Politik in Werther setzt auf Masterpläne in Sachen Klimaschutz

Kerstin Spieker

Kurz vor 40 Grad Celsius: Hitze ist eine Folge des Klimawandels. Werthers Lokalpolitik will nun Expertisen auf den Weg bringen. - © dpa
Kurz vor 40 Grad Celsius: Hitze ist eine Folge des Klimawandels. Werthers Lokalpolitik will nun Expertisen auf den Weg bringen. (© dpa)

Werther. „Fünf Jahre nachdem wir hier in Werther die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes auf die Agenda gesetzt haben, sind wir jetzt bei der Anpassung an den Klimawandel." Johannes Lindemann von der SPD gab sich im Wertheraner Klimaschutzausschuss selbstkritisch bis resigniert. Es sei schwer, die Bürger für den Klimaschutz zu begeistern. Und auch in der realen Politik habe das Klimaschutzkonzept wenig Beachtung gefunden. Dass man zum Thema Klimaschutz trotz der erkennbaren Dringlichkeit unterschiedliche Ansätze haben kann, das zeigte die jüngste Ausschusssitzung dann.

Jan-H. Sussieck - © Christina Lux
Jan-H. Sussieck (© Christina Lux)

So fanden sich mit den Vorschlägen, die »Anpassung an den Klimawandel« und die »Klimafreundliche Mobilität« als Klimaschutzteilkonzepte mit Hilfe externer Expertise aufzuarbeiten, gleich zwei viel diskutierte Punkte auf der Tagesordnung. Jeweils 80.000 Euro sollen die beiden Teilkonzepte kosten. Anträge auf je 50 Prozent Förderung will Werther stellen. „Insgesamt sprechen wir hier von 160.000 Euro Steuergeldern, die ausgegeben werden, um Papier damit vollzuschreiben, was man für den Klimaschutz tun könnte. Effektiv passiert ist dadurch noch nichts", kritisierte Jan-Holm Sussieck von der FDP.

Dagegen hielt Werthers Umweltbeauftragter Werner Schröder ein flammendes Plädoyer für die Projekte. „Von Werther ginge ein Signal aus. Lassen Sie uns das doch einfach machen und das Geld in die Hand nehmen! Heilen ist viel teurer als vorzusorgen", sagte er. Er stelle die Wichtigkeit des Themas an sich ja nicht in Frage, entgegnete Sussieck . „Wir fragen uns aber, warum die Verwaltung das nicht selber macht." Die Antwort kam prompt von Schröder wie Bürgermeisterin Marion Weike : „Weil wir das nicht können."

Auto wird in Werther überdurchschnittlich oft benutzt

„Ich glaube nicht, dass wir Informationen bekommen werden, die uns das Geld am Ende wert sind", blieb Sussieck bei seiner ablehnenden Haltung. Und auch Karl-Hermann Grohnert von der CDU gab sich kritisch: „Glaubt ihr, damit kriegt ihr einen mehr aufs Fahrrad?"

Ursprünglich bildeten die beiden Themenkomplexe Mobilität und Klimawandelanpassung zwei getrennte Tagesordnungspunkte. Dass die Diskussionen darum sich vermischten, wundert angesichts der Nähe beider Thematiken nicht. Umweltbeauftragter Schröder allerdings zog inhaltlich eine trennscharfe Linie.

Für die Anpassung an den Klimawandel nannte er unter anderem die menschliche Gesundheit. Darunter fallen die Übertragung bisher in unseren Breiten wenig gesehener Erkrankungen ebenso wie um naheliegende Fragen wie die Versorgung alter Menschen bei extremer Hitze. Um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten ist an Kooperationen mit Ärzten, Alteneinrichtungen und anderen Akteuren gedacht. Auf der Liste stehen auch der Erhalt der biologischen Vielfalt, die Landwirtschaft sowie die Hydrologie.

Werner Schröder - © Detlef Hans Serowy, HK
Werner Schröder (© Detlef Hans Serowy, HK)

Was die klimafreundliche Mobilität angeht, so findet sich in der Vorlage der Verwaltung eine ernüchternde Einschätzung. Danach zeigte eine Erhebung zur Verkehrsmittelwahl, dass das Auto in Werther im Vergleich zu anderen Kommunen im Kreisgebiet überdurchschnittlich häufig genutzt wird. Das Fahrrad entsprechend weniger. Die Verwaltung geht davon aus, dass sich in der Tendenz nicht viel verändert hat.

Info
Kurvendiskussion beim Verbrauch

Weitere Themen auf der Agenda des Ausschusses waren der Energiebericht der Stadt