Weco-Entscheidung fällt nach Kampfabstimmung

Weco-Gelände: In einer Sondersitzung des Planungsausschusses bringen die Mitglieder den Entwurf des Bebauungsplans auf den Weg. Doch es bleiben viele offene Fragen. Allen voran die nach der Zukunft des drei Hektar großen Areals

Anja Hanneforth

Sollen erhalten bleiben: Geht es nach der Stadt, werden die Bäume auf dem Weco-Gelände entlang der Engerstraße nicht gefällt, sondern bleiben auch bei einer Überplanung des Areals stehen. Um auf mögliche Entwicklungen Einfluss zu nehmen, hat die Politik jetzt mit knapper Mehrheit den Entwurf eines Bebauungsplans beschlossen. - © Anja Hanneforth, HK
Sollen erhalten bleiben: Geht es nach der Stadt, werden die Bäume auf dem Weco-Gelände entlang der Engerstraße nicht gefällt, sondern bleiben auch bei einer Überplanung des Areals stehen. Um auf mögliche Entwicklungen Einfluss zu nehmen, hat die Politik jetzt mit knapper Mehrheit den Entwurf eines Bebauungsplans beschlossen. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. Inhaber Gerhard Wehmeyer sauer, weil es nicht vorangeht, die Anwohner verunsichert, weil sie um den Bestandsschutz ihrer Häuser fürchten, viele Politiker verärgert, weil sie in nur zehn Tagen „im Schweinsgalopp" 230 Ausschussseiten durcharbeiten mussten: keine gute Ausgangslage, um konstruktiv an einer Lösung für das umstrittene Weco-Gelände zu arbeiten. Es brauchte eineinhalb Stunden Sitzungszeit und zehn Minuten Sitzungsunterbrechung, bevor in einer Kampfabstimmung die knappe Mehrheit von 11 : 9 Stimmen den Entwurf des Bebauungsplans »Weco-Center« auf den Weg brachte.

Zehn Jahre dauert das Ringen von Stadt und Inhaber Gerhard Wehmeyer um eine Neuausrichtung des Weco-Geländes inzwischen. Die Fronten sind verhärtet, auch weil die Ideen darüber, was auf dem Gelände einmal entstehen soll, weit auseinandergehen. Wehmeyer will Einzelhandel, die Stadt nicht; wenn, dann höchstens Sortimente, die die Geschäfte der Innenstadt nicht schädigen. Da die Stadt aber nicht Eigentümerin der Fläche ist, bleibt ihr als einzige Möglichkeit das Aufstellen eines Bebauungsplans. Nur dann hat sie die Möglichkeit, gewisse Rahmenbedingungen vorzugeben. Im November 2017 hat sie daher eine Veränderungssperre für das Gebiet erlassen, um zwei Jahre Zeit zu gewinnen, einen solchen Plan auf den Weg zu bringen.

Diese zwei Jahre laufen nun bald ab, weshalb sie so schnell wie möglich mit ihren Plänen in die Offenlage gehen muss. Daher die Sondersitzung während der Ferien, was besonders bei Vertretern von CDU und Grünen böse aufstieß.

FDP war das Zünglein an der Waage

Zünglein an der Waage waren an diesem Abend allerdings andere. Hatte die FDP während der Sitzung noch angekündigt, dem Entwurfsbeschluss nicht zustimmen zu können („Wir wollen auf dem Weco-Gelände keinerlei Form von Einzelhandel"), brachten Gespräche während einer Sitzungsunterbrechung die Kehrtwende: Man werde jetzt doch erst einmal zustimmen und im nächsten Schritt juristisch prüfen lassen, welche Gestaltungskanäle die Stadt an dieser Stelle noch hat.

Und so stimmten SPD, UWG und FDP für, CDU und Grüne gegen den Entwurfsbeschluss. Der enthält neben der eigentlichen Planung sämtliche Eingaben, die im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung eingegangen sind, dazu Ausführungen zum Einzelhandelskonzept, einen über 60 Seiten langen Umweltbericht und ein schalltechnisches Gutachten.

