Ein Trödler wird sesshaft nach fünf Jahren mit seinem mobilen Antiquariat

Friedrich Bremer zieht jahrelang mit seinem mobilen Antiquariat über Flohmärkte. Vor fünf Jahren verschaffte er Büchern mit seinem Laden ein Zuhause

Kerstin Spieker

Wir sind Werther - Herr der Bücher: Der Wohlfühlfaktor in seinem Antiquariat ist Friedrich Bremer durchaus wichtig. Inmitten der vielen Bücher sollen die Kunden und Besucher sich wohl fühlen. - © Kerstin Spieker, HK
Wir sind Werther - Herr der Bücher: Der Wohlfühlfaktor in seinem Antiquariat ist Friedrich Bremer durchaus wichtig. Inmitten der vielen Bücher sollen die Kunden und Besucher sich wohl fühlen. (© Kerstin Spieker, HK)

Werther. Morgens hatte er im Haller Kreisblatt gelesen, dass die Firma HO-Systeme ihren Sitz an Werthers runder Ecke Richtung Halle verlassen würde. „Nachmittags bin ich gleich zum Hauseigentümer", erinnert sich Friedrich Bremer an seinen Start als Inhaber des Antiquariats »Bremer Stadtmusikanten«. Sein künftiger Vermieter hatte an dem Tag Geburtstag und lud Friedrich Bremer spontan zu Kaffee und Kuchen ein. Darüber wurde man sich schnell handelseinig. Nur wenig später eröffnete Bremer seinen ersten eigenen Laden an der Schloßstraße 4 in Werther.

Eigentlich hatte Friedrich Bremer sich die Sache mit dem Antiquariat ja fürs Rentenalter vorgenommen. Aber dem Charme der runden Ecke konnte er kaum widerstehen und inzwischen trägt er mit seinem besonderen Lädchen selber zur Attraktivität des Fachwerkensembles ein. Tische voller Lesestoff vor dem Geschäft, zimmerhohe Regale voller Bücher darin und mittendrin gemütliche Ledersessel. Besucher sind immer gern gesehen, ob sie nun als Kunden kommen oder, um mit dem Bücherfreund Bremer über Literatur zu sprechen. Mancher kommt einfach vorbei und bringt Lesenachschub aus dem eigenen Regal oder aus Nachlässen, weil sich in Werther herumgesprochen hat, dass hier einer wirkt, bei dem Bücher in guten Händen sind.

„Keine Zeit zum Päckchenpacken"

„Ich wollte das Antiquariat eröffnen, um hier einen Ort der Kommunikation zu schaffen und auch einen Ort der Wertschätzung für das gedruckte Buch", bestätigt Friedrich Bremer den Eindruck. Bewusst gibt es bei ihm keinen Internetverkauf und Versandhandel. „Meine Zeit ist mir viel zu schade, um sie mit Päckchenpacken zu verbringen."

Leisten kann sich der 63-Jährige seine konsequente Haltung vor allem deshalb, weil er seine Brötchen nicht mit dem Antiquariat verdienen muss. „Das ist hier mein Nebenerwerbshobby", sagt er schmunzelnd. Wenn Bremer nämlich nicht in seinem Lädchen ist, arbeitet er in Gärtnerei und Landwirtschaft der Wertheraner Waldheimat. Seit 1983 kann er hier seine Begeisterung für den Landbau und die für die soziale Arbeit miteinander verbinden.

Als Spross einer traditionsreichen Gärtnerfamilie vom Niederrhein kam Bremer für das Studium der Soziologie nach Bielefeld. „Gärtner wollte ich nie werden", war ihm schon frühzeitig klar. Soziologe allerdings wurde er nicht. Vielmehr kehrte er der Uni den Rücken und zog in einen Wertheraner Kotten. „Das Landleben erschien mir damals ungleich attraktiver als das Studium", erzählt er. Sogar Kühe hielt Bremer während dieser Lebensphase und machte eine landwirtschaftliche Ausbildung.

„Der ehemalige Nachtwächter der Waldheimat erzählte mir damals von der freien Stelle dort", berichtet er. Bremer bewirbt sich mit Erfolg. Er setzt seinen Landwirtschaftsmeister drauf. „Im Alltag hieß das, morgens Kühe melken, vormittags Schule, nachmittags Waldheimat und abends wieder Kühe melken."

Antiquariat Bremer - © xxx
Antiquariat Bremer (© xxx)


Irgendwann ist die Schule geschafft und auch die Milchviehhaltung findet ihr Ende. Statt dessen folgen Familienjahre in Hörste, während derer Friedrich Bremer sich neben seiner Arbeit in der Waldheimat einem ganz neuen Themenbereich zuwendet. „Es fing an mit einer Fortbildung in Bethel. Dort begann ich, in der Pause die Brockensammlung zu besuchen und mich mit Büchern einzudecken." Zunächst nur für den eigenen Bedarf. Irgendwann hatte Bremer die Idee, mit den Büchern auf Flohmärkte zu gehen. Beinahe jeder Altkreisbewohner, der schon mal auf einem war, kennt sein mobiles Antiquariat. „Früher war ich eben der Flohmarkttrödler. Heute habe ich ein richtiges Antiquariat", sagt Bremer. Das habe zwar nicht seine Gewinnspanne erweitert, höre sich aber doch ganz anders an.

„Werther ist ein gutes Pflaster für Bücher"

„Dass ich mit einem Antiquariat keine Goldgrube aufmache, das war mir aber bewusst", erklärt der Ladeninhaber ganz offen. Nur Geld drauflegen wolle er nicht. Muss er auch nicht, denn unter anderem der Bau des Böckstiegelmuseums hat sich für ihn als »Konjunkturmotor« erwiesen. „Ich liege hier nun mal auf dem Weg zum Museum und vor allem Leute, die mit dem Rad kommen, bleiben bei mir hängen." Ohnehin sei Werther aber ein „gutes Pflaster für Bücher", zieht Friedrich Bremer nach fünf Jahren eine positive Bilanz hinsichtlich seines Ladenstandortes. Natürlich habe er sich als Mann vom Niederrhein in Westfalen erst einfinden müssen. „Aber ich habe in Werther sehr schnell Fuß gefasst." Er habe immer gedacht, als Rentner zurückzugehen. Das wäre dann in gut zwei Jahren gewesen. „Aber das ist seit 20 Jahren schon kein Thema mehr. Ich bleibe hier."

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