Die Suche nach »Postkarte« liefert 143 Treffer: von der Alten Bielefelder Straße mit der St. Jacobi-Kirche über den Kippskrug bis zur Volksschule. Die historischen Abbildungen beinhalten eine Beschreibung und sind zeitlich eingeordnet.

„Die Karten sind in jedem Fall ein beliebtes Mitbringsel"

Wenig verwunderlich ist, dass im Museum an der Schloßstraße Motive des expressionistischen Meisters vorherrschen: ein Selbstbildnis von Böckstiegel oder die »Dorfstraße mit Bäumen« von 1917, alles für einen Euro. Die entsprechenden Postkarten gibt es auch im Rathaus und in der Buchhandlung Lesezeichen.

Böckstiegelgemälde »Erntefeld mit Vater und Geschwistern« - © Repro: Claus Meyer
Böckstiegelgemälde »Erntefeld mit Vater und Geschwistern« (© Repro: Claus Meyer)

Lilian Wohnhas, im Museum für Kunstvermittlung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, berichtet von einer guten Resonanz. In den ersten Monaten des Museums, das am 30. August einjähriges Bestehen feiert, habe im Schnitt jeder Besucher und jede Besucherin etwa drei Postkarten gekauft, nennt sie einen ungefähren Wert. „Die Postkarten sind in jedem Fall ein beliebtes Mitbringsel", sagt Lilian Wohnhas. Gerade erst sei ein großer Stoß mit zehn neuen Motiven aufgelegt worden, darunter das »Erntefeld mit Vater und Geschwistern« von 1930.

Ein halbes Regal füllen die Wertheraner Postkarten in der Buchhandlung Lesezeichen. Zeitgenössische Motive zieren die Postsendungen. Zu sehen sind das Haus Werther, ein Luftbild vom Erdbeerfest mit Riesenrad und ein Ensemble mit der St.Jacobi-Kirche, der Alten Post und dem Venghauss-Platz. Ulrich Maaß hat die Fotos aufgenommen. Auf buntem Untergrund liefert zudem die Firma »Type Art Satz & Grafik« aus Dortmund mehrere Wertheraner Impressionen wie den Hof Pötting oder das Rathaus.

Das Lesezeichen reagiert bei der Motivwahl auch auf die Jahreszeit. So bereichert Ulrich Maaß das Verkaufsregal zu Weihnachten auch schon mal mit Bildkarten von den Wertheraner Engelhöfen.

Eine Besonderheit stellt die Motivserie mit Türen dar, die ebenfalls Ulrich Maaß beigesteuert hat. Unter anderem sind hier der Eingänge zum Funtastic und zum Hotel Stadt Werther festgehalten. „Die Türen sind schon etwas Besonderes", sagt Nadine Bihlmayer vom Lesezeichen.

500 Exemplare pro Jahr, so schätzt sie, verkaufe die Buchhandlung an der Ravensberger Straße an Postkarten mit Wertheraner Motiven. „Weniger geworden ist es nicht", sagt Bihlmayer. Das liege auch an den vielen Austauschschülern, die die Postkarten nach Hause schickten oder sie als Erinnerung an die Zeit in Werther kauften. Bevorzugt seien in dieser Kundengruppe die Karten, die mit mehreren Bildern einen vielfältigen Eindruck von der temporären Heimat vermitteln. Bilder von Peter August Böckstiegel würden dagegen eher von älteren Leuten gekauft.

Drei Motivreihen hat mittlerweile der Dorfladen Häger aufgelegt. Unter den Titeln »Häger Idyllisch«, »Häger Historisch« und »Häger Himmlisch« gibt es jeweils vier Impressionen aus dem Wertheraner Ortsteil. „Es ist ein »Nice to have«", ordnet Wolfgang Lamek vom Dorfladen den Wert der Postkarten ein. Von denen hat ein Kunde auch schon welche nach Kanada an die Verwandtschaft geschickt. Dort und anderswo können sich die Adressaten Häger im Schnee, das Bücherhäuschen mit Johanneskirche oder den Speicher Esselmann an die Korkwand hängen.

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