Pikeur macht zweithöchsten Umsatz der Firmengeschichte

Erfolgsgeschichte »Made in Werther«: Während die Modebranche ein schwieriges Geschäftsjahr 2018 hinter sich hat, kann der heimische Reitmodenhersteller nur Positives berichten. Fast die Hälfte seiner Produkte exportiert er ins Ausland

Julia Gesemann,Anja Hanneforth

Im Showroom: Verkaufsleiter Hans-Georg Johannsmann (links) und Juniorchef Markus Brinkmann zeigen zwei Stücke aus der aktuellen Turnierkollektion: eine weiße Reithose und ein graues Jackett. - © Julia Gesemann
Im Showroom: Verkaufsleiter Hans-Georg Johannsmann (links) und Juniorchef Markus Brinkmann zeigen zwei Stücke aus der aktuellen Turnierkollektion: eine weiße Reithose und ein graues Jackett. (© Julia Gesemann)

Werther. Der Reitmodenhersteller Pikeur mit Sitz am Esch in Werther hat 2018 das zweitbeste Umsatzergebnis der Firmengeschichte erzielt. Das geht aus den Bilanzzahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr hervor. „Wesentlich zum guten Ergebnis beigetragen hat abermals die Reitausrüstungsmarke Eskadron", bilanzieren Wolfgang und Klaus Brinkmann, geschäftsführende Gesellschafter der bugatti Holding Brinkmann, zu der auch die Firma Pikeur gehört.

Und die Mode aus Werther wird auch im Ausland immer beliebter. Der Exportanteil lag 2018 bei 46 Prozent. Stärkste Länder waren Großbritannien, Benelux, Nordamerika, Schweden, die Schweiz und Österreich, stärkste Produktgruppen weiterhin Reithosen und Sakkos, die teilweise noch in Deutschland, darunter am Stammsitz in Herford, gefertigt werden.

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Gesamte Logistik wird in Werther zentriert

Die riesige Halle ist nicht zu übersehen: Die Firma Pikeur mit Sitz im Gewerbegebiet Esch wächst. Noch läuft der Innenausbau, doch schon in wenigen Monaten soll das neue Logistikzentrum des Unternehmens in Betrieb gehen. Die Fertigstellung ist laut Firmensprecherin Tanja Bobel für den Juli geplant. Damit wird die gesamte Logistik in Werther zentriert.

2018 hat der Neubau große Fortschritte gemacht. Das mehrstöckige Gebäude wird zusammen mit den bisherigen Lagerflächen mehr als 17.000 Quadratmeter Fläche bieten, um Produkte zu lagern und auszuliefern.

Inzwischen ist die Beleuchtung installiert, die Montage der Regale im Obergeschoss zu großen Teilen abgeschlossen. Übernächste Woche erfolgt der Einbau der Lüftungsanlage.

Wie schon während der gesamten Bauphase setzten sich die schlechten Bodenverhältnisse jetzt bei den Lkw-Rampen fort, so Tanja Bobel. Dagegengewirkt werde durch eine Verkalkung des wassergesättigten Lehms.

Das Logistikzentrum wird ein Umschlagplatz für jährlich bis zu einer halben Million hängender und 1,5 Millionen liegender Teile. Täglich werden bis zu 1.200 Pakete von Werther aus in über 65 Länder verschickt. Dafür investiert der Reitmodenhersteller einen zweistelligen Millionenbetrag. „Wir planen, bereits unsere neue Herbst-/Winterkollektion darüber abzuwickeln", so Vertriebsleiter Hans-Georg Johannsmann.

Wer sich als Reitmodenhersteller am Markt etablieren will, braucht bekannte Reiter, die die Marke in die Welt tragen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen vor zwei Jahren mit dem Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei in Warendorf einen Ausstattervertrag bis 2024 abgeschlossen. Die Investition lohnt sich: Die deutschen Athleten konnten im vergangenen Jahr bei den Weltreiterspielen in den USA 17 Medaillen in Pikeur-Bekleidung gewinnen, darunter Doppelgold in der Dressur und Einzelgold im Springen.

