Existenzangst: Werthers Kaufleute befragen ihre Kunden

Die Debatte um das Stadtentwicklungskonzept hat unter den Einzelhändlern große Sorgen ausgelöst. Sie wollen vor allem verhindern, dass dringend benötigte Parkflächen wegfallen

Kerstin Spieker

Bürger einbinden: Ulrich Kullak, Vera Consbruch und Stefan Roussakis (von links) von der Werbegemeinschaft Werther fragen Kunden nach ihrer Meinung zu Veränderungen in der Innenstadt. - © Kerstin Spieker, HK
Bürger einbinden: Ulrich Kullak, Vera Consbruch und Stefan Roussakis (von links) von der Werbegemeinschaft Werther fragen Kunden nach ihrer Meinung zu Veränderungen in der Innenstadt. (© Kerstin Spieker, HK)

Werther. Sorge macht sich breit unter Kaufleuten in der Wertheraner Innenstadt. Was wird das neue Stadtentwicklungskonzept ihnen bringen und welche Folgen haben am Ende die derzeit angedachten Veränderungen für die Einzelhändler? Diese Fragen treiben sie um. „Das Echo unserer Mitglieder auf eine eventuelle Einbahnstraßenregelung für die Ravensberger Straße und eine Sperrung der Zufahrt zum Alten Markt vom Busbahnhof aus ist geprägt von großer Unruhe und Angst um die Existenz", erklärten Ulrich Kullak, Stefan Roussakis und Vera Consbruch von der Werbegemeinschaft Werther gestern im Gespräch mit dem HK.

Zu viel Durchgangsverkehr, zu viele Autoparkplätze und zu wenig einladende Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum. So lässt sich die grundlegende Kritik zusammenfassen, die das von der Stadt beauftragte Planungsbüro complan am Ende der Bürgerbeteiligung der Wertheraner Politik vortrug. Wohl wissend, welches Konfliktpotenzial eventuelle Veränderungen in der Verkehrsführung und der Nutzung von Flächen im Zentrum bergen können, riet Chefplanerin Caroline Uhlig im Fachausschuss, gegebenenfalls ein Verkehrsgutachten einzuholen. Auf alle Fälle aber riet sie dringendst, zunächst einmal mit Anliegern und Kaufleuten ins Gespräch zu kommen.

„Wir sehen die Gefahr des Aussterbens der Innenstadt"

„Vielleicht brauchen wir ja auch gar kein teures Gutachten", so Vera Consbruch. Um der Politik eine Entscheidungshilfe zu geben, wird die Werbegemeinschaft innerhalb der kommenden vier Wochen eine Kundenbefragung in den Geschäften durchführen. Nach ihrem Alter, ihrem Wohnort und der Art ihrer Mobilität werden Menschen da befragt. Außerdem danach, wie sie zur Sperrung am Busbahnhof und zur Einbahnstraßenlösung auf der Ravenberger Straße stehen. „Würden Sie dann weniger einkaufen und erledigen in der Kernstadt?" ist eine der zentralen Fragen und „Würden Sie die dann neu entstehenden Verweilmöglichkeiten auf dem Alten Markt oder dem Venghaussplatz nutzen, wenn hierfür Pkw-Parkplätze wegfallen?" lautete eine andere.

„Wir sehen die Gefahr des Aussterbens der Innenstadt", so Vera Consbruch. Viele Kunden schätzten nun einmal die gute Anfahrbarkeit der Wertheraner Innenstadtgeschäfte. Vor allem Läden wie der Postshop am Venghaussplatz zum Beispiel bräuchten wohl eher mehr als weniger Parkplätze. Die Leute wollten ihre Pakete ja nicht erst quer durch die Stadt tragen. „Wenn man schaut, dann sind doch die Parkplätze in der Innenstadt immer besetzt. Das heißt doch, dass sie auch benötigt werden", so Ulrich Kullak. Innenstadtsnahe Ausweichflächen für öffentliche Parkplätze stünden zudem seines Wissens nach als Alternativen nicht zur Verfügung. Insofern denkt er, es wäre sinnvoll, die Parkplätze so zu lassen wie sie sind. Und fraglich sei ja zudem, ob die Bürger zusätzliche Verweilmöglichkeiten denn überhaupt nutzen würden, ergänzte Vera Consbruch.

Gleichwohl wollen die Kaufleute zunächst einmal wissen, was ihre Kundschaft zum Thema zu sagen hat und bittet deshalb um rege Beteiligung. Zum Ende der politischen Sommerpause hin will Vera Consbruch das Ergebnis präsentieren. „Und zwar, egal wie es ausfällt", betont sie. Im Herbst dann stehen erste Stadtentwicklungsmaßnahmen in den politischen Gremien zur Abstimmung.

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