Baugebiet Blotenberg mit großen Klärungsbedarf

Baugebiet Blotenberg: Statt eines erwarteten Sachstandsberichts über die Eingaben im Bebauungsplanverfahren müssen die Politiker von weiteren Problemen erfahren

Anja Hanneforth

Unstimmigkeiten reißen nicht ab: Nach neueren Problemen soll nun Anfang kommenden Jahres die Politik über den Bebauungsplan Blotenberg als Satzung entscheiden. - © Anja Hanneforth
Unstimmigkeiten reißen nicht ab: Nach neueren Problemen soll nun Anfang kommenden Jahres die Politik über den Bebauungsplan Blotenberg als Satzung entscheiden. (© Anja Hanneforth)

Werther. Die Emotionen während der jüngsten Debatte um den Bebauungsplan Blotenberg kochten hoch – und zwar mit Anlauf. Von „Falschinformationen" war die Rede, von einer „Witznummer", und wie es überhaupt sein könne, dass in den vergangenen zwei Jahren kein einziges Mal von den Problemen die Rede war, die jetzt „wie selbstverständlich" genannt wurden: Regenrückhaltung und Ausgleichsmaßnahmen, beides Dinge, bei denen es laut Planerin Tanja Schrooten noch Klärungsbedarf gibt. Die parteiübergreifende Verwunderung darüber bescherte sowohl ihr als auch der Verwaltungsspitze eine unbequeme halbe Stunde.

»Sachstandsbericht Wohngebiet Blotenberg« war der Tagesordnungspunkt im Ausschuss am Dienstagabend überschrieben. Die Politik – nach den Redebeiträgen zu urteilen jede einzelne Fraktion – erwartete einen Zwischenbericht zu den 250 Eingaben, die im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung im Rathaus eingegangen waren. Was sie hörte, war etwas ganz anderes: Wie und vor allem wo man die Regenrückhaltung für die versiegelten Flächen und die Ausgleichsmaßnahmen anlegen kann. Tanja Schrooten berichtete von einfachen oder ökologisch hochwertigen Lösungen, von der Einbeziehung der Regenrückhaltung am neuen Busbahnhof, von einem „Masterplan Entwässerung". Von den Eingaben der Bürger keine Spur.

„Habe ich das richtig verstanden?", wollte CDU-Fraktionschefin Birgit Ernst mit deutlich verärgertem Unterton wissen. „Die Einwendungen von Anfang 2017 sind immer noch nicht abschließend bearbeitet? Das ist ein Witz! Seit zwei Jahren warten wir jetzt darauf, dass uns etwas vorgelegt wird. Mehrfach haben wir und andere Fraktionen nachgefragt, immer wurde uns gesagt, die Eingaben seien in Bearbeitung. Das ist doch kein Spaß hier! Und jetzt ist auf einmal von ganz neuen Problemen die Rede, die Sie nie angesprochen haben. So geht das nicht! Ich bin fassungslos!"

Sie stellte den Antrag, die Verwaltung solle zum nächsten Planungsausschuss eine detaillierte Auflistung der Einwendungen mit einem entsprechenden Sachstand darlegen. „Und auf keinen Fall will ich jemals wieder hören, die CDU würde irgendetwas blockieren!"

„So können Sie die Dinge doch nicht blockieren!"

Auch Reinhard Kreft (UWG) zeigte sich erheblich verärgert: Er habe unter dem Tagesordnungspunkt etwas ganz anderes erwartet, „mir stellt sich die Frage, ob uns die Verwaltung hier etwas vorenthalten hat. So können Sie die Dinge doch nicht blockieren!" Parteikollege Tobias Weinhorst sparte ebenfalls nicht an Kritik: „Das ist richtig sch... gelaufen. Wir haben immer wieder öffentlich und nichtöffentlich nachgefragt; eine Abwasser- und Ausgleichsproblematik ist kein einziges Mal kommuniziert worden!"

Rainer Mühl (Grüne) verwunderte überdies: „Ich entwickle doch kein Baugebiet und weiß bis heute nicht, wie ich das Regenwasser da rauskriege – das kann nicht sein!" Bei 250 Eingaben könne man überdies erwarten, mal eine Info seitens der Verwaltung zu erhalten.

Sowohl Bürgermeisterin Marion Weike als auch Planerin Tanja Schrooten konnten die Verärgerung der Politik nicht nachvollziehen. Man sei im Rathaus nicht untätig gewesen, und ein Bebauungsplan ließe sich eben erst zur Rechtskraft bringen, wenn der Ausgleich geklärt ist. „Wir dachten, er könnte im Gebiet selbst erfolgen, doch wie sich herausstellte, fehlte ein Stück", so Weike.

Anfang kommenden Jahres soll nach ihrer Aussage der Politik die Vorlage zum Satzungsbeschluss für das Baugebiet vorgelegt werden – mit genauen Angaben zur Regenrückhaltung, zu Ausgleichsflächen und den Bewertungen der Einwendungen.

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