Trumps Handelspolitik zwingt Stahlhändler in Werther zum Umdenken

Die amerikanische Handelspolitik unter Donald Trump zwingt Yavuz Kizilkan zur Neuausrichtung seines Stahlhandels. Derzeit baut der Firmenchef seinen Betrieb in Werther neu auf.

Kerstin Spieker

Starten in Werther neu durch: Michal Rutha (links) und Yavuz Kizilkan stellen die Kizilkan Stahlhandel GmbH am Esch neu auf, um auch in wirtschaftspolitisch unruhigen Zeiten bestehen zu können. Foto: Kerstin Spieker - © Firma Kizilkan
Starten in Werther neu durch: Michal Rutha (links) und Yavuz Kizilkan stellen die Kizilkan Stahlhandel GmbH am Esch neu auf, um auch in wirtschaftspolitisch unruhigen Zeiten bestehen zu können. Foto: Kerstin Spieker (© Firma Kizilkan)

Werther. Ohne den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump wäre die Firma Kizilkan Stahlhandel GmbH vermutlich nicht am Esch in Werther ansässig geworden, vielleicht gäbe es sie in dieser Form überhaupt nicht. „Ich habe von meinem Handelsbüro in Bielefeld aus 17 Jahre lang Stahlrohre des türkischen Herstellers Noksel verkauft. Gesehen habe ich in den Jahren eigentlich nie eines", erzählt Geschäftsführer Yavuz Kizilkan. Umschlagplätze waren meist große Handelshäfen. Von dort aus ging die Ware direkt an die Kunden.

Mit der Neuausrichtung amerikanischer Handelspolitik allerdings war das Geschäftsmodell nicht länger haltbar. Yavuz Kizilkan entschied sich zum Schritt nach vorn. Neue Firmenstruktur, größeres Team, eigenes Lager an neuem Standort – so lautete seine Antwort auf die Einführung der Stahlkontingentierung verbunden mit drohenden Strafzöllen.

Globaler Handel: Unser Foto zeigt die Lagerhaltung des Stahlrohrherstellers Noksel im türkischen Hendek. Foto: Firma Noksel - © Firma Kizilkan
Globaler Handel: Unser Foto zeigt die Lagerhaltung des Stahlrohrherstellers Noksel im türkischen Hendek. Foto: Firma Noksel (© Firma Kizilkan)

Unzufrieden wirkt der Stahlrohrhändler damit nicht. Im Gegenteil: Das ehemals von einem Metallverarbeiter genutzte Gebäude 22 – 24 ist inzwischen kernsaniert. In der Lagerhalle ist die erste Ware untergebracht und der Bauantrag für die Errichtung einer weiteren Halle von 1.500 Quadratmetern zuzüglich 400 Quadratmetern Bürokomplex bereits gestellt.

"Auf Strafzölle reagiert der Markt nervös"

„Als die USA Strafzölle für den Stahlhandel verhängten, reagierte der Markt nervös. Unsere Kunden waren beunruhigt", erklärt Michal Rutha, bei der Kizilkan Stahlhandel GmbH für den Vertrieb verantwortlich. Die Margen im Handel mit Stahl seien ohnehin nicht groß. Die deutschen Großhändler hätten Sorge gehabt, bei versehentlicher Überschreitung von Handelskontingenten durch die dann fälligen Strafzölle Verluste zu machen. Jetzt trägt die Kizilkam Stahlhandel Gmbh das Risiko. „Unsere Aufgabe ist es, die Ausreizung der Kontingente täglich im Blick zu behalten und dem angepasst unsere Lieferungen zu ordern", erläutert Yavuz Kizilkan. Und Michal Rutha fügt an: „Wir machen es für den Kunden so einfach wie möglich. Wir sind Dienstleister."

Um besser mit den erlaubten Warenmengen jonglieren zu können, braucht Kizilkan ein Lager. Die Firma in Werther bildet für die Großhändler in Deutschland quasi den Puffer. Sie sollen von der härteren Handelspolitik der Amerikaner im Idealfall gar nichts spüren.

Neue Halle bringt neue Arbeitsplätze

Hergestellt werden die Stahlrohre, mit denen Kizilkan handelt, in der Türkei von der Firma Noksel. Noksel produziert zwar auch in Spanien, dort aber ausschließlich Rohre mit großem Durchmesser, zum Beispiel für den Pipelinebau. In der Türkei werden zudem Kleinrohre hergestellt im Durchmesser zwischen zehn und 3.000 Millimetern. Das ist die Ware, auf deren Verkauf in Deutschland, Holland und Belgien die Kizilkan Stahlhandel GmbH sich spezialisiert hat. Nutzung finden die Rohre in der Möbelindustrie, bei Autozuliefererbetrieben, im Container- und LKW-Bau. Und sogar Pfosten und Matten für den Zaunbau liefert Kizilkan auf Bestellung.

Arbeitete Yavuz Kizilkan in den vergangenen Jahrzehnten fast allein, so gehören inzwischen bereits acht Mitarbeiter zum Team, darunter zwei Auszubildende. „Und wenn die neue Halle erst in Betrieb geht, brauchen wir natürlich Leute für die Warenwirtschaft", stellt Michal Rutha weitere Arbeitsplätze in Aussicht.

Kontakt zum Standort Werther bekam Yavuz Kizilkan übrigens über einen Freund. Gern wäre er mit seiner Firma ins neue Gewerbegebiet Rodderheide gegangen. „Aber es war nur noch etwas neben dem Kindergarten zu haben. Und eine zehn Meter hohe Halle direkt neben den Kindern, das geht nicht", erzählt der Firmenchef. Bürgermeisterin Marion Weike habe sich dann persönlich sehr eingesetzt und das frei gewordene Grundstück am Esch vermittelt. „Für uns ist das eine sehr gute Lösung", ist Kizilkan zufrieden.

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