100 Jahre alte Linde in Werther gefällt

Die Fällung lockt am Samstag Schaulustige in die Ravensberger Straße. Viele haben eine Beziehung zu dem imposanten Baum

Andre Schneider

Mit schwerem Gerät und viel Know-how: Mit dem Kran werden die einzelnen Teile zu Boden befördert. Stück für Stück endet damit das Linden-Kapitel. - © Andre Schneider
Mit schwerem Gerät und viel Know-how: Mit dem Kran werden die einzelnen Teile zu Boden befördert. Stück für Stück endet damit das Linden-Kapitel. (© Andre Schneider)

Werther. Sie könnte viele Geschichten erzählen – die Linde an der Ravensberger Straße. Nun ist ihr letztes Kapitel erzählt. Von dem 100-jährigen Baum sind nur noch Holzspäne übrig. Und natürlich viele Erinnerungen, die die Wertheraner mit ihrer Linde verbinden.

Da sind zum Beispiel Angelika Schulz und Sven Heidbrink. Beide blicken mit Wehmut auf die Fällung am Samstagmorgen. Die Linde war ein Mittelpunkt im Leben der beiden Anwohner. „Ich habe meine Physiotherapiepraxis damals auch wegen des monströsen Baumes gewählt“, berichtet Heidbrink von der Standortsuche. Morgens, erinnert er sich, habe er immer fegen müssen. „Es war wie Frühsport“, so Heidbrink. Hätte er die Wahl, er würde „immer den Baum zurücknehmen“.

„Im Sommer sah sie aus wie Brokkoli“

Angelika Schulz wohnt direkt neben dem Ort, an dem bis Samstag die große Linde stand. Sie schaut in ihrem Handy nach einem Foto aus dem Sommer, das den Baum in voller grüner Pracht zeigt. „Wenn ich unter ihr stand, habe ich immer gesagt, dass sie aussieht wie ein Brokkoli.“ Es sei schade, dass die Linde nun aus Sicherheitsgründen weichen müsse.

Aber zumindest einen spektakulären Schlussakt bietet das letzte Kapitel innerstädtischer Lindengeschichte seinen Beobachtern. Darunter befindet sich auch ein Nachwuchs-Trio. Die Fällarbeiten faszinieren Alexander, Leonard und Marlene. Marlene filmt mir ihrer Kamera. Alexander meint: „Ich möchte mich wenigstens noch von dem Baum verabschieden.“ Der Siebenjährige ist fasziniert von dem großen Kran, mit dessen Hilfe die Hauptäste des meterhohen Baumes Stück für Stück fallen. Alexander beobachtet die Männer mit den Motorsägen und dem Häcksler.

Was für die Anwohner ein Spektakel und Abschiednehmen zugleich ist, das ist für Pusan Drurovic reine Routine. „Große Bäume und Gewächse sind unsere Spezialität“, berichtet der Arbeiter aus seinem Berufsalltag. „Vor 50 Jahren war es in Mode, solche großen Bäume in der Nähe von Häusern zu pflanzen. Die werden heute zum Problem.“ So ein „riesiges Ding“ fälle man nicht so einfach.

Kleinere Gewächse seien da deutlich einfacher. So wie das Exemplar, das bald an der Ravensberger Straße als Ersatzanpflanzung stehen wird: eine vier Meter hohe Eiche. „Zumindest ein kleines Trostpflaster“, wie Sven Heidbrink findet. Ein neues Kapitel für den Platz an der Ravensberger Straße.

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