Es wird heiß in Werther: 1.400 Grad heiße Steine für ein indianisches Ritual

Detlef Hans Serowy

Wolfgang Lamek vor seiner indianischen Schwitzhütte. Foto: Detlef Hans Serowy - © Detlef Hans Serowy
Wolfgang Lamek vor seiner indianischen Schwitzhütte. Foto: Detlef Hans Serowy (© Detlef Hans Serowy)

Werther-Häger. In einer Schwitzhütte ist es sehr heiß und absolut dunkel. „Gute Bedingungen, um zu sich selbst zu finden", glaubt Wolfgang Lamek. Der 63-jährige Designer hat in Häger eine Schwitzhütte im Garten und eine Ausbildung als Wassergießer. So werden die Leiter der Zeremonie genannt. Am Freitag, 28. Juni, stellt er „Den Pfad der Kraft" ab 16 Uhr im Dorfladen Häger vor.

„Mein bester Freund Fite fragte mich in den 1980er Jahren immer wieder, ob ich nicht einmal mit in die Schwitzhütte möchte." Wolfgang Lamek will „mit dem Esoterikzeug" nichts zu tun haben – und kommt doch einmal mit. „Da waren lauter fremde Leute, ich wusste nicht, worum es geht."

Lamek lässt sich auf die neue Erfahrung ein und findet schnell heraus, worum es für ihn geht. „Als der erste glühende Stein in die Hütte kam, war das für mich ein magischer Moment", erinnert er sich. Ganz intensiv berührt sei er gewesen von einem großen Gefühl der Geborgenheit.

„Ich stehe in der Tradition von Sun Bear"

Dieses Gefühl kennen wohl viele Menschen. Das Schwitzhüttenritual ist seit Jahrtausenden bei den Indianern Nordamerikas und vielen anderen Völkern der nördlichen Erdhalbkugel verbreitet. Es dient der Vorbereitung von Zeremonien, der Reinigung, Gesunderhaltung und Heilung.

Indianische Schwitzhütte. Foto: Alexander Hasselhoff - © Alexander Hasselhoff
Indianische Schwitzhütte. Foto: Alexander Hasselhoff (© Alexander Hasselhoff)

Am bekanntesten ist die Inipi-Zeremonie der Sioux und diesen »Pfad der Kraft« geht auch Wolfgang Lamek. Nach seinen ersten Erfahrungen in der Schwitzhütte macht er sich auf dem Weg und erwirbt über Jahre hinweg das Wissen, um als autorisierter Leiter und Lehrer wirken zu können.

„Ich stehe in der Tradition von Sun Bear", sagt Lamek. Vincent LaDuke war ein Anishinabe-Indianer, der als Stuntman in Hollywood arbeitete und unter dem Namen Sun Bear in der New-Age-Bewegung als Medizinmann wirkte. „Er machte das indianische Wissen auch Weißen zugänglich."

Bis zu 45 Minuten in der Hitze

»Calls the People« ist der Spirit-Name, den der Hägeraner 1995 von John Twobirds erhalten hat. Auch dieser sei ein indianischer Medizinmann, so Lamek. Für die First People, die Ureinwohner Amerikas, ist die gesamte Schöpfung beseelt. „Auch die Steine, die sie die Alten nennen."

„Steine gehen für die Besucher der Schwitzhütte buchstäblich durchs Feuer und müssen deshalb respektvoll behandelt werden." 24 Steine erhitzt der Feuerhüter in einem starken Feuer bis auf 1.400 Grad Celsius. Sie kommen im Laufe des Abends nacheinander in eine Grube in der Hüttenmitte.

Indianische Schwitzhütte. Foto: Alexander Hasselhoff - © Alexander Hasselhoff
Indianische Schwitzhütte. Foto: Alexander Hasselhoff (© Alexander Hasselhoff)

Dort sitzen die Teilnehmer am Ritual in vier Runden zu 30 bis 45 Minuten Dauer in der Hitze und sollen für eine Weile alles hinter sich lassen. „Anfangs geben die glühenden Steine noch einen Lichtschimmer ab." Der Wassergießer macht Aufgüsse und dann ist es in der Hütte völlig dunkel.

„Wem es zu heiß wird, der kann natürlich rausgehen"

„Der eigene Blick kann sich nach innen drehen", erläutert Wolfgang Lamek. Er hat schon über 300 Schwitzhütten geleitet und ist immer wieder fasziniert davon. „Am 29. Dezember hatten wir eine Jahresabschlusshütte." Dort bleibe zurück, was man nicht mit in das neue Jahr nehmen wolle.

Neueinsteiger werden von dem 63-Jährigen in das Ritual eingeführt und vorbereitet. „Wem es zu heiß wird, der kann natürlich rausgehen." Das habe er in 30 Jahren aber erst zwei Mal erlebt. Häufig erfahren habe er dagegen dankbare und begeisterte Reaktionen von Gästen in seiner Hütte, sagt Wolfgang Lamek.

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