Werther ohne Wasser: Warum Pikeur Glück im Unglück hatte

Rohrleitung zerstört: Bei Bauarbeiten stößt ein Bagger am Esch auf ein Rohr, das in keinem Lageplan vermerkt ist. Größere Teile der Stadt sind in der Folge von der Wasserversorgung abgeschnitten

Kerstin Spieker

Wasser in Werther - © Kerstin Spieker, HK
Wasser in Werther (© Kerstin Spieker, HK)

Werther. Der eine stand unter der Dusche, der andere wollte gerade das Wasser in den Kartoffeltopf laufen lassen, als am Dienstag, 7. Mai, gegen kurz nach 11 Uhr plötzlich nur noch einzelne Tropfen aus den Hähnen kamen. Und dann nichts mehr. Größere Teile Werthers im Bereich westlich der Straße Esch waren mehr als eine Stunde von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Sturzbach: An der einen Seite des Baggerlochs sprudelt das Wasser aus der zerstörten Leitung. An der anderen rauscht es in den gerade erst frisch gesetzten Gully. Fotos: Kerstin Spieker - © Kerstin Spieker, HK
Sturzbach: An der einen Seite des Baggerlochs sprudelt das Wasser aus der zerstörten Leitung. An der anderen rauscht es in den gerade erst frisch gesetzten Gully. Fotos: Kerstin Spieker (© Kerstin Spieker, HK)


Dafür strömte das Wasser an anderer Stelle um so heftiger. An der Baustelle für den Erweiterungsbau der Firma Pikeur am Esch nämlich. Dort war bei Baggerarbeiten eine Versorgungsleitung getroffen worden. So gewaltig war der ungebremste Wasserverlust, dass in den Wertheraner Hochbehältern Blotenberg und Egge die Messsäule dramatisch abfiel. Der Wasserdruck in den Leitungen sackte ab und in vielen Haushalten kam gar kein Wasser mehr an.

Der neue Gully verhindert Schlimmeres

„Das Rohr hätte laut Leitungsplan dort gar nicht liegen dürfen", ist sich der Baggerführer sicher. Und auch Volker Kahmann, technischer Leiter des Wasserwerks, zeigte sich überrascht. „Dazu war kein Vermerk in den Plänen zu finden", bestätigte er. Sein Team suchte denn auch fieberhaft nach dem richtigen Absperrschieber zum Verschließen der zerstörten Leitung. Nach mehreren Fehlversuchen schließlich war der richtige gefunden und der Zulauf konnte verschlossen werden.

Riss: Eine übersichtliche Ursache mit großer Wirkung. - © Kerstin Spieker, HK
Riss: Eine übersichtliche Ursache mit großer Wirkung. (© Kerstin Spieker, HK)

Bis dahin allerdings sprudelte das kühle Nass wie aus einer Quelle ungebremst in das bereits ausgehobene Erdloch und von dort aus direkt in einen Abwasserschacht. Und genau das war im Unglück der Glücksfall. Denn den Gully hatte das Unternehmen gerade erst gesetzt und angeschlossen. „Wäre er noch nicht da gewesen, so wäre das ganze Wasser über die Straße abgeflossen", so Volker Kahmann. Und nicht nur das Wasser, sondern vermutlich auch jede Menge Schlamm. Der allerdings blieb nun stattdessen im Baggerloch. Glück im Unglück also.



Glück im Unglück auch, dass nach einer guten Stunde die zerstörte Zuleitung abgekoppelt werden konnte und sich im restlichen Leitungssystem wieder Druck aufbaute. Nachdem man bei Pikeur schon kurz überlegen musste, Mitarbeiter nach Hause zu schicken, zeigte sich, dass in einem Nebengebäude mit eigenem Anschluss die Wasserversorgung stand. Es konnte weitergearbeitet werden. Das galt auch für Bauarbeiter, die in der Nachbarschaft mit dem Verlegen von Bodenplatten beschäftigt waren und dafür dringend Wasser brauchten.

„Diese Zuleitung wird garantiert vernünftig dokumentiert"

Nachdem die letzten größeren Wassermengen durch den Gully gerauscht waren, pumpten die Mitarbeiter der Baufirma das tieferstehende Restwasser ab und das ganze Ausmaß des Schadens wurde sichtbar. Zwar hatte der Baggerführer schnell reagiert und die Arbeiten sofort unterbrochen als er bemerkte, dass etwas nicht stimmte, trotzdem zeigte das Kunststoffrohr einen deutlichen Längsriss.

Vermutet wurde gestern vor Ort, dass die getroffene Zuleitung der Löschwasserzufuhr gedient haben könnte. Sie lag knapp hinter dem öffentlichen Gehweg auf dem Pikeur-Gelände. „Nur leider wusste das eben niemand mehr", erklärte Volker Kahmann.

Schadensanalyse: Mit der Flex rückt ein Mitarbeiter der Baufirma der Wasserleitung zu Leibe. - © Kerstin Spieker, HK
Schadensanalyse: Mit der Flex rückt ein Mitarbeiter der Baufirma der Wasserleitung zu Leibe. (© Kerstin Spieker, HK)

Um möglichst schnell agieren zu können, bat er noch vor Ort die Baufirma um Unterstützung. Mit dem Bagger, der zuvor den Schaden verursacht hatte, wurde die gesamte in Beton gegossene Anschlussstelle freigelegt. Das Wasserwerksteam entfernte danach das beschädigte Rohrstück und ersetzte es durch ein neues. „Und Sie können ganz sicher sein, dass ich dafür sorge, dass das jetzt auch vernünftig dokumentiert wird", sagte Volker Kahmann, begleitet von einem sehr tiefen Seufzer.

Wer die Kosten für das Malheur zu tragen hat, war am Ort des Geschehens zwar einmal kurz Thema, letztlich aber nicht auf die Schnelle zu klären. Die ausführende Firma jedenfalls wohl nicht. Denn die konnte nicht wissen, was sich unter der Erde verbarg.

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