Auf Urlaubsreisen mit dem Traktor: Wertheraner fährt mit 25 km/h nach Usedom

Carolin Hlawatsch

Peter Franke aus Werther fährt mit dem Traktor nach Usedom. - © Carolin Hlawatsch
Peter Franke aus Werther fährt mit dem Traktor nach Usedom. (© Carolin Hlawatsch)

Werther. Er hat seinen Plan aus dem vergangenen Jahr wahr gemacht: Peter Franke aus Werther, Freund des entschleunigten Reisens, brach am 15. April wieder mit seinem Oldtimer-Trecker und ausgebautem Heuwagenanhänger auf. Sein Ziel: der Weg und die Ostseeinsel Usedom. Seine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit: 25 Stundenkilometer.

Immer den Drachen im Blick tuckerte Peter Franke ausschließlich auf Landstraßen über Kirchlengern nach Petershagen. Dort überquerte er die Weser, kam an das Steinhuder Meer, später in die Elbtalauen. Entlang dem Müritzer See und der Mecklenburgischen Seenplatte führte seine Route in die Hansestadt Anklam, dem „Tor zur Insel Usedom", bevor er über die Zecheriner Klappbrücke das Ostseeeiland erreichte. „Ich mag Drachen einfach. Es sind beeindruckende Kreaturen", antwortet der 68-jährige Wertheraner, wenn man ihn auf die Gummifigur anspricht, die als Glücksbringer vorne auf dem Motorschutzbügel des Treckers sitzt. Ein weiterer Drache prangt als Reisemaskottchen auf dem Wappen am bunten Wohnanhänger.

„Allein diese Weite beruhigt"

Doch nicht nur Drachen, auch weniger fantastische, aber ebenso imposante Tierwesen begleiteten Peter Franke auf seiner Reise. „In den Auwiesen bei Hartum/Minden begegneten mir Störche das erste Mal", berichtet er. „Danach sah ich sie überall und immer wieder. Mit ihren beeindruckenden Spannweiten zogen sie an mir vorbei." Auch Graureiher, Mäusebussarde und Falken beobachtete Peter Franke mehrmals von seinem Trecker aus. Ein ebenso schönes wie entspannendes Reiseerlebnis seien die Alleen im Osten Deutschlands gewesen, sowie die vielen strahlend gelben Rapsfelder. „Allein diese Weite beruhigt", schwärmt Peter Franke. Da seien die Kurvenstrecken in den Bergen „deutlich aufgeregter", weiß er durch Erfahrung aus dem Frühling 2018. Damals steuerte der reiselustige Rentner mit dem aufsehenerregenden Gefährt in 16 Tagen von Werther über die Alpen bis an den Gardasee nach Italien und wieder zurück. Als er am 26. Mai 2018 wieder das Ortseingangsschild Werthers passierte, hatte er den nächsten Reiseplan bereits geschmiedet – den für Usedom.

Auf Usedom genossen Peter Franke, seine Frau Angelina Siebrasse und Enkelin Alina die Natur. - © Peter Franke
Auf Usedom genossen Peter Franke, seine Frau Angelina Siebrasse und Enkelin Alina die Natur. (© Peter Franke)

Dort traf Peter Franke seine mit dem Zug angereiste Frau Angelina Siebrasse und die siebenjährige Enkelin Alina. Sie verbrachten sie ein paar Tage über Ostern auf dem Naturcampingplatz in Trassenheide, genossen die weißen Strände Usedoms und staunten über die Mutigen, die zum „Anbaden" in die drei Grad kalte Ostsee sprangen. Als ungewöhnlich, aber nicht unangenehm empfand der vielgereiste Wertheraner eine Gepflogenheit der Menschen im Osten: „Ob nun beim Bäcker, oder an der Bierbude beim Osterfeuer – alle stellen sich in der Reihe an und warten bis sie dran kommen. Das kennt man bei uns in Westfalen doch so nicht", berichtet er. Beim Hereinspazieren in die Konditorei und direkt neugierigem Blick in die Auslage wurde Franke freundlich darauf hingewiesen, sich doch bitte hinten anzustellen.

„Die lächeln ja alle und winken"

Über die Peenebrücke Wolgast verlies Peter Franke Usedom, nicht ohne vorher Frau und Enkelin mit dem Traktor zum Bahnhof gebracht zu haben. Für Alina sei es eine Premierenfahrt gewesen, und so zeigte sie sich überrascht von den Reaktionen der Passanten: „Die lächeln ja alle und winken." Peter Franke ist das schon gewohnt: „Über das Gefährt komme ich immer wieder mit vielen Menschen ins Gespräch."

Drei Jacken übereinander gezogen, mit Mütze und Handschuhen, trat er nun den Rückweg an. Sein Oldtimer-Trecker hat kein Verdeck, und mit dem Wetter hatte er auf dieser Tour wenig Glück. Die Alukiste aus seinen früheren Motorradzeiten auf dem Nebensitz platziert, hat Franke heißen Kaffee, Kekse und Butterbrote stets griffbereit. Dennoch lege er, wo es ihm gefalle, gemütliche Pausen ein.

Nach 1.040 Kilometern wieder daheim

Nach 1.040 Kilometern rollte Peter Franke am 27. April in Werther ein. Ob er wohl auf dem Rückweg wieder Pläne entwickelt hat? „Soll ich das jetzt tatsächlich verraten?", sagt er lachend. Paris würde ihn wohl mal reizen, und auch eine Treckerreise nach Südspanien könnte toll werden.

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