Radfahrer benoten ihre Stadt

Fahhradklimatest: Werther lässt erstmals schriftlich ein Meinungsbild erstellen. Bis zum 30. November kann sich jeder daran beteiligen

Ekkehard Hufendiek

Wie fahrradfreundlich ist Werther?: 32 Fragen sollen entweder auf einem Fragebogen oder online beantwortet werden. Die Auswertung wird veröffentlicht und kann der Stadt bei der Verbesserung ihrer Fahrrad-Infrastruktur helfen. - © imago/Westend61
Wie fahrradfreundlich ist Werther?: 32 Fragen sollen entweder auf einem Fragebogen oder online beantwortet werden. Die Auswertung wird veröffentlicht und kann der Stadt bei der Verbesserung ihrer Fahrrad-Infrastruktur helfen. (© imago/Westend61)

Werther. Ist Radfahren in Werther Stress oder nicht? Wer sich auf seinem Sattel über das Rumpelpflaster in der Innenstadt ärgert oder genervt ist von drängelnden Autofahrern auf der Ravensberger Straße, der kann sich jetzt Luft verschaffen – zumindest schriftlich. Denn der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat den Fahrradklimatest ins Leben gerufen und führt ihn mittlerweile zum achten Mal durch. Unterstützt wird der ADFC dabei vom Bundesverkehrsministerium.

32 Fragen in zehn Minuten

Erstmals stellt sich auch die Stadt Werther dem Urteil ihrer Bürger. Dabei wird sie unterstützt vom Klimastammtisch, dessen Hauptanliegen schon lange die Verbesserung der Mobilität ist. „Die Stadt ist aktiv", betont die Klimamanagerin Annika Nagai. „Wir möchten das Thema in die Bevölkerung tragen", sagte sie gestern beim Pressetermin im Rathaus. Hintergrund der Frageaktion sei, dass die Stadt den Anteil der Fahrräder am Gesamtverkehr steigern möchte und dabei auf die Erfahrung der Wertheraner Radfahrer setzt. „Es geht uns nicht so sehr um die Bewertung", sagt Annika Nagai. Vielmehr könne die Stadt mit Hilfe des ADFC-Fahrradklimatestes die Situation der Radfahrer gezielter verbessern.

Die Fragen im Fahrradklimatest lauten zum Beispiel so: Werden die Fahrradwege häufig geräumt oder eher selten? Fühlt man sich in der Böckstiegelstadt beim Radfahren sicher oder nicht? Der Schwerpunkt der Befragung liegt in diesem Jahr bundesweit auf der Familienfreundlichkeit des Radverkehrs, dem die Initiatoren mit fünf Zusatzfragen gerecht werden wollen. Eine fragt ab, ob man selbst Kinder im Grundschulalter ohne schlechtes Gewissen allein Rad fahren lassen kann. Alle 32 Fragen lassen sich in etwa zehn Minuten beantworten. Dabei muss der Befragte Kreuze auf einer Skala von eins bis sechs machen.

Damit ein aussagekräftiges Ergebnis erreicht wird, müssen in Werther mindestens 50 Personen mitmachen. Erst dann veröffentlicht der ADFC ein Ergebnis. Bislang haben in Werther laut Ekkehard Härtel, vom Klimastammtisch zehn Personen ihre Antworten eingereicht. In der Nachbarstadt Halle hingegen liegt die Beteiligung schon jetzt bei 92 Personen, berichtete erfreut das Vorstandsmitglied vom ADFC im Kreisverband Gütersloh, Andreas Kronier.

Online- sowie Papierfragebögen sind möglich

Die ausgefüllten Fragebogen, auf Papier oder online, sammelt der ADFC in Berlin und wertet sie aus. Unter der Internetadresse www.fahrradklima-test.de finden die Teilnehmer ab März 2019 die Ergebnisse. Werther bekommt dann für sein Fahrradklima eine einstellige Zahl mit einer Ziffer zugewiesen – wie eine Schulnote.

In der Vergangenheit haben zum Beispiel Münster, Freiburg und Wuppertal bei der Umfrage vordere Plätze belegt. Andreas Kronier, der fast ausschließlich mit dem Fahrrad unterwegs ist, schwärmt indes vom Fahrradklima in Kopenhagen: „Der Radverkehr hat dort Vorrang in der Stadt." Zwei Personen könnten dort problemlos nebeneinander herradeln.

Info
Der Fahrradklimatest

Der Test findet alle zwei Jahre statt und soll den Städten und Gemeinden Hilfestellung bei der Verbesserung ihrer Infrastruktur geben. Die Erfassung erfolgt seit 2014 in vier Städtegrößenklassen: unter 50.000 Einwohner, zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern, zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern und mehr als 200.000 Einwohner.

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