Werther wartet auf 92 Flüchtlinge

Die Stadt könnte Quartiere abbauen, muss aber aufgrund der Wohnsitzauflage auf Abruf Plätze für Asylbewerber bereithalten.

Anja Hanneforth,Kerstin Spieker

Übergangswohnheim Weststraße: Ob auch hier weitere Asylbewerber aufgenommen werden müssen, steht noch nicht fest. - © Anja Hanneforth
Übergangswohnheim Weststraße: Ob auch hier weitere Asylbewerber aufgenommen werden müssen, steht noch nicht fest. (© Anja Hanneforth)

Werther. Kommen sie nun oder kommen sie nicht? – Eine Frage, auf die die Stadtverwaltung aktuell keine Antwort weiß. Es geht um 92 Flüchtlinge, die sie nach dem Verteilerschlüssel eigentlich aufnehmen müsste, die aber bisher noch nicht in Werther angeklopft haben. Wann sie in die Böckstiegelstadt geschickt werden und ob überhaupt, kann Bürgermeisterin Marion Weike nicht sagen. Was bedeutet, dass die Stadt weiterhin auf Verdacht entsprechende Räume vorhalten muss.

Bei den 92 Personen würde es sich nicht um »normale« Asylsuchende handeln. Hier nimmt Werther regelmäßig Personen auf, der Verteilerschlüssel richtet sich nach der Einwohnerzahl. In diesem Bereich liegt die Stadt mit einer Erfüllungsquote von nahezu 100 Prozent voll im Soll.

"Viele von ihnen bleiben, was gut für Werther ist"

Vielmehr geht es um bereits anerkannte Flüchtlinge, die Werther nach der Wohnsitzregelung von der Bezirksregierung Arnsberg zugewiesen werden. Das heißt, sie müssen dann für mindestens drei Jahre ihren Wohnsitz vor Ort haben. „Viele von ihnen bleiben, was gut für Werther ist", findet Marion Weike.

Sie bilanziert allerdings auch, dass die Stadt in diesem Bereich nur eine Erfüllungsquote von 43 Prozent hat. Wobei Werther im vergangenen Jahr nach dem Schlüssel 30 Personen hätte aufnehmen müssen, die dann aber konkret von der Bezirksregierung Arnsberg nicht zugewiesen wurden. Das gilt bisher auch für die insgesamt 92 genannten Flüchtlinge.

„Trotzdem können wir unsere Kapazitäten nicht auf ein Minimum herunterfahren", so die Bürgermeisterin. Sie berichtet jedoch, dass die anerkannten Flüchtlinge nicht zwingend im städtischen Übergangsheim wohnen müssten, sondern auch berechtigt seien, selbst eine Wohnung anzumieten.

31 Asylbewerber in Werther sind anerkannt

Trotz aller Unwägbarkeiten sei man dennoch dabei, überzählige Kapazitäten zurückzufahren. Zahlreiche Wohnungen, die die Stadt in den vergangenen Jahren angemietet hat, habe man inzwischen wieder zurückgegeben. „Oder die Flüchtlinge haben sie, wenn ihr Asylverfahren abgeschlossen ist und sie in Deutschland bleiben können, selbst angemietet."

Insgesamt leben in Werther derzeit 98 Asylbewerber. 31 von ihnen sind anerkannt und verfügen über einen entsprechenden Aufenthaltstitel. Das Asylgesuch von 51 Menschen wurde bereits abgelehnt, wobei 36 von ihnen derzeit in Widerspruchsverfahren sind. 15 sind ausreisepflichtig. Eine geplante Abschiebung nach dem Dublin-Verfahren scheiterte jüngst, da die ausreisepflichtige Person nicht zu Hause angetroffen wurde.

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