Werthers Sozialdemokraten feiern ihr 100-jähriges Bestehen

Jubiläum: Werthers Sozialdemokraten feiern ihr 100-jähriges Bestehen am passenden Ort

Birgit Nolte

Der SPD-Ortsvereinsvorstand: Ingo Hundertmark (von links), Bodo Brinkmann, Kerstin Weike, Anke Wadewitz, Annette Milke-Gockel, Wilfried Kipp-Weike, Helga Lange, Gert Klages und Erika Sahrhage. - © Birgit Nolte
Der SPD-Ortsvereinsvorstand: Ingo Hundertmark (von links), Bodo Brinkmann, Kerstin Weike, Anke Wadewitz, Annette Milke-Gockel, Wilfried Kipp-Weike, Helga Lange, Gert Klages und Erika Sahrhage. (© Birgit Nolte)
SPD-Ehrengäste: Die Bundestagsabgeordnete Elvan Korkmaz (vonn links), EU-Parlamentskandidatin Sally Lisa Starken, Festrednerin Dr. Anja Kruke, EU-Parlamentskandidat Micha Heitkamp, Bürgermeisterin Marion Weike und Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar. - © Birgit Nolte
SPD-Ehrengäste: Die Bundestagsabgeordnete Elvan Korkmaz (vonn links), EU-Parlamentskandidatin Sally Lisa Starken, Festrednerin Dr. Anja Kruke, EU-Parlamentskandidat Micha Heitkamp, Bürgermeisterin Marion Weike und Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar. (© Birgit Nolte)

Werther. Es gab eine Zeit, in der konnte die SPD-Mitgliedschaft den Job kosten. 1878 erging es 40 Zigarrenarbeitern in Werther so, weil sie sich geweigert hatten, aus der SPD Herford-Halle auszutreten. Einige Wochen später taten sie es doch, weil ihre Existenz bedroht war. Ein abschreckendes Beispiel für sämtliche Arbeiter in Werther. Wenig verwunderlich also, dass es bis zur Gründung eines Ortsvereins noch bis 1919 gedauert hat. In dessen Keimzelle, der früheren Zigarrenfabrik und dem heutigen Haus Werther, wurde am Freitag das 100-jährige Bestehen gefeiert.

SPD Werther ist eine Folge der politischen Unruhe nach dem 1. Weltkrieg

Weitere Gründe, warum das Jahr 1919 das „Superjahr der SPD-Ortsvereinsgründungen" gewesen ist, erläuterte die Festrednerin Dr. Anja Kruke: „In Preußen ist das Drei-Klassen-Wahlrecht gefallen, in jedem Gemeindegremium war kommunale Mitwirkung jetzt möglich. Außerdem wurden die Parteimitglieder nun sichtbarer, weil es keine Schikanen mehr gab und sie nicht mehr als Ausgestoßene behandelt wurden."

Festvortrag: Dr. Anja Kruke von der Friedrich-Ebert-Stiftung erinnert in ihrer Rede an die Anfänge der Sozialdemokratie in Werther und erläutert, warum 1919 das »Superjahr der SPD-Ortsvereinsgründungen« gewesen ist. Fotos: Birgit Nolte - © Birgit Nolte
Festvortrag: Dr. Anja Kruke von der Friedrich-Ebert-Stiftung erinnert in ihrer Rede an die Anfänge der Sozialdemokratie in Werther und erläutert, warum 1919 das »Superjahr der SPD-Ortsvereinsgründungen« gewesen ist. Fotos: Birgit Nolte (© Birgit Nolte)

Ein Jahr zuvor habe es in Werther acht Bauern- und Landarbeiterräte gegeben. „Wie lange sie existiert haben, ist ungewiss", so die Mitarbeiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Die meisten werden sich aber nach der Nationalversammlung im Januar 1919 aufgelöst haben."

Bis heute haben die Ortsvereine eine wichtige Funktion. „Bei den Menschen vor Ort zu sein, bleibt das Herzstück der Partei", unterstrich Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar. „Ihr steht bei Wind und Wetter auf den Wochenmärkten, seid immer ansprechbar und tragt auch unbequeme Entscheidungen mit, die auf Bundesebene getroffen wurden."

Der Ortsverein Werther sei einer, auf den man immer zählen könne. „Ihr seid ein Vorzeige-Ortsverein und wenn alle Ortsvereine so aktiv wären wie ihr, dann ginge es der SPD ein ganzes Stück besser", war sich Esdar, die auch Vorsitzende des Unterbezirks Bielefeld ist, sicher.

Alte Arbeiterlieder zu den Klängen der Gitarre

„Ihr betreibt eine authentische und glaubwürdige Politik mit einer erfolgreichen Bürgermeisterin. Das ist etwas, was wir uns auch auf Landes- und Bundesebene wünschen", so die Bundestagsabgeordnete Elvan Korkmaz. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch weiterhin erfolgreich arbeiten. Auch wenn heutzutage einige Leute Parteien für überflüssig halten", betonte Bürgermeisterin Marion Weike.

Die Ortsvereinsvorsitzende Annette Milke-Gockel begrüßte rund 60 Gäste im Haus Werther. Sie erinnerte daran, dass mit Johanna Wessel 1928 die erste Frau, die für den Wertheraner Rat kandidierte, aus dem SPD-Ortsverein stammte. „Gleichberechtigung und Teilhabe wird bei uns also schon knapp 100 Jahre groß geschrieben."

Aber nicht nur mit gesprochenen Worten gaben die Genossen ihren Werten wie Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität an diesem Tag Ausdruck. Unter der Gitarrenbegleitung von Martin Roloff stimmten sie die Lieder »Brüder, zur Sonne, zur Freiheit« und »Wenn wir schreiten Seit’ an Seit’« an.

Die Gründungsmitglieder der Wertheraner SPD werden die beiden in der Zeit vor 100 Jahren noch neuen Lieder der Arbeiterbewegung sehr wahrscheinlich auswendig gekonnt haben. Zum 100-Jährigen lagen sicherheitshalber Textzettel aus.

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