CDU scheitert mit Blotenberg-Absage

Klares Votum im Hauptausschuss: Wie teuer die Bebauung der umstrittenen Fläche auch werden wird – die Mehrheit der Politiker hält an dem Projekt fest. Viele sehen darin ohnehin kein Risiko

Anja Hanneforth

Kommt er oder kommt er nicht? Nach Aussage der CDU würde eine Vollbebauung des Blotenbergs immer noch ein Minus von bis zu einer Million Euro einfahren. - © Büro Tischmann Schrooten
Kommt er oder kommt er nicht? Nach Aussage der CDU würde eine Vollbebauung des Blotenbergs immer noch ein Minus von bis zu einer Million Euro einfahren. (© Büro Tischmann Schrooten)

Werther. „Müssen wir gleich nach draußen, um weißen Rauch zu sehen?" – Eigentlich war Werthers Löschzugführer Rainer Ermshaus wegen einer ganz anderen Angelegenheit ins Rathaus gekommen. Doch wie bei einem Konklave muss er sich gefühlt haben, als er zusammen mit weiteren Besuchern und der Presse im Hauptausschuss am Dienstagabend den Ratssaal verlassen sollte. Die CDU wollte ihr Zahlenwerk zum Blotenberg vorstellen, und sie wollte es wegen einiger Details nicht öffentlich tun. Rauch stieg am Ende zwar keiner auf. Allerdings wäre er wohl schwarz gewesen, denn die Christdemokraten waren mit ihrem Vorstoß zur Aufgabe des Baugebiets gescheitert.

Wie berichtet hatte sich die CDU vor gut zwei Wochen in der Verwaltung informiert und war zu dem Schluss gekommen, dass die Bebauung des Blotenbergs zu teuer und damit nicht zu vertreten ist. Der stellvertretende Fraktionschef Ralf Eckelmann rechnete im Ausschuss noch einmal vor – und diese Zahlen nannte er öffentlich – dass eine Teilbebauung ein Minus von 2,1 Millionen Euro einfahren würde, eine sofortige Vollbebauung immer noch ein Minus zwischen 700.000 und einer Million Euro.

Die Kritik am Vorstoß der CDU kam prompt, und sie kam von vielen Seiten. SPD, UWG und FDP bezeichneten das Vorgehen der CDU mit ihren Schlagzeilen als „schräg", „schief" und „nicht seriös". Offenkundig habe die CDU nicht verstanden, wie Baugebiete realisiert werden und dass etwa der Abwasserbereich stets über einen Wirtschaftsplan abgerechnet werde. Das Waldstück, das die Stadt zusätzlich zur Blotenberg-Fläche kaufen musste, fließe in das städtische Vermögen ein, die Zahlen des Kämmerers seien „völlig plausibel".

Zahlenwerk wird hinter verschlossener Tür gewälzt

Uwe Gehring (UWG) unterstrich: „Wir brauchen die Wohnungen. Und wir können auf der Schussfahrt nicht einfach wenden." Udo Lange (SPD) bekräftigte: „Der Blotenberg ist auf Jahre das wichtigste Siedlungsgebiet der Stadt. Andere Flächen werden wir so schnell nicht realisieren können." Nun sei die Mathematik der CDU offenkundig eine andere ist als die der Stadt – er sei gespannt, was die Partei im nichtöffentlichen Teil vortragen werde.

Eine gute halbe Stunde wurde hinter verschlossenen Türen das Zahlenwerk gewälzt. Danach der Kommentar von Gert Klages (SPD): „Jetzt ist klar, dass die CDU einen Bock geschossen hat und nicht rechnen kann." Alexander Fillers (CDU) räumte tatsächlich ein: „Wir haben die Zahlen anders zugeordnet, das mag sein." Wie dieser Satz zu bewerten war, ließ er offen, sagte aber, dass er die Risiken des Blotenbergs jedenfalls für nicht kalkulierbar hielte. Und die Grünen sprangen bei, sprachen neben den wirtschaftlichen noch von „weiteren Risiken".

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.