Diekstraße säuft erneut ab: Starkregen setzt Straße, Höfe und Häuser unter Schlamm

Ein Jahr Vollsperrung und der Austausch zweier Rohre haben an der eigentlichen Problematik nichts geändert

Anja Hanneforth

Ungeliebtes Resultat des Starkregens: Jörg Freese vom städtischen Bauhof (rechts) schippt zusammen mit seinem Kollegen die Schlammreste von der Diekstraße. Im Hintergrund ist gut der aufgeschüttete, inzwischen üppig bewachsene »Deckel« der alten Mülldeponie zu sehen. Foto: Anja Hanneforth - © Anja Hanneforth, HK
Ungeliebtes Resultat des Starkregens: Jörg Freese vom städtischen Bauhof (rechts) schippt zusammen mit seinem Kollegen die Schlammreste von der Diekstraße. Im Hintergrund ist gut der aufgeschüttete, inzwischen üppig bewachsene »Deckel« der alten Mülldeponie zu sehen. Foto: Anja Hanneforth (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. Als Anja Meierzuherde-Schramm und ihre Familie am Freitag die Wettervorhersage hörten, blickten sie noch einem ruhigen Abend entgegen. Maximal 15 bis 20 Liter waren angekündigt, „für uns Entwarnung". Dass es am Ende so schlimm kommen würde, hat die Bewohner im untersten Bereich der Diekstraße kalt erwischt. Straße, Gräben, Zufahrten, Hofflächen, die tief gelegene Garage, alles stand zentimetertief unter Schlamm. Die gröbsten Reinigungsarbeiten dauerten bis gestern Nachmittag, und die Familien der beiden betroffenen Häuser machen sich Sorgen: „Was passiert, wenn es stärker und länger regnet?", fragen sie sich.

Als am Freitagabend dunkle Wolken über Werther aufzogen, war das Unabwendbare nicht mehr aufzuhalten. Es schüttete etwa zehn Minuten lang, 20 Liter kamen in dieser Zeit vom Himmel, dann war der Spuk vorbei. Und der Ärger für die betroffenen Familien fing an. Wieder einmal.

Ihr Problem ist die Geländelage. Sie wohnen am tiefsten Punkt eines Talkessels, und wenn es stark regnet, drängt das ganze Wasser der Straße sowie der umliegenden Felder auf ihre beiden Grundstücke. Zugespitzt hat sich die Situation, seit die ehemalige Deponie gleich gegenüber ihrer Häuser mit einer gewaltigen Erdschicht abgedichtet wurde. Auch das Wasser von dort fließt, dem Gefälle folgend, in den Talkessel.

„Das ist das Problem", sagt Anja Meierzuherde-Schramm. Früher hätten sich Wasser und Schlamm auf die Wiese, unter der sich die Deponie befand, ergossen. Jetzt liege dort ein Hügel, der die Sache noch schlimmer mache. Und der Gully unterhalb der Deponie könne die Wasser- und Schlammmassen nicht fassen. „Schon gar nicht, wenn er zusitzt." Und das, beklagt Anja Meierzuherde-Schramm, würde passieren, wenn sie selbst ihn nicht immer wieder freischneiden würde. „Sonst läge das Gras schon in hohen Schichten darüber."

Bis nachts um 1.30 Uhr den Schlamm aus der Garage geräumt

Sie vergleicht ihre Wohnlage mit einem Waschbecken, mit dem kleinen Gully als Ablauf. Wenn der die Mengen nicht mehr aufnehmen könne, suche sich das Wasser eben andere Wege.

Am Freitag hätten sie und ihre Familie bis nachts um 1.30 Uhr mit der Schubkarre den Schlamm aus der Garage und der Einfahrt gefahren, gestern erst waren die gröbsten Schäden beseitigt.

„Wir leben einfach in der ständigen Angst, dass das Wasser bis zum Haus hochkommt und dann den Keller flutet. Dort befindet sich eine Wohnung. Was dann?", fragt sich Anja Meierzuherde-Schramm. Sorge hat sie auch, dass die hauseigene Klärgrube unter Wasser gesetzt werden und dann nicht mehr funktionieren könnte. Beim letzten Hochwasser sei das passiert.

Die Angst ist inzwischen bei ihr und ihrer Familie ein ständiger Begleiter. „Wir haben immer das Wetter im Blick und richten schon unseren Urlaub danach aus", berichtet Anja Meierzuherde-Schramm. Sei starker Regen vorhergesagt, blieben sie zu Hause. „Das ist kein schönes Wohnen mehr. Auch wenn es hier eigentlich wirklich schön ist."

Ob noch in diesem Jahr mit dem Bau der Umflut begonnen wird, ist ungewiss

Die gleichen Sorgen treibt ihren Nachbarn Frank Steinmeier um. Er hat aus leidvoller Erfahrung den Kellerzugang mit einer kleinen Mauer abgesichert, für Notfälle steht eine Pumpe bereit. Hinter dem Haus, wo eine zusätzliche Gefahr von Ausspülungen eines höher gelegenen Ackers ausgeht, hat er sogar einen Mini-Deich bauen lassen. „Aktuell versuchen wir mit unserem Vermieter herauszufinden, ob eine Versicherung beim Beheben der Schäden greift."

Sowohl Anja Meierzuherde-Schramm als auch Frank Steinmeier hoffen, dass es endlich etwas mit der von der Stadt geplanten und lange angekündigten Umflut wird. Sie soll zumindest einen Teil der Wassermassen, bevor sie die tiefste Stelle der Diekstraße erreichen, auffangen und im einem Bett entlang der Teiche und der Altdeponie führen.

Bis es soweit ist, kann es allerdings noch dauern. Bürgermeisterin Marion Weike erläutert auf Anfrage, dass man mit dem Austausch der beiden kaputten Rohre immerhin schon den ersten Teil der Maßnahmen an der Diekstraße abgeschlossen habe. Für den zweiten Teil bedürfe es noch einiger Abstimmungen. Doch der Antrag auf eine wasserrechtliche Erlaubnis sei gestellt, in etwa drei bis vier Monate rechnet sie mit grünem Licht. Danach werde die Stadt die Arbeiten ausschreiben. Wann und ob in diesem Jahr die Bagger an der Diekstraße anrücken, kann sie allerdings nicht abschätzen. Die erforderlichen Gelder im höheren sechsstelligen Bereich stünden jedenfalls im Finanzplan bereit.

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