Wertheraner CDU: „Blotenberg ist nicht zu halten“

Nachdem die Christdemokraten sich Freitagmorgen im Rathaus die aktuellen Zahlen zur Blotenberg-Bebauung haben geben lassen, steht für sie fest: „Das Baugebiet darf nicht realisiert werden“

Anja Hanneforth

Bebauung wird fraglicher: Die CDU hat errechnet, welche Verluste eine Bebauung des Blotenbergs bedeuten würde. - © Ulrich Fälker
Bebauung wird fraglicher: Die CDU hat errechnet, welche Verluste eine Bebauung des Blotenbergs bedeuten würde. (© Ulrich Fälker)

Werther. Mit dieser dramatischen Wende hätte wohl niemand gerechnet, am allerwenigsten die CDU selbst: Nachdem sie sich erst am Mittwoch für eine – zwar abgespeckte – Bebauung des Blotenbergsausgesprochen hatte, revidiert sie diese Meinung nun vollends, nimmt ihren an den Hauptausschuss gestellten Antrag zurück und sagt: „Die Bebauung des Blotenbergs muss gestoppt werden."

Grund für den Sinneswandel sind nackte Zahlen. Nach einem Termin beim Kämmerer hat die CDU ausgerechnet, dass der Verlust bei einer Teilbebauung rund zwei Millionen Euro, bei einer Gesamtbebauung immer noch zwischen 800.000 und einer Million Euro betragen würde. „Viel zu hoch", findet Fraktionschefin Birgit Ernst. „Damit ist der Blotenberg für uns gestorben."

Gestern Vormittag waren Ernst selbst, ihr Stellvertreter Ralf Eckelmann und Alexander Fillers zu einem Gesprächstermin im Rathaus angemeldet. Dort wollten sie mit Bürgermeisterin Marion Weike, Kämmerer Rainer Demoliner und Bauamtsleiter Jens Kreiensiek über aktuelle Zahlen zum Blotenberg sprechen. Eineinhalb Stunden dauerte das Gespräch. „Die Verwaltung war gut vorbereitet, uns wurden alle Auskünfte, die wir haben wollten, erteilt", berichtet Birgit Ernst.

"Ein Schock"

Nach dem Termin im Rathaus haben die drei Ratsvertreter bei der Fraktionschefin zu Hause die Taschenrechner zur Hand genommen und die Zahlen kaufmännisch bewertet. Das Ergebnis: „Ein Schock", sagt Birgit Ernst. War ihre Partei am Mittwoch noch davon ausgegangen, dass der Blotenberg »nur« ein großes wirtschaftliches Risiko darstellt, sieht die Sache aus Sicht der CDU nun deutlich schlimmer aus.

Alles eingerechnet, inklusive der bislang 120.000 Euro Planungskosten und der Erlöse durch den späteren Verkauf der Grundstücke – die CDU geht von einem von der Verwaltung kalkulierten Quadratmeterpreis von 170 Euro aus – würde eine Teilbebauung ein Minus von zwei Millionen Euro einfahren; selbst eine Gesamtbebauung käme noch auf einen Verlust von etwa einer Million Euro.

„Die Verwaltung kalkuliert an dieser Stelle anders", gibt Birgit Ernst zu. Sie würde etwa die gesamten Entwässerungskosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro im Wirtschaftsplan des Abwasserwerks verorten. Preissteigerungen habe die Verwaltung allerdings bereits einkalkuliert: Die 4,5 Millionen Euro, die seit Jahren für den Blotenberg im Haushalt stehen, seien dort geblieben, obwohl die Planung mit viel weniger Grundstücken deutlich abgespeckt wurde.

„Wir haben lange diskutiert, wie wir nun reagieren sollen, und uns ist nur eine Lösung eingefallen", sagt Birgit Ernst: „Wir werden beantragen, die Bebauung des Blotenbergs zu stoppen. Alles andere wäre nicht zu rechtfertigen." Wann die CDU den Antrag stellt, ob im Planungsausschuss am nächsten Dienstag oder erst im Hauptausschuss am 12. Februar, will sie noch abstimmen.

„Es ist noch nicht zu spät, die Reißleine zu ziehen"

„Es ist unglücklich, dass wir unseren ersten Antrag zur Teilbebauung und damit Rettung des Haushalts öffentlich gemacht haben, bevor wir den Termin im Rathaus hatten", gibt Birgit Ernst zu. Allerdings hätte sie niemals gedacht, dass so ein Ergebnis dabei herauskommen würde. „Uns war zwar bewusst, dass der Blotenberg teuerer würde." Dass die Summen allerdings derart aus dem Ruder laufen, damit hätte sie nicht gerechnet. „Sonst hätten wir die Presse am Mittwoch gar nicht eingeladen."

Bei allem Hin und Her sieht Birgit Ernst trotzdem etwas Positives: „Es ist noch nicht zu spät, die Reißleine zu ziehen. Wer dann dennoch dem Blotenberg sein Okay gibt, muss die Ausgaben vor dem Steuerzahler verantworten."

Kommentar: Weniger ist mehr

Vor zehn Jahren wurde der Blotenberg erstmals als Baugebiet ins Gespräch gebracht, und genau so lange wird in Werther über ihn gestritten. Doch nie stand er mehr auf der Kippe als in diesen Tagen; obwohl seine Gegnerschaft schon immer zahlreich war. CDU, Grüne und nicht zuletzt die Bürgerinitiative Blotenberg sprechen sich seit langem gegen eine Bebauung des Areals aus. Jetzt sieht es so aus, als ob ihre Forderung Gehör finden könnte – wegen zu hoher Kosten, wie die CDU errechnet hat.

Und es gibt nur eine, die diesem Argument etwas entgegenzusetzen hätte: Die Familie von Grundeigentümer Wilhelm Overbeck. Wenn sie von dem mit der Stadt vereinbarten, nicht näher benannten Kaufpreis abrücken und sich mit weniger Geld zufrieden geben würde, könnten die Verluste aufgefangen werden. Ganz auszuschließen wäre dieser Schachzug nicht. Denn selbst wenn sie beim Verkauf als Bauland Abstriche machen würde, bekäme sie immer noch mehr Geld als für eine landwirtschaftliche Fläche.

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