Baustellen-Ärger: Die Lage in Theenhausen spitzt sich zu

Eine Bewohnerin der Voßheide sieht sich vom Kreis Gütersloh und dem Mann eines Sicherheitsdienstes fälschlich bezichtigt, die Straße unerlaubterweise benutzt zu haben

Anja Hanneforth

Eigentlich nicht gestattet: Zahlreiche Autofahrer nutzen, von der Langenheider Straße kommend, die Voßheide, um die Großbaustelle in Theenhausen zu umgehen. Erlaubt ist das nicht. Daher wird ab sofort kontrolliert, kommenden Montag sollen Schranken aufgestellt werden, die eine Durchfahrt komplett unterbinden. - © Anja Hanneforth, HK
Eigentlich nicht gestattet: Zahlreiche Autofahrer nutzen, von der Langenheider Straße kommend, die Voßheide, um die Großbaustelle in Theenhausen zu umgehen. Erlaubt ist das nicht. Daher wird ab sofort kontrolliert, kommenden Montag sollen Schranken aufgestellt werden, die eine Durchfahrt komplett unterbinden. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther-Theenhausen. Die Nerven liegen blank. Gefühlt halb Theenhausen und darüber hinaus zahlreiche Pendler sind wütend über die Einschränkungen, denen sie durch die Großbaustelle in der Ortsdurchfahrt ausgeliefert sind. In der Redaktion des Haller Kreisblatts meldete sich jetzt eine Bewohnerin der Voßheide. Sie war äußerst aufgebracht darüber, dass der Kreis Gütersloh ihr Verhalten gegenüber einem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma öffentlich in der Zeitung kritisiert hatte (HK vom 14. Juni).

Ihrer Ansicht nach habe sie nichts falsch gemacht. Sie sei Anliegerin der Voßheide und habe entsprechend auch von Süden her in die Straße einbiegen dürfen, um nach Hause zu gelangen. Etwas, das ihr der Sicherheitsmann habe verwehren wollen. Sie bat das HK um Klarstellung.

Streit mit Sicherheitsdienst

Was war passiert? Die Rentnerin war vergangenen Mittwoch mit ihrem Wagen von der Langenheider in die Theenhausener Straße und unmittelbar dahinter in die Voßheide eingebogen. Die Straßen sind zwar mit Warnbaken gekennzeichnet, aber nicht aufgerissen. Lediglich am Straßenrand liegen Kanalrohre und Arbeitsgerät bereit.

In der Voßheide kam die Frau nicht weiter. Nach 100 Metern wurde sie vom Mann eines Sicherheitsdienstes angehalten. Mit ihr gesprochen habe er nicht, schildert die Frau, nur mit den Händen signalisiert, dass es hier nicht weiterginge und sie umkehren solle. Gleichzeitig habe er mit seinem Handy ihr Kennzeichen abfotografiert.

"Das war die reinste Schikane"

Die Theenhausenerin, in der sicheren Annahme, hier fahren zu dürfen, wollte die Maßregelung nicht hinnehmen und fuhr direkt vor den Mann vor und hupte. „Als ich dort stand, fuhren andere Autos ohne jede Einschränkung an mir vorbei", ärgert sie sich. Als der Sicherheitsmann den Weg noch immer nicht freigab, habe sie ihm durchs geöffnete Fenster zu verstehen gegeben, dass sie ihren Wagen dann eben genau an dieser Stelle stehen lassen würde. Woraufhin der Mann sagte, dass dies Nötigung sei, da die Durchfahrt für Busse gewährleistet sein müsse. Zur Eskalation kam es am Ende nicht, irgendwann seien die Sicherheitsleute abgezogen und sie selbst nach Hause gefahren.

„Das war die reinste Schikane", ärgert sich die Frau. Der Mann vom Sicherheitsdienst hätte ja nur nach ihren Papieren fragen müssen, um zu sehen, dass sie tatsächlich in der Voßheide wohnt.

Noch am selben Tag hat die Theenhausenerin den Vorfall beim Kreis gemeldet und sich beschwert. Eine Frau habe versprochen, die Sache weiterzuleiten. Und die Seniorin hat bei der Polizei angerufen, um sicherzugehen, dass sie selbst nichts falsch gemacht hat. Habe sie nicht, sei die Antwort des Beamten gewesen.

"Ich bin ja Anliegerin"

Weil, und das ist für die Theenhausenerin klar, an der Einfahrt in den Baustellenbereich ein Anlieger-frei-Schild gestanden habe. „Und ich bin ja Anliegerin."

Das sieht Jan Focken, Sprecher des Kreises Gütersloh, ganz anders. „Nur weil ihre Anschrift den gleichen Straßennamen trägt, ist sie noch lange keine Anliegerin", betont er. Im Gegenteil: Da sich die Baustelle ganz im Süden der Voßheide befände, die Frau aber ganz im Norden der Straße wohne und durch den kompletten gesperrten Bereich fahren müsse, um nach Hause zu gelangen, gelte für sie klar die Umleitungsregelung. „Das mag aus ihrer Sicht ärgerlich sein, aber so ist es."

Polizei prüft die Lage

Noch einmal anders stellt sich die Situation aus Sicht der Polizei dar. Sie schickte, vom HK auf den Protest der Theenhausenerin angesprochen, sogar eine Streifenwagenbesatzung los, um die Schilderlage zu inspizieren – am Freitag, zwei Tage nach dem Vorfall vom Mittwoch. Während die Frau sicher ist, ein Anlieger-frei-Schild gesehen zu haben, war es nun nicht mehr da. Stattdessen hieß es an gleicher Stelle »Durchfahrt verboten«.

In dem Fall gibt es für Corinna Koptik, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Gütersloh, ohnehin nur eine Lösung: Die Umleitung über die Dieckbrede. Sie gibt allerdings zu, dass die Sache kompliziert ist – und noch komplizierter wird, da die Baustelle in den nächsten Monaten wandern und sich entsprechend die Straßensituation immer wieder ändern werde.

Insgesamt zeigt der Vorfall, wie verfahren die Situation in Theenhausen ist. Und wohl in den nächsten eineinhalb Jahren bleiben wird. So lange soll die Sanierung von Kanälen und Straße dauern.

"Die Geduld aller ist ausgeschöpft"

Kreis-Sprecher Jan Focken wirbt um Verständnis dafür, dass der Mann des Sicherheitsdienstes so deutlich geworden ist: „Die Geduld aller, die mit der Baustelle in Theenhausen zu tun haben, ist ausgeschöpft." Und natürlich hätte die Frau dem Mann nicht bis vor die Füße fahren dürfen.

Eine andere Frau, die am Freitag zufällig die Baustelle passierte, nennt als Grund, warum so viele Autofahrer in die gesperrten Straßen fahren: „Der Kreis müsste deutlicher machen, wo entlang die Umleitungsstrecken führen."

Die Wut über weite Wege ist jedenfalls bei Anwohnern und Pendlern groß. „Und jetzt will der Kreis die Straße ganz dicht machen", beklagt die Theenhausenerin. „Da bestelle ich am besten einen Hubschrauber. Ich fahre doch nicht über Paris, wenn ich nach Werther will."

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