Stadtbibliothek Werther rüstet sich für die Zukunft

Das Bücherhaus reagiert auf ein sich änderndes Leseverhalten ihrer Kunden und will sich neu aufstellen. Das bedeutet die Anschaffung neuer Medien und ein neues Raumkonzept

Anja Hanneforth

Hier soll sich bald einiges ändern: Nicht mehr nur Bücher, sondern immer mehr andere Medien gehören zum Grundstock der Stadtbibliothek. Das macht eine Neugestaltung der Räume nötig, die auch mehr Aufenthaltsqualität schaffen soll. - © Anja Hanneforth, HK
Hier soll sich bald einiges ändern: Nicht mehr nur Bücher, sondern immer mehr andere Medien gehören zum Grundstock der Stadtbibliothek. Das macht eine Neugestaltung der Räume nötig, die auch mehr Aufenthaltsqualität schaffen soll. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. 1994, also vor 25 Jahren, öffnete die Stadtbibliothek im Haus Werther ihre Türen. Optisch hat sie sich seit dieser Zeit kaum verändert. Irgendwann wurden die vormals feststehenden Regale auf Rollen gestellt, das schwarze Sofa angeschafft, die Computerstationen installiert. Viel mehr ist nicht passiert. Wenn also das Haus weiter Bestand haben, an Attraktivität zulegen, sich neuen Kunden öffnen, eben noch mehr als bisher ein lebendiger Ort der Begegnung werden soll, braucht es ein neues Raumkonzept. Weil, und das nennt Leiterin Susanne Damisch als Auslöser aller Überlegungen, sich auch das Ausleihverhalten der Kunden geändert hat. Statt Büchern erobern immer mehr neue Medien das Haus. „Und darauf müssen wir reagieren“, betont sie.

Alles wie immer: Seit 25 Jahren befindet sich der Tresen an genau der gleichen Stelle – nicht zwingend die beste, finden die Mitarbeiterinnen Sabine Butenuth (links) und Eva Bloss-Vögler. - © Anja Hanneforth, HK
Alles wie immer: Seit 25 Jahren befindet sich der Tresen an genau der gleichen Stelle – nicht zwingend die beste, finden die Mitarbeiterinnen Sabine Butenuth (links) und Eva Bloss-Vögler. (© Anja Hanneforth, HK)

Früher war die Sache einfach. Da bestand eine Bibliothek im Wesentlichen aus Bücherregalen. Doch die Bücher haben Konkurrenz bekommen. Durch Online-Ausgaben, aber auch komplett andere Medien wie Tonies, Tiptoi-Stifte oder ganz aktuell switch-Konsolenspiele muss sich auch deren Präsentation ändern. „Und wir wollen diesen Weg mitgehen, das ist uns ganz wichtig“, betont Susanne Damisch. Sie begreife es als originäre Aufgabe der Stadtbibliothek, solche Dinge vorzuhalten und den Kunden – egal ob alt oder jung – anzubieten. Nicht erst dann, wenn sich ein Trend etabliert hat, sondern schon vorher. „Nur dann bleiben wir für die Leser attraktiv.“

Und lesen: das sei nach wie vor der Grundstein der Bibliothek. „Und wird es immer bleiben.“ Aber um erfolgreich zu sein, reiche es nicht, den Status quo zu erhalten. „Wir müssen uns weiterentwickeln, zu den bestehenden Kunden weitere hinzugewinnen.“ Nicht nur Kinder und Jugendliche, „da sind wir gut aufgestellt“, sondern auch die Älteren.

Neues Konzept soll visionär, aber machbar sein

Aber wie kann das gelingen? In einer umfangreichen Fortbildung, das 25-jährige Bestehen des Hauses in diesem Jahr fest im Blick, haben Susanne Damisch und ihre Kollegin Eva Bloss-Vögler in den vergangenen Monaten neue Ideen gesammelt, Handlungsempfehlungen bekommen und gelernt, sich auch selbst zu hinterfragen.

„Wir mussten erst einmal unsere eigenen Ziele kennen, bevor wir uns auf den Weg machen konnten“, beschreibt Susanne Damisch. Eine wichtiger Meilenstein war, Visionen zu entwickeln – nicht so visionär, dass sie nicht zu realisieren sind, sondern ambitioniert, aber machbar. So soll die Stadtbibliothek ein offenes Haus für alle Menschen sein, ein lebendiger Ort des Ausprobierens, an dem Kommunikation und Kultur stattfindet. Lesungen für Erwachsene, Puppentheater für Kinder, Ideen gibt es viele.

Die auch nicht alle gleichzeitig umgesetzt werden sollen, sondern schrittweise. So reicht das Bibliothekskonzept, das Susanne Damisch und Eva Bloss-Vögler erarbeitet haben, bis ins Jahr 2024. Dazu gehören auch ganz praktische Dinge wie die Einrichtung barrierefreier Arbeitsplätze, eine Optimierung der WLAN-Kapazität und eine mögliche Ausweitung der Öffnungszeiten auf den Samstagvormittag.

Förderantrag soll im November gestellt werden

Zentraler Punkt ist allerdings das neue Raumkonzept, das sowohl inhaltlich wie optisch große Veränderungen bringen wird – in dem bestehenden Rahmen. „Denn mehr als die 353 Quadratmeter Nutzfläche werden wir wohl nicht bekommen.“

Wie das Konzept aussehen soll, muss in diesem Jahr erarbeitet werden. Der Tresen an anderer Stelle, das Mobiliar samt Regalen optimiert und für die Präsentation neuer Medien geeignet, eine Sitzgruppe abseits des unruhigen Eingangsbereichs, plus Einigem mehr – wenn die Politik mitgeht. Denn dafür braucht es Geld, selbst wenn ein Teil durch Fördermittel finanziert wird.

Wenn es grünes Licht gibt, soll das Konzept so konkretisiert werden, dass im November der Förderantrag gestellt werden kann. Im kommenden Jahr könnte dann die Umgestaltung beginnen, die sich voraussichtlich über zwei Jahre hinzieht. „Denn Ziel muss es sein, unser Haus an so wenigen Tagen wie möglich zu schließen.“ Auch das im Hinblick einer zukunftsweisenden Stadtbibliothek.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.