Verwarngelder am Fließband - Theenhausens Umleitung verärgert Anwohner

Baumaßnahme Theenhausener Straße: Die Umleitung verärgert die Anwohner. Und damit nicht genug: Viele Autofahrer missachten das Durchfahrtsverbot

Ekkehard Hufendiek

Ortsdurchfahrt: Barken und Radlader bestimmen das Straßenbild. - © Ekkehard Hufendiek
Ortsdurchfahrt: Barken und Radlader bestimmen das Straßenbild. (© Ekkehard Hufendiek)

Werther. Hermann-Josef Seelhöfer hat es gestern nicht mehr bei mahnenden Worten belassen. Der Polizeihauptkommissar und Leiter des Bezirks- und Schwerpunktdienstes Halle verteilte Verwarngelder wie am Fließband: 40 Ordnungsstrafen in Höhe von jeweils 20 Euro stellte er innerhalb von nur zwei Stunden aus.

Die bekamen die Autofahrer ausgehändigt, die Theenhausen Mittwochmorgen unerlaubt durchfahren haben. Die derzeitige Umleitungsregelung schreibt nämlich dem Durchgangsverkehr während der 18-monatigen Bauzeit ein weiträumiges Umfahren vor. Wer sich nicht dran hält, kann zur Kasse gebeten werden. Offenbar missachteten viele das Verbot: „Die Leute fahren da einfach weiter durch", wunderte sich Seelhöfer nach der Hauptverkehrszeit im Gespräch mit dem Chef der ortsansässigen Landbäckerei, Heinrich Bernhard Welter.

Emsig: Mitarbeiter vom Kreis Gütersloh laden ein Hinweisschild an der Langenheider Straße Ecke Theenhausener Straße auf einen Lkw. Sie machen Platz für weitere Baumaßnahmen. Ab Montag soll eine Ortsdurchfahrt nicht mehr möglich sein. Fotos: Ekkehard Hufendiek - © Ekkehard Hufendiek
Emsig: Mitarbeiter vom Kreis Gütersloh laden ein Hinweisschild an der Langenheider Straße Ecke Theenhausener Straße auf einen Lkw. Sie machen Platz für weitere Baumaßnahmen. Ab Montag soll eine Ortsdurchfahrt nicht mehr möglich sein. Fotos: Ekkehard Hufendiek (© Ekkehard Hufendiek)


Die Vernunft der Theenhausener scheint auf eine harte Probe gestellt. Heinrich Bernhard Welter etwa ist mehr als nur verärgert. „Die haben hier alle so einen Hals", sagt er und simuliert mit einer Hand eine Schwellung. Durch die Sperrung der Ortsdurchfahrt fehlen seiner Bäckerei viele allmorgendliche Kunden. „Wir haben Umsatzeinbußen von 50 Prozent." Welters Vorschlag, seine Brötchen an der Borgholzhausener Straße mobil zu verkaufen, – „da hätte ich mich für fünf Stunden hingestellt" –, wurde abgelehnt: Parkverbot.

Laut Welter hätte der für die Umleitungsregelung zuständige Kreis Gütersloh die Verkehrsführung ganz anders regeln müssen. Etwa durch den Einsatz einer Ampel: „Man kann es doch wenigstens einseitig offenlassen", schlägt er vor. Doch der Kreis habe die Straße einfach zugemacht. Mit einer Entschädigung oder wenigstens der Stundung der Gewerbesteuer können die ortsansässigen Unternehmen wie Welter, Wietes Wirtshaus oder der Landmaschinenhersteller Noak nicht rechnen – sicher aber mit Umsatzeinbußen.

Nicht nur die Gewerbetreibenden müssen sich umstellen. Auch viele Pendler sind verärgert. Bianca Schwentker etwa besucht jeden Tag ihre Mutter in Rotenhagen. „Wie die das hier gelöst haben, geht gar nicht. Das ist eine Katastrophe. Man weiß nicht, wie man fahren soll", sagt sie und bemängelt die nicht vorhandenen oder verwirrenden Hinweisschilder.

Dass etwa auch die Diekstraße, die Rotenhagener Straße oder die Barnhauser Straße gesperrt sind, ist für Außenstehende wohl nur schwer zu verstehen. Was haben die mit der Sanierung in Theenhausen zu tun? Doch deren Anwohner dürften trotz aller Unannehmlichkeiten ein wenig erleichtert sein, schließlich rumpelt der Schwerlastverkehr nicht eineinhalb Jahre lang vor ihrer Haustür her. Und falls er das doch tut, stellt Hermann-Josef Seelhöfer weiter Strafzettel aus.

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