Leben von der Kunst: Die Köpfe hinter den Pixibüchern

Viele Jahre hatten sich Cordula und Rüdiger Paulsen dem Puppenspiel verschrieben. Dann begann Rüdiger Paulsen, sich einem kleinen, blonden Wichtel mit roter Mütze zuzuwenden. Seitdem bereichern die Paulsens die Pixibuch-Reihe

Alexander Heim

Erdenken seit acht Jahren Geschichten: 2011 kam der erste Kontakt mit dem renommierten Carlsen-Verlag zustande. Inzwischen gibt es Büchlein aus der Feder von Cordula und Rüdiger Paulsen sogar in Südamerika oder den Niederlanden. - © Alexander Heim
Erdenken seit acht Jahren Geschichten: 2011 kam der erste Kontakt mit dem renommierten Carlsen-Verlag zustande. Inzwischen gibt es Büchlein aus der Feder von Cordula und Rüdiger Paulsen sogar in Südamerika oder den Niederlanden. (© Alexander Heim)

Werther-Theenhausen. Gerade sind sie vergeben worden, die begehrten Academy Awards, hinlänglich als Oscars bekannt. Ein etwas kleineres Exemplar steht seit geraumer Zeit in Werther: der Pixi-Oscar. Als Rüdiger Paulsen, eher beiläufig, vor fünf Jahren anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Hamburger Carlsen-Verlages erfuhr, dass es diese Auszeichnung gibt, sagte er spontan: „Den möchte ich irgendwann mal haben.“ Nun hat sich sein großer Wunsch erfüllt.

Der Moment der Nominierung war in doppelter Hinsicht ein besonders aufregender für Cordula und Rüdiger Paulsen. Seit zwei Jahren sind sie mit Pixi-Lesungen unterwegs. Für eine hatte sich die Cheflektorin Eleonore Gregori, zusammen mit ihrer Kollegin Anjuscha Gabain, angemeldet.

„Wir hatten die Lesungen rund entwickelt und viel gelesen. Aber was, wenn das denen nicht gefällt?“, beschlichen Rüdiger Paulsen Sorgen. „Wir können gut Geschichten schreiben – aber wir können nicht so gut singen“, erklärt Cordula Paulsen zudem.

Doch die Bedenken waren unbegründet: „Du hast manchmal Auftritte, da passt alles“, weiß Rüdiger Paulsen. Und an jenem Tag in Bielefeld passte alles. Beim anschließenden Treffen im Restaurant wurde dem Ehepaar offenbart, dass Rüdiger Paulsen als »Bester Autor 2018« auserkoren worden war. „Wir sind fast vom Stuhl gefallen“, verrät Rüdiger Paulsen über den besonderen Glücksmoment.

„Wir hatten 2018 ein Hammerjahr“

„Wir hatten 2018 ein Hammerjahr“, verrät er. Allein 25 Geschichten aus Theenhausen wanderten nach Hamburg zum Carlsen-Verlag und von dort aus in die ganze Welt. Nörgel, Grabsch und Brülle etwa, die »3 Monster in der Schule«, fanden bei der Lektorin großen Anklang.

»Oma Trudes Flaschengeist«, »Die verzauberte Hexe« und nicht zuletzt »Der Klabautermann« stehen in den Startlöchern. „Ich hatte festgestellt, dass ich nichts über Klabautermänner wusste“, räumt Rüdiger Paulsen ein. „Er treibt gerne Schabernack mit der Mannschaft auf einem Schiff, mag aber selbst nicht geärgert werden“, weiß der Wer-theraner natürlich mittlerweile längst. Und schickte ihn mit Kapitän Hein und seiner Crew auf Fahrt.

3.200 Zeichen, „inklusive Leerzeichen“, elf Doppelseiten und eine Abschlussseite – das ist das Format für die Pixi-Bücher. Mal sind es normale Erzählformen, mal sind es Gedichte, in denen die Handlungen verpackt werden. „Die erste Version“, verrät Rüdiger Paulsen, „schreibe ich immer mit der Hand.“ „Was ich tagsüber mit der Hand schreibe, muss ich abends in den Rechner tippen.“

Verschiedene Cafés in der Umgebung sind dabei sein bevorzugter Arbeitsplatz. „Je nach Jahreszeit ist das ganz unterschiedlich“, erzählt er. „Schreiben in Cafés – das ist für mich ein Hochgenuss.“ Warum? „Der Eintritt ins Café ist ein Ausblenden der kompletten Wirklichkeit, die sonst ins Haus kreucht und deine komplette Aufmerksamkeit will. Im Café zu sitzen ist für mich eine andere Welt.“ Den Stift in der Hand, das Schreibbuch auf dem Schoß – „erst dann kommt etwas“, hat Rüdiger Paulsen im Laufe der Jahre für sich herausgefunden. Und dann verrät er Überraschendes: seine Verehrung für keinen Geringeren als Horror-Autor Stephen King. Dessen Tipp „Kill your Darlings“ beherzigt der Theenhausener. „Das sind Sätze, die den Plot nicht verändern, wenn sie wegfallen.

"Das ist eine Arbeit, die ich nicht als Arbeit empfinde"

„Das ist eine Arbeit, die ich nicht als Arbeit empfinde. Es ist ein großes Vergnügen, ohne das ich nicht sein möchte.“ Von der ersten Idee bis zum fertigen kleinen Büchlein – „das sind acht Momente der Freude“, verrät Rüdiger Paulsen. Bei inzwischen 50 publizierten Geschichten kommen er und Ehefrau Cordula da leicht auf 400 solcher Momente der Freude. Wenn der Carlsen-Verlag in diesem Jahr seinen Extraband zu Pixi herausbringt, dann werden auch Geschichten aus Werther darin zu finden sein.

Sechs Jahre war Rüdiger Paulsen Geschäftsführer einer Jeans-Handelskette, hatte eine 60- bis 70-Stunden-Woche. „Mit Anfang 30 bin ich ausgestiegen“, blickt er zurück. 1986 begann er mit dem Puppenspiel, hatte im ersten Jahr gleich 60 Auftritte. Und auch die Leidenschaft für Balladen ist geblieben. Seit sein Deutschlehrer, Herr Kirsch, dereinst »Die Kraniche des Ibykus« zum Leben erweckt hatte.

Das Leben von der Kunst? Die Antwort von Rüdiger Paulsen ist klar. „Ich kann mir nichts Besseres vorstellen“, so der gebürtige Münsteraner. „Wir haben das Gefühl, ein total privilegiertes Leben zu führen“, ergänzt Cordula Paulsen. „Alles, was wir machen, macht uns Spaß. Wir haben ein cooles Leben.“

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