Birgit Ernst: "Europawahl wird vom Brexit entschieden"

Die CDU-Ratsfrau Birgit Ernst blickt auf eine turbulente Woche zurück. Jetzt kandidiert sie für das EU-Parlament

Detlef Hans Serowy

Hier will sie hin: Birgit Ernst aus Werther kandidiert für die CDU bei den Europawahlen. - © Pixabay.com
Hier will sie hin: Birgit Ernst aus Werther kandidiert für die CDU bei den Europawahlen. (© Pixabay.com)

Werther. Birgit Ernst kocht am vergangenen Montag Fischsuppe für 15 Personen. Ihr Mann hat Geburtstag und es soll gefeiert werden. „Da klingelte das Telefon und eine gestandene Persönlichkeit aus der CDU fragte mich, ob ich mir die Kandidatur für das Europaparlament vorstellen könnte“, berichtet die 50-Jährige im Gespräch mit dem Haller Kreisblatt. Sie muss die Entscheidung nicht sofort fällen und holt sich telefonisch Rat bei „Parteifreunden, die mir nahestehen“.

Dann trinkt die 50-Jährige noch ein Glas Bier mit den Geburtstagsgästen ihres Mannes und geht ins Bett. Es folgt eine turbulente Woche, an deren Ende sie auf dem Listenplatz sieben der NRW-CDU für die Europawahl am 26. Mai steht. Das Telefon steht am Folgetag bei der Wertheranerin nicht still. „Es waren mehrere Namen im Umlauf, und ich habe auch das Gespräch mit Bernd Schulze-Waltrup gesucht.“

Der Paderborner ist stellvertretender CDU-Bezirksvorsitzender und Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Er fordert die Kandidatur für sich, die nach dem Verzicht von Elmar Brok vakant ist. Schulze-Waltrup hat starke Argumente. Er steht bereits auf Platz elf der CDU-Landesliste und ist damit vorübergehend die Nummer eins aus OWL. Der Paderborner CDU-Kreisverband steht hinter dem 52-Jährigen. „Ich schätze den Kollegen sehr, wir arbeiten bei der CDA zusammen“, sagt Birgit Ernst.

„Der Schuss kann auch nach hinten losgehen“

Die CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat von Werther informiert ihren Arbeitgeber, spricht mit der Familie und ist am Dienstagabend fast so weit, die Kandidatur abzusagen. „Der Schuss kann auch nach hinten losgehen“, ist ihr klar. Eine verlorene Kampfkandidatur wäre nicht gerade förderlich für den weiteren politischen Weg und auch die Frage nach der Zeit für die Familie treibt sie um.

Birgit Ernst: Die CDU-Fraktionsvorsitzende aus Werther kandidiert jetzt auf Listenplatz sieben der NRW-CDU für die Europawahl am 26. Mai. - © CDU
Birgit Ernst: Die CDU-Fraktionsvorsitzende aus Werther kandidiert jetzt auf Listenplatz sieben der NRW-CDU für die Europawahl am 26. Mai. (© CDU)

Am Mittwochmorgen ruft die CDU-Kreisgeschäftsstelle an und drängt auf eine Entscheidung. „Alle anderen möglichen Kandidaten hatten abgesagt.“ Birgit Ernst ruft ihren Mann an und der „hat mir in den Hintern getreten und dann habe ich gesagt, ich mache das“. In der Woche wird in der OWL-CDU „ziemlich viel telefoniert“. „Daran habe mich relativ wenig beteiligt“, berichtet die Kandidatin.

Sie bereitet sich stattdessen auf die Sondersitzung des Bezirksvorstandes am Freitagabend vor. „Die Diskussion war sehr sachlich, durchaus differenziert, nicht persönlich und es ging darum, was wollen wir als OWL, und wie können wir das am besten realisieren.“ Es ging auch um die Frage, ob Bernd Schulze-Waltrup nicht den größeren moralischen Anspruch auf die Kandidatur habe. „In der Diskussion habe ich schon gedacht, dass ich hier keinen Durchmarsch mache“, erinnert sich Birgit Ernst.

Sie erringt einen knappen Vorsprung und empfindet den Sieg als bitter-süß. „Da hat niemand gejubelt, denn viele haben gedacht, da haben wir einen der Unseren getroffen.“ „Ich hoffe ganz stark, dass wir in der CDA weiter gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten werden“, sagt Birgit Ernst in Richtung des unterlegenen Mitbewerbers. Sie bereitet sich auf eine Kampfkandidatur um den Listenplatz sechs auf der Landesliste vor und erlebt eine Überraschung.

Ehemann unterstützt ihre Pläne

„Am Freitagabend hat sich der Landesvorstand über die Liste gebeugt und überlegt, ob jemand für mich verzichten kann.“ Antoinette Bunse aus Bottrop macht für Birgit Ernst den Listenplatz sieben frei und die Wertheranerin holt in Siegburg auf der CDU-Landesvertreterversammlung sehr gute 93,1 Prozent. „Ich bin überzeugt, dass die Europawahl davon entschieden wird, wie der Brexit verläuft und wie sich die EU England gegenüber verhält“, sagt die Kandidatin. Ihr Listenplatz sieben ist nicht sicher. Die CDU muss ein gutes Ergebnis holen, damit Birgit Ernst nach Brüssel geht.

Berechtigt finde sie die Frage, wie sie sich im Falle einer Wahl um ihre drei Kinder kümmern wird. „Diese Frage sollte aber nicht nur Frauen gestellt werden“, stellt die Ehefrau und Mutter klar. Die Familie brauche zwingend Zeit und wenn sie ein Mandat erringe, dann habe sie die Zeit für ihre Kinder nicht mehr im aktuellen Umfang. Im Haushalt Ernst lebt aber seit 16 Jahren eine Tagesmutter, und außerdem ist da ja noch Ehemann Harald. „Der steht voll hinter mir und kann sich auch um die Kinder kümmern“, betont die 50-Jährige.

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