Problem Kalkwasser: Luken am Filter für Handwerker zu klein

Kerstin Spieker

Total verkalkt: 150 solcher PVC-Düsen sollten am Boden eines jeden der drei Filtertanks für Durchlüftung sorgen. Die Teile aus den späten 70ern waren aber unter Ablagerungen verschwunden und arbeiteten wohl schon länger nicht mehr. - © Kerstin Spieker, HK
Total verkalkt: 150 solcher PVC-Düsen sollten am Boden eines jeden der drei Filtertanks für Durchlüftung sorgen. Die Teile aus den späten 70ern waren aber unter Ablagerungen verschwunden und arbeiteten wohl schon länger nicht mehr. (© Kerstin Spieker, HK)

Werther. Er kam, sah und traute seinen Augen kaum. So ging es am Montagmorgen wohl einem Mitarbeiter der Fachfirma, die sich auf Bitten der Stadt Werther die Filtertanks an der Wasseraufbereitungsanlage Brunnen Kök anschaute. Die Firma soll die Beschichtung in den Stahlbehältnissen erneuern. Soweit kein ungewöhnlicher Auftrag. „Aber die 40 Zentimeter großen Einstiegsluken entsprechen nicht mehr dem Arbeitsschutz-Standard. Da darf eigentlich gar keiner mehr reinklettern", berichtete Volker Kahmann, technischer Leiter des Wertheraner Wasserwerks, auf HK-Anfrage über das Gespräch.

Video


Seit Ende August ist die Filteranlage am Brunnen Kök außer Betrieb. Seither bringen Wasserhärtegrade von bis zu 30 die Wertheraner schier zur Verzweiflung. Unter gesundheitlichen Aspekten ist das kühle Nass zwar in Ordnung. Für viele, deren Kaffeemaschine aufgibt oder deren Wasch- und Spülmaschinen nach Bergen von Zusätzen verlangen, ist das Wasser in der jetzigen Qualität dennoch ein Ärgernis.

„Daran hat vor 40 Jahren wohl niemand gedacht"

Liefe alles korrekt, so würde das Wasser aus den Brunnen Kök und Temming an der Brunnenstraße zusammengeleitet, entkalkt und gefiltert, bevor es in das 90 Kilometer lange Wertheraner Trinkwasserleitungsnetz geht. Nachdem jedoch ein Bestandteil der Entkalkungsanlage ausgetauscht wurde, gab es nach und nach eine Reihe von kleineren und größeren Störungen in der nachgeschalteten Filteranlage aus den späten 1970ern. Bis am Ende die drei im Inneren total verkalkten Tanks ganz abgeschaltet werden mussten.

Die Stahlbehälter sind inzwischen geleert und auch die groben gesteinsbrockenartigen Ablagerungen im Inneren weitestgehend entfernt. Jetzt allerdings stockt die Ertüchtigung der Anlage. Denn die Beschichtung innerhalb der Tanks muss erneuert werden. Volker Kahmann war angesichts der engen Terminpläne aller in Frage kommenden Fachfirmen bereits der Verzweiflung nahe. Daher stimmte ihn die angekündigte Objektbesichtigung auch vorsichtig optimistisch.

Das hatte sich dann aber schnell erledigt. Verpflichten könne er keinen seiner Beschäftigten, durch eine solche Luke zu steigen, hatte der Firmenvertreter wohl signalisiert. Jeder Mitarbeiter, der dazu bereit sei, müsse eine schriftliche Erklärung auf Freiwilligkeit abgeben. Und was dann möglich ist, bleibt abzuwarten. Denn die ausführenden Mitarbeiter sehen aus wie Astronauten, wenn sie ihre Arbeit verrichten. Ein Anzug schützt sie vor herumfliegendem Staub, Dreck und Lackresten, die bei der Säuberung von der Innenseite der Tanks gelöst werden. Erst dann wird beschichtet. „Daran hat vor 40 Jahren wohl niemand gedacht", so Volker Kahmann.

Wie genau die Mitarbeiter in ihren Schutzanzügen zwischen Außenmauer der Einhausung und der Außenhaut der Tanks durch die Luken in das Innere der Behälter gelangen sollen und dann auch wieder hinaus, weiß auch Volker Kahmann noch nicht. Das Unternehmen wolle sich aber um eine Lösung bemühen. Einen Zeitplan dazu gab es aus verständlichen Gründen nicht ab.

Die Erweiterung der Einstiegsluken ist keine Option

Die Außenhaut aufzuschneiden und die Einstiegsluken auf die aktuell vorgeschriebenen 60 Zentimeter zu vergrößern, sei keine Option, so Kahmann. „Der Bereich im Tank wäre dann immer eine Schwachstelle und würde immer Probleme bereiten", ist er sicher. Mit der Beschichtung ist die Erneuerung der Anlage nicht abgeschlossen. Danach müssen am Boden eines jeden Tanks noch je 150 neue Düsen eingeschraubt werden.

Bis allerdings die Filteranlage wieder läuft, bleibt das gerade erst für rund 200.000 Euro aufgerüstete Entkalkungsmodul ungenutzt. Geld, dass sich der Wasserversorger über den Gebührenhaushalt von den Bürgern zurückholen wird. Darin sieht Betriebsleiter Rainer Demoliner kein Problem. „Die Abschreibung beginnt erst, wenn die Anlage auch läuft, und verlängert sich somit um die Zeit des Stillstandes nach hinten. Rechnerisch erfährt der Verbraucher also keinen Nachteil", betonte er. Und Bürgermeisterin Marion Weike fügte hinzu: „Irgendwann wird das hier ja auch wieder laufen, und dann profitieren unsere Kunden von der Anschaffung."

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.