Schaden am Dach löst Streit im Wertheraner Gewerbegebiet aus

Erdarbeiten auf dem Nachbargrundstück haben die Balken einer alten Tischlerei zum Bersten gebracht. Die Versicherung des Bauunternehmens sieht keinen Grund, für die Kosten aufzukommen

Anja Hanneforth

Nah dran: Vermutlich waren es Erdarbeiten am Neubau der Firma Weber im Gewerbegebiet Rodderheide, die die Dachsparren des alten Tischlereigebäudes (vorn) zum Bersten gebracht haben. Genau lässt sich dies gutachterlich jedoch nicht feststellen. - © Anja Hanneforth, HK
Nah dran: Vermutlich waren es Erdarbeiten am Neubau der Firma Weber im Gewerbegebiet Rodderheide, die die Dachsparren des alten Tischlereigebäudes (vorn) zum Bersten gebracht haben. Genau lässt sich dies gutachterlich jedoch nicht feststellen. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. Wer trägt die Schuld daran, dass in einem alten Tischlereigebäude an der Rodderheide unvermittelt mehrere Dachsparren geborsten sind? Das ist die Frage, auf die die Schwestern Christa Miller und Annelore Meier nur eine Antwort haben: Sie sind sicher, dass der Schaden an ihrem Elternhaus aufgetreten sein muss, als auf der Großbaustelle nebenan mit schwerem Gerät Erdarbeiten ausgeführt wurden. Die hätten, so habe es auch der Pächter ihrer Tischlerei berichtet, zu „äußerst massiven Erschütterungen" geführt.

Das sieht die Versicherung der ausführenden Baufirma anders. Sie kann keinen Anlass dafür erkennen, die Reparaturkosten in Höhe von 1.458 Euro zu begleichen. Es hätten sich „keine ausreichenden Anhaltspunkte" für ein Verschulden des Unternehmers ergeben, heißt es in der schriftlichen Begründung an Annelore Meier.

"Ohrenbetäubender Krach"

Der Vorfall liegt inzwischen neun Monate zurück. An einem Tag Ende August/Anfang September 2018 sei es, wie Annelore Meier und Christa Miller schildern, zu einem „ohrenbetäubenden Krachen und Bersten" gekommen. Der in der Werkstatt arbeitende Pächter habe gedacht, das Dach stürze über ihm zusammen, und sich ins Freie gerettet. Umgehend habe er die Arbeiter auf der benachbarten Baustelle informiert, woraufhin diese die Arbeiten gestoppt hätten.

„Wie sich herausstellte, war es an drei Dachsparren unseres Hauses zu massiven Bruchstellen gekommen", beschreibt Annelore Meier, die im angrenzenden Wohnhaus lebt. Für sie besteht ein klarer Zusammenhang mit der Baustelle. „Jetzt soll ich nachweisen, dass die Schäden tatsächlich durch die Erarbeiten verursacht wurden. Wie soll ich das machen?"

Die Erdbaufirma hätte sich vor Aufnahme der Bauarbeiten über den Zustand der umliegenden Gebäude informieren müssen, findet Annelore Meier. Zumal ihr eigenes Haus klar erkenntlich schon älter sei. Andere Baufirmen würden dies so handhaben. „Dann wären vielleicht andere Maschinen zum Einsatz gekommen, die den Bauzustand der Tischlerei berücksichtigt hätten."

Die Stadt war mit einem Bausachverständigen vor Ort

Dass es auch anders geht, macht Christa Miller an der Stadt Werther fest. Sie habe im Gegensatz zur angesprochenen Baufirma Vorsicht walten lassen, als sie zur gleichen Zeit Kanalarbeiten entlang der Straße durchführen wollte.

Bürgermeisterin Marion Weike bestätigt die Maßnahme. „Sicherheitshalber waren wir mit einem Bausachverständigen in der Tischlerei und haben uns das Gebäude angeschaut", berichtet sie. Dort habe man auch Fotos gemacht. Rückblickend sei sie froh darüber, belegten diese doch, dass die Stadt nachweislich nicht für die Schäden am Dach verantwortlich ist.

Der von der Stadt beauftragte Gutachter hat dargelegt, dass die Bruchstellen an den drei Dachsparren „relativ sauber" sind und daher „zeitnah zurückliegend" entstanden sein müssen. Gegenüber dem städtischen Bauamt sprach er die Warnung aus, dass das Gebäude vor weiteren Erschütterungen zunächst durch einen Statiker in Augenschein genommen werden sollte, um die Balken gegebenenfalls abzustützen und weitere Schäden zu vermeiden.

Versicherung sieht "keine Schadensersatzpflicht"

Inzwischen ist das Kind bekanntlich in den Brunnen gefallen, Christa Miller und Annelore Meier mussten die Schäden am einsturzgefährdeten Dach reparieren lassen. Knapp 1.500 Euro hat dies gekostet, „die Summe wäre höher ausgefallen, wenn der Tischler und unser Sohn nicht mitgeholfen hätten", erzählt Annelore Meier.

Nun fragt sie sich, ob sie eine Chance hat, das Geld wiederzubekommen. Ein Versuch bei der Baufirma scheiterte, sie verwies an die zuständige Versicherung. Die ließ in einem Schreiben an die Hauseigentümer wissen, dass nach genauer Prüfung „keine Schadenersatzpflicht" bestehe. Ein Verschulden der Baufirma sei nicht nachzuweisen. Die Arbeiten wären mit Maschinen durchgeführt worden, die für derartige Arbeiten üblich seien. In der Vergangenheit seien auf verschiedenen Baustellen die gleichen Techniken angewandt worden, ohne dass es zu Schäden gekommen wäre. Insofern sei der Schaden für das Bauunternehmen nicht vorherzusehen gewesen. Eine Schadenersatzpflicht weist die Versicherung zurück.

Tankstellen-Bau: "Ich bange um unser Haus"

Die beiden Schwestern werden also wohl auf ihren Kosten sitzen bleiben. Einen Anwalt wollen sie in Anbetracht der verhältnismäßig geringen Summe nicht einschalten.

Doch ihre Sorgen gehen weiter. Inzwischen hat die gleiche Baufirma auf dem nächsten Grundstück, das ebenfalls nahe der Tischlerei liegt, mit den Erdarbeiten für die neue Tankstelle begonnen. „Wer weiß, was dann passiert. Ich bange jedenfalls um unser Haus", sagt Annelore Meier.

Die Baufirma wollte sich gegenüber dem Haller Kreisblatt nicht äußern und verweist auf die Versicherung. Die lässt über einen Sprecher wissen: „Wir haben Verständnis für die Situation vor Ort, da es sich um ein altes Hofgebäude mit entsprechend langer Geschichte handelt."

Rissbildung und Mängel im Dachbereich

Allerdings habe das Haus laut der Dokumentation des von der Stadt bestellten Sachverständigen unter erheblichem Erhaltungsstau gelitten. In der Vergangenheit seien zahlreiche Rissbildungen nachgearbeitet worden, auch von einer Vielzahl von Mängeln im Dachbereich sei die Rede gewesen. So seien unter anderem schon Erneuerungen an einem Sparrenpaar und einem Kehlbalken vorgenommen worden.

Der Sprecher weiter: „Über die Einschätzung des Sachverständigen können wir nicht hinwegsehen. Wir gehen davon aus, dass der Schaden auf Materialermüdung beziehungsweise eine über Jahre marode gewordene Dachkonstruktion zurückgeht, nicht auf die Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück."

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