Von Namibia nach Werther: Warum Phillip Haussmann jetzt hier leben will

Phillip Haussmann ist in Namibia aufgewachsen. Jetzt wohnt er in Werther und beginnt bald eine Ausbildung als Fachinformatiker in Halle – er will in Deutschland bleiben

Ekkehard Hufendiek

Doppelte Staatsbürgerschaft: Phillip Haussmann ist in Namibia aufgewachsen und vor drei Wochen nach Deutschland gekommen. Der 18-Jährige will in Halle eine Lehre zum Fachinformatiker machen. - © Ekkehard Hufendiek
Doppelte Staatsbürgerschaft: Phillip Haussmann ist in Namibia aufgewachsen und vor drei Wochen nach Deutschland gekommen. Der 18-Jährige will in Halle eine Lehre zum Fachinformatiker machen. (© Ekkehard Hufendiek)

Werther. „Namibia", sagt Phillip Haussmann, „ist das einzige Land, das man mit der Hand darstellen kann." Dazu klappt der 18-Jährige den Zeigefinger ein, spreizt den Daumen ab und präsentiert so mit dem Handrücken die Umrisse seines Geburtslandes – ähnlich der Gestik eines Rappers. Sein Geburtsland Namibia ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Doch während in Deutschland mehr als 82 Millionen Menschen leben, sind es in der einstigen deutschen Kolonie Südwestafrika nur 2,3 Millionen.

Es gibt in Namibia nur wenig Städte. In der größten, der Hauptstadt Windhuk, leben rund 320.000 Menschen – so viele wie in Bielefeld. Außerhalb ist das Land nur spärlich besiedelt. Viele Einheimische arbeiten als Hirten. Phillip Haussmann stuft Namibia als Drittweltland ein. „Wir haben genau eine Autobahn", sagt der 18-Jährige und lacht.

„In Namibia werden viele Wörter erfunden"

Phillip Haussmann ist in Otjiwarongo geboren. Einer kleinen Stadt im Norden des Landes, die etwa so groß ist wie Halle. Er ist dort zur Schule gegangen und spricht fließend Afrikaans, eine Mischung aus Deutsch, Englisch und Holländisch. Mit seinen Kumpels spricht er ausschließlich Afrikaans, doch er fühlt sich im Deutschen eher zuhause. „In Namibia werden viele Wörter erfunden", erzählt der Schüler weiter. Man rede dort Slang, das heißt viele Wörter werden aus anderen Sprachen entlehnt und gemischt. Dabei macht sich offenbar der starke Einfluss des Nachbarlandes Südafrika bemerkbar.

Haussmanns Vater arbeitet in Otjiwarongo als Tourguide. „Jetzt gerade boomt dort der Tourismus", erzählt der 18-Jährige und zeigt stolz Bilder von den Touren, die sein Vater draußen „im Busch" anbietet.

Phillip Haussmann spricht akzentfrei Deutsch. Vermutlich auch deshalb, weil er in den vergangenen Jahren schon einige Male in Werther zu Besuch war. Sein Großvater, Pastor Walter Moritz, lebt in der Böckstiegelstadt, arbeitete aber lange Zeit als Missionar in Namibia. So ist der Kontakt nach Werther entstanden.

Das nächste Kino ist 250 Kilometer weit weg

Wenn Phillip Haussman die beiden Länder vergleicht, sieht er fast nur Vorteile auf deutscher Seite: Seine deutschen Kumpels etwa schluckten, wenn er ihnen erzähle: „Das nächste Kino ist 250 Kilometer weit weg." Offenkundig fehlen Angebote vor allem künstlerischer oder kultureller Natur. Zum Reisen sei Namibia toll, „aber als Schüler ist es manchmal schon so, als wäre man eingesperrt", erzählt der junge Mann. Er liebe eher die Kälte als die trockene Wärme. Zur Abwechslung sei er im Sommer manchmal mit seinen Freunden nach Swakopmund an die Atlantikküste gefahren.

Phillip Haussmann hat in Namibia seinen Führerschein gemacht, der auch in Deutschland gültig ist. In den 17 Jahren vorher hat er – wie viele andere Bürger Otjiwarongos auch – das wohl günstigste Transportmittel des Landes benutzt: ein Taxi. Denn in Namibia sind es die Taxis, die durch ihre günstigen Preise viel häufiger in Anspruch genommen werden als Bus oder Bahn. So koste eine Fahrt von einem Außenbezirk Otjiwarongos zu einem gegenüberliegenden nur etwa einen Euro – günstiger als vielerorts in Deutschland das Parken.

Und weil in Namibia der Verdienst nicht gerade gut ist, hat sich der 18-Jährige entschlossen, in Deutschland eine Ausbildung zu machen. Bald fängt er bei einer Haller Firma eine Lehre als Fachinformatiker an. Bürokratisch ist das kein Problem: Phillip Haussmann hat die doppelte Staatsbürgerschaft. Der namibianische Pass ist rot, der deutsche grün. Das Anfertigen seines Ausweises habe in Namibia drei Monate gedauert, in Deutschland eine Woche.

In welchem Land fühlt er sich denn jetzt heimisch? „Schon eher in Deutschland", sagt Phillip Haussmann. Heimweh habe er nicht, versichert er. Seine Eltern und seine zwei Geschwister besuchen ihn in ein paar Wochen.

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