Vor Gericht: Nach dem Unfall zückt der Vater das Messer

Unfall hat Nachspiel: Das Haller Amtsgericht verhängt sieben Monate Haft auf Bewährung und 4.000 Euro Strafe für den Angriff

Herbert Gontek

Urteil: Sieben Monate Haft auf Bewährung sowie 4.000 Euro Geldstrafe gab es für den tätlichen Angriff. - © Wolfgang Rudolf
Urteil: Sieben Monate Haft auf Bewährung sowie 4.000 Euro Geldstrafe gab es für den tätlichen Angriff. (© Wolfgang Rudolf)

Werther. Ein lapidarer Rechts-vor-links-Unfall in Häger endete im vergangenen Jahr im November mit einer gefährlichen Körperverletzung. Der Vater der jungen Frau, die den Unfall verursacht hatte, zog plötzlich ein Einhandmesser, griff damit einen Bekannten der anderen Unfallbeteiligten an und verletzte ihn mit dem Messer am Hals. Gestern wurde die Angelegenheit juristisch am Haller Amtsgericht aufgearbeitet. Sieben Monate Haft auf Bewährung und 4.000 Euro Geldstrafe hielt Richterin Johanna Horstmann für eine angemessene Strafe.

Der 55-jährige Angeklagte schilderte vor Gericht seine Version des Vorfalls. Vier Monate vor diesem Unfall sei er mit seiner Familie verunfallt und in den Wagen eingeschlossen worden. Das habe bei seiner Tochter seelische Spuren hinterlassen. Als sie nun unmittelbar vor der Wohnung in Häger verunglückte und dann noch ihre Tür nicht öffnen konnte, sei sie von den Ereignissen wieder eingeholt worden.

Er sei zur Unfallstelle gelaufen und habe sie im Schock vorgefunden. Als er vom später eintreffenden Bekannten der Unfallgegnerin bedroht worden sei, habe er in der Not das Messer gezogen. Es handele sich um ein Notmesser zum Kappen von Sicherheitsgurten, das er seit dem eigenen Unfall bei sich trage. Es tue ihm leid, den Mann damit am Hals verletzt zu haben.

Täter-Version wird als unglaubwürdig eingestuft

Seiner Version widersprachen allerdings alle anderen Zeugen. Die Unfallgegnerin schilderte ihre Version. „Ich habe mich gewundert, dass die Unfallfahrerin nicht aus dem Auto ausstieg, sondern nur telefonierte. Als ihr Vater auftauchte und mich sofort der Raserei bezichtigte, habe ich die Polizei angerufen. Später meinen Freund, weil ich allein keine Chance sah, mit dem aufgebrachten Mann klar zu kommen", sagte sie vor Gericht.

Der Freund kam zur Unfallstelle und mit ihm sein Vorarbeiter. Laut den Aussagen der Unfallgegnerin, deren Freundes und des Vorarbeiters ging Letzterer zu dem aufgebrachten Vater und wollte ihn zur Ruhe bewegen. Das Gegenteil trat offenbar ein. Der Angeklagte stieß ihn weg und zückte schließlich das Einhandmesser. Kurze Zeit später traf das Polizeiteam ein und beendete das Szenario.

Die Staatsanwältin drohte der Tochter des Angeklagten ein Verfahren wegen Falschaussage an. Vater und Tochter hätten eine einstudierte Aussage vorgetragen. Anders die Gegenseite, sie habe mit den Ungenauigkeiten des jeweiligen Standortes und der menschlichen Einschätzung eine glaubhafte Situation geschildert.

Der Verteidiger des Angeklagten verlangte Freispruch. „Aus der Sicht meines Mandanten war das Notwehr. Er hat sich subjektiv bedroht gefühlt." Dem folgte das Gericht nicht.

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