Trockenheit und Hitze: Kartoffelbauer Pahmeyer reagiert auf hohe Ernteausfälle

Kartoffelmanufaktur: Trockenheit und Hitze setzen der Knolle stark zu. Hohe Ernteausfälle lassen Uwe Pahmeyer zum Rotstift greifen

Kerstin Spieker

Werther. Leila muss gehen, Malika kommt, und Alexandra ist im Test total durchgefallen. Nein, bei Kartoffelbauer Uwe Pahmeyer geben sich nicht die Mitarbeiterinnen die Klinke in die Hand. Die Rede ist von Kartoffelsorten. Und da muss der Wertheraner Landwirt nun schauen, welche unter den offenkundig veränderten Witterungsbedingungen am besten zu seinen Böden passt. Möglichst resistent gegen Trockenheit muss sie sein. „Das ist unsere einzige Möglichkeit, den Ernteausfällen ein wenig gegenzusteuern", sagt Pahmeyer – und er weiß, wovon er redet.

30 Prozent Ernteausfall bescherte ihm bereits der extreme Sommer des vergangenen Jahres. Die Kombination aus Trockenheit und Hitze macht der eigentlich als robust geltenden Knolle das Leben und damit das Wachstum schwer.

„Ab 27 Grad wachsen Kartoffeln nicht mehr", erklärt Pahmeyer das Problem. Und die große Trockenheit sorge für ein vorzeitiges Abreifen der Pflanzen. Das Laub über der Erde welke dann und produziere keine Energie mehr für das Wachstum der Knollen unter der Erde. Die Kartoffeln blieben klein. Auf 50 Prozent der 330 Hektar, auf denen Pahmeyer Kartoffeln anbaut, ist das nach Einschätzung des Landwirts in diesem Jahr der Fall.

Landwirt bereitet sich auf weitere extreme Sommer vor

Einbußen: Schon im vergangenen Jahr lag der Ausfall bei der Kartoffelernte bei 30 Prozent. Uwe Pahmeyer fürchtet angesichts zu klein gebliebener Kartoffeln, dass es auch in diesem Jahr erhebliche Einbrüche im Ertrag geben wird. - © Kerstin Spieker, HK
Einbußen: Schon im vergangenen Jahr lag der Ausfall bei der Kartoffelernte bei 30 Prozent. Uwe Pahmeyer fürchtet angesichts zu klein gebliebener Kartoffeln, dass es auch in diesem Jahr erhebliche Einbrüche im Ertrag geben wird. (© Kerstin Spieker, HK)

Mit dem Roden der betroffenen Flächen hat der Betrieb bereits begonnen. Kartoffeln mit einer Größe von weniger als 30 Millimetern Durchmesser bleiben auf dem Acker liegen. Sie fallen durch die Roste der Erntemaschine. Uwe Pahmeyer fürchtet, dass die Ausfälle dadurch in etwa das Ausmaß des Vorjahres annehmen werden. Und das bedeutet nicht nur einen Ertragsausfall. Es bedeutet für den Unternehmer auch, dass in seiner Kartoffelmanufaktur der Rohstoff knapp wird.

„Unsere Berechnungsgrundlage ist, dass wir 90 Prozent unserer Kartoffeln auf eigenen Flächen anbauen", macht Pahmeyer deutlich. 90 Prozent deshalb, weil es eben immer mal Ertragsschwankungen bei der Ernte gebe. Mit solchen normalen Schwankungen seien allerdings keinesfalls 30 Prozent Ausfallquote gemeint. Die kann die Kartoffelmanufaktur nur durch kostenintensive Zukäufe ausgleichen.

Zwar konnte Pahmeyer mit den großen Einzelhandelsketten, bei denen seine Reibeplätzchen, Röstis und Bratkartoffeln gelistet sind, eine kleine Preissteigerung von zwei bis drei Prozent aushandeln. Das reicht aber nicht, um die Mehrkosten aufzufangen. In der Konsequenz griff Uwe Pahmeyer zum Rotstift.

"Verschiedene neue Ideen haben wir erst einmal in die Schublade gelegt"

„Wir haben uns von einigen etwas weniger rentablen Geschäftsfeldern getrennt. Und verschiedene neue Ideen haben wir erst einmal in die Schublade gelegt." Ein Schritt, der ihm nicht leicht fiel, hat sich das Unternehmen doch gerade durch seine Innovationsfreudigkeit einen Namen gemacht.

Zwar hofft Pahmeyer, dass der vorausgesagte Regen die Ernteeinbußen auf dem Rest seiner Flächen abmildern wird. Doch bereitet sich der Landwirt trotzdem auf weitere extreme Sommer in der Zukunft vor.

Verloren: Hier hilft auch der Regen der letzten Tage nichts mehr. Wenn das Laub über der Erde einmal abgewelkt ist, dann findet in der Knolle unter der Erde kein Wachstum mehr statt. - © Kerstin Spieker, HK
Verloren: Hier hilft auch der Regen der letzten Tage nichts mehr. Wenn das Laub über der Erde einmal abgewelkt ist, dann findet in der Knolle unter der Erde kein Wachstum mehr statt. (© Kerstin Spieker, HK)

„Man pflügt den Boden zum Beispiel nicht mehr, sondern setzt auf eine minimale Bearbeitung", erklärt er. Dadurch verliere er nicht so viel Wasser. „Plötzlich ist in Werther der Humusgehalt von Böden ein wichtiges Thema", so der Landwirt. Das habe angesichts der schweren fruchtbaren Lehmböden früher kaum interessiert. Aber Böden mit einem höheren Humusgehalt könnten Wasser nun mal besser speichern. Normalerweise liege die so genannte freie Feldkapazität, also die Wasserfüllung des Bodens, im Frühjahr bei 100 Prozent. Im zurückliegenden Frühjahr habe sie in Werther bei 60 Prozent gelegen.

"Das macht demütig im Umgang mit der Natur"

Angesichts dieser Situation spielt die Sortenauswahl eine wichtige Rolle. Zusammen mit Annabell wird statt Leila künftig Malika als Frühkartoffel angebaut. Unter den lagerfähigen Sorten liegen derzeit Belana, Marabell und Regina vorn. Allerdings testet Pahmeyer jedes Jahr auch ungefähr fünf andere Züchtungen auf seinen Böden, immer auf der Suche nach der optimalen Kartoffel für seine Flächen.

Was die Bemühungen bringen, weiß Uwe Pahmeyer nicht. Eines aber schon: „Am Ende sind das alles kleine Gegenmaßnahmen. Da wirken Kräfte, die wir nicht steuern können. Und das jetzt so zu erleben, macht demütiger im Umgang mit der Natur."

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