So könnte es aussehen: Der beispielhafte Entwurf sieht zur Engerstraße hin dreigeschossige, von Fenstern durchbrochene Gebäude vor – ausdrücklich keine geschlossenen Hallen. - © Enderweit + Partner GmbH
So könnte es aussehen: Der beispielhafte Entwurf sieht zur Engerstraße hin dreigeschossige, von Fenstern durchbrochene Gebäude vor – ausdrücklich keine geschlossenen Hallen. (© Enderweit + Partner GmbH)

In vielen Aspekten, das wurde in der Sitzung und in Gesprächen danach deutlich, sind sich Politiker, Anwohner und Inhaber weiter uneins. Gerhard Wehmeyer sorgt sich um die Zukunft seines Grundstücks, die Anwohner sorgen sich um den Bestandsschutz ihrer Häuser, die Stadt um den Schutz der Innenstadt und den Schutz umliegender Betriebe. Eine schwierige Gemengelage, bei der viele Aspekte zum Tragen kommen.

Sanierungsplan

Ohne ihn geht gar nichts. Bevor nicht geklärt ist, wie mit den Altlasten umgegangen wird, wird kein Bagger anrücken, das machte Planer Werner von Beeren unmissverständlich deutlich.

Einzelhandel

Der zentrale Faktor bei allen Überlegungen. Während Gerhard Wehmeyer auf einer Ansiedlung von Einzelhandel besteht, da nur sie „ausreichend Einnahmen für die Beseitigung der Altlasten" einspiele, wollen Politik und Verwaltung dies ausdrücklich verhindern. Sie stellen den Schutz der Innenstadt an die erste Stelle und schließen zentrenrelevante Sortimente komplett und nahversorgungsrelevante Sortimente zu großen Teilen aus. Höchstens zur Engerstraße hin können sie sich einen schmalen Riegel mit Geschäften vorstellen – allerdings ausdrücklich keine „eingeschossigen Zweckbauten".

Wohnen

Kommt nach Aussage der Verwaltung und mit einem Verweis auf die ablehnende Haltung der Bezirksregierung auf dem Weco-Gelände nicht in Frage. Dazu müssten die Altlasten im Boden erst vollständig beseitigt werden, was kaum zu bezahlen wäre. Die existierenden Häuser genießen indes Bestandsschutz. Zwischen ihnen und der Gewerbefläche sollen zusätzliche Schutzstreifen realisiert werden, die angrenzende Bebauung darf eine maximale Höhe von acht Metern nicht überschreiten.

Anbindung an die Straße

Die Erschließung des Weco-Geländes erfolgt über eine Stichstraße, abgehend von der Engerstraße. An der Engerstraße selbst soll es eine Abbiegespur und eine Querungshilfe geben.

Der Entwurf des Bebauungsplans wird nun öffentlich ausgelegt, dazu werden die Stellungnahmen der Behörden und Träger öffentlicher Belange eingeholt. Auch Bürger haben erneut die Möglichkeit, Anregungen und Kritik vorzubringen.

Als wichtiger Schritt im Verfahren findet am Mittwoch, 4. September, ein öffentlicher Erörterungstermin zum Weco-Gelände statt. Beginn ist um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

Info
Zwangsversteigerung nicht vom Tisch

Wie Weco-Inhaber Gerhard Wehmeyer mitteilte, habe die Sparkasse Bielefeld das Zwangsversteigerungsverfahren für sein Grundstück inzwischen eingestellt. Ein Sprecher des Kreditinstituts bestätigte dies, betonte jedoch, dass der Ball inzwischen bei der Stadt Werther läge. Bürgermeisterin Marion Weike sagte, das Verfahren sei keineswegs erledigt, eine Zwangsversteigerung nicht vom Tisch. Das Gutachten über den Verkehrswert der Fläche läge inzwischen vor, dieser läge „deutlich niedriger als erwartet". Wie berichtet hatte die Stadt Gerhard Wehmeyer im vergangenen Jahr 500.000 Euro für das Areal angeboten.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.