Mit der Angst vor’m Feuer fing alles an: "Häger Versicherung" hat heute 40.000 Mitglieder

Vor 150 Jahren: Am 21. Juli 1869 haben 77 Landwirte in Häger der Privat-Feuerversicherungsverein gegründet. Heute firmiert er unter dem Namen Häger Versicherung und zählt fast 40.000 Mitglieder in ganz Deutschland

Anja Hanneforth

Gutes Team: Heute leiten Marcus Dierschke und Simone Bartsch die Geschicke des Versicherungsvereins Häger. Seit Gründungstagen ist er in diesem Haus im Herzen von Häger an der Engerstraße ansässig. - © Anja Hanneforth
Gutes Team: Heute leiten Marcus Dierschke und Simone Bartsch die Geschicke des Versicherungsvereins Häger. Seit Gründungstagen ist er in diesem Haus im Herzen von Häger an der Engerstraße ansässig. (© Anja Hanneforth)

Werther-Häger. Wenn es etwas gab, das die Landwirte Mitte des 19. Jahrhunderts im ländlichen Werther fürchteten, dann war es Feuer. Zu oft hatten sie miterleben müssen, wie Scheunen und ganze Höfe in Flammen aufgingen, weil Heu sich entzündete, offene Herdstellen oder Lampen in Brand gerieten. Was also tun? Anno 1869 hatten sie die entscheidende Idee: 77 Bürger schlossen sich zusammen und gründeten am 21. Juli in der Schule zur Bleeke den Privat-Feuerversicherungsverein Häger. Am morgigen Sonntag auf den Tag genau existiert er – inzwischen unter dem Namen Häger Versicherungsverein – seit 150 Jahren.

Natürlich haben sich die Zeiten geändert. Heute ist der Versicherungsverein ein ganz normaler, wenn auch kleiner Versicherer. „Verglichen mit den Großen gehören wir zur Kategorie XXXS", meint Vorstandsvorsitzende Simone Bartsch augenzwinkernd. 90 Prozent des Portfolios machten Hausrat- und Gebäudeversicherungen aus, außerdem gehörten Unfallversicherungen zum Geschäftsfeld.

Elf Personen – Simone Bartsch und ihr Vorstandskollege Marcus Dierschke sowie neun Mitarbeiter – wuppen an der Engerstraße im Herzen von Häger die Geschäfte. Immer noch im selben Gebäude, in dem schon der Feuerversicherungsverein seine Heimat hatte.

"Es ist eine Herausforderung, heute am Markt zu bestehen"

„Sicher ist es eine Herausforderung, heute am Markt zu bestehen", gibt Simone Bartsch zu. Und die Zeiten würden nicht einfacher. „Unser Vorteil ist, dass wir immer und schnell erreichbar sind. Bei uns schieben die Kunden keinen Frust, weil sie in einem Call-Center landen. Wenn sie dreimal bei uns anrufen, müssen sie nicht drei verschiedenen Sachbearbeitern ihren Schadensfall erklären, sondern landen immer bei der selben Person."

Genauer gehts nicht: Dieser Versicherungspolice aus dem Jahr 1926 ist zu entnehmen, dass Hanne Kastrup allerhand Hausrat versichert hatte - darunter einen Kleiderschrank, zwei Nachtschränke, zwei Garderobenhalter, eine Tischdecke, drei Regenschirme, ebenso viele Fahrräder, 18 Porzellantassen, zwei Pfannkuchenteller und zwei Bratpfannen. - © Anja Hanneforth
Genauer gehts nicht: Dieser Versicherungspolice aus dem Jahr 1926 ist zu entnehmen, dass Hanne Kastrup allerhand Hausrat versichert hatte - darunter einen Kleiderschrank, zwei Nachtschränke, zwei Garderobenhalter, eine Tischdecke, drei Regenschirme, ebenso viele Fahrräder, 18 Porzellantassen, zwei Pfannkuchenteller und zwei Bratpfannen. (© Anja Hanneforth)


Bei Katastrophen wie Sturmtief Kyrill 2007, als tausende Schäden abgewickelt werden mussten, war es selbstverständlich, dass in Häger Sonderschichten geleistet und das Wochenende durchgearbeitet wurde. „Bei tausenden Anrufen wäre das anders auch nicht gegangen", blickt Simone Bartsch zurück.

Diese Vorteile wissen 900 Wertheraner zu schätzen, die in Häger versichert sind. Und mit ihnen 39.000 Mitglieder aus ganz Deutschland. Möglich machen dies 800 unabhängige Makler, mit denen der Versicherungsverein zusammenarbeitet. „Denn wir sind ja nicht das Epi-Zentrum auf dem Versicherungsmarkt, auf das jeder Kunde gleich aufmerksam wird", meint Vorstand Marcus Dierschke lachend.

Zehn-Millionen-Grenze knapp verpasst

„Gesundes Wachstum": Das ist das, was ihm und Simone Bartsch wichtig ist. Gern hätten sie zum 150-jährigen Bestehen vermeldet, die Zehn-Millionen-Grenze an Prämieneinnahmen geknackt zu haben. Das hat zwar nicht ganz geklappt – aktuell liegt die Zahl bei gut 9,3 Millionen Euro. „Aber wir bringen auch keine Harakiri-Versicherungen an den Start, nur um schnell zu wachsen", betont Simone Bartsch. Wenn die zehn Millionen in drei Jahren erreicht würden, wäre sie sehr zufrieden.

Sämtliche Gewinne des Hauses fließen übrigens nicht als Dividende an die Mitglieder zurück, sondern verbleiben zur Stärkung des Eigenkapitals im Verein. „Was uns günstige Beiträge erlaubt und am Ende ermöglicht, dass wir wettbewerbsfähig bleiben." Auch als kleiner Spieler im XXXS-Format aus Häger.

Info
Spezieller Fall aus Bayern 

Auch sowas gibt's: Der kurioseste Versicherungsfall ereignete sich vor sechs Jahren in Bayern. Wörtlich schildert der damalige Verursacher in der Meldung über einen Glasschaden: „...habe ich mit meiner Ehefrau zusammen geduscht. Nach kurzer Zeit wurden wir intim. Da wir beide nicht gerade die Schlanksten sind, konnte dies nur schief gehen. Beim Liebesspiel verlor meine Frau das Gleichgewicht und brach durch die Duschwand." Da man keinen Vorsatz unterstellen konnte, blieb für den Versicherer aus Häger nur eines: Er hat die gut 1.000 Euro anstandslos bezahlt. Und weil Vorstand Simone Bartsch die Geschichte so schön fand, hat sie sie sogar in die Jubiläumsbroschüre aufgenommen. „Wobei wir lange überlegt haben, ob das nicht vielleicht zu anzüglich ist."

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