Es ist eine Erfolgsgeschichte »Made in Werther«. Sie begann 1964 mit der Übernahme der Reitmodenfirma Haefner & Co. durch die Brüder Wolfgang und Klaus Brinkmann. Sie retteten das Unternehmen aus der Insolvenz und gründeten es neu. Seitdem gehören die Marken Pikeur (Mode für Reiter) und Eskadron (Zubehör fürs Pferd) zur Herforder bugatti Holding Brinkmann.

„Über die Jahre konnten wir den Umsatz der beiden Marken mehr als vervierfachen", bilanziert Juniorchef Markus Brinkmann, Sohn von Wolfgang Brinkmann, nicht ohne Stolz. Kein Wunder, „in einem Nischenmarkt ist das eine gewaltige Leistung", ergänzt Pikeur-Vertriebsleiter Hans-Georg Johannsmann. Ja, man sei in einer Nische zuhause. „Aber wir sind so selbstbewusst, dass wir uns bei der Bekleidung für Reiter und Pferd weltweit als die Nummer 1 sehen", sagt Markus Brinkmann.

130 Mitarbeiter arbeiten daran, Reiter und Pferd von Kopf bis Fuß einzukleiden

Zu diesem Anspruch passt auch, dass Pikeur schon seit 1972 offizieller Ausstatter des Deutschen Olympiade-Komitees ist. „Wir statten den im Reitsport erfolgreichsten Verband weltweit aus", sagt Johannsmann. Was bezeichnend sei für den Wert und für die Beständigkeit der Marke.

Rund 130 Mitarbeiter arbeiten daran, Reiter und Pferd von Kopf bis Fuß einzukleiden. Hosen, Sakkos, Shirts, Westen, Jacken und Socken für Reiter sowie Abschwitzdecken, Schabracken, Bandagen und Halfter fürs Pferd. Produkte, die zwar in erster Linie funktionell sein müssen. Dennoch freuen sich Brinkmann und Johannsmann über einen ausgemachten Trend: „Unsere Mode wird nicht mehr nur im Stall getragen, sondern zunehmend auch als Freizeitkleidung genutzt."

Etwa ein Drittel der Reithosen und Sakkos wird in Deutschland gefertigt, in Herford und im niedersächsischen Uchte, der Rest im europäischen Ausland. Während für Reiter jährlich zwei Kollektionen erscheinen, sind es für Pferde gleich sechs.

Den Fachkräftemangel spürt das Unternehmen nach eigener Aussage nicht. „Da spielt uns die Strahlkraft der Marken in die Karten", ist sich Brinkmann sicher. Mehr als 90 Prozent der Belegschaft hätten einen Bezug zum Reitsport. Voraussetzung, um bei Pikeur arbeiten zu dürfen, sei das aber nicht.

Den Standort Werther nennt Johannsmann „zu 100 Prozent ideal". Der Herforder Stammsitz der Brinkmann-Gruppe sei nur 20 Autominuten entfernt, zudem habe sich die Verkehrsanbindung mit dem Lückenschluss der A 33 sehr verbessert. „Und man darf nicht vergessen: OWL ist eine starke Reitsportregion", betont Brinkmann – „ideal, um unsere Marken zu präsentieren". Deshalb bekenne sich das Unternehmen mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums auf dem Nachbargrundstück auch klar zur Region.

Es sei ein notwendiger Neubau. „Denn die Zahl der Onlinebestellungen wächst auch in unserer Branche", sagt Johannsmann. Und auch im Marketing setzt der Reitmodenhersteller zunehmend auf digitale Wege. Pferdemädchen, die bei Instagram das neueste Pikeur-Shirt präsentieren oder ihre Pferde in die aktuellen Eskadron-Decken hüllen und sich dabei fotografieren oder filmen lassen – bessere Werbung kann sich ein Unternehmen nicht wünschen. Zumal die ausgesuchten Influencer und Blogger mit tausenden Followern eine enorme Reichweite haben. „Sie machen heute einen Teil unseren Erfolgs aus", so Johannsmann.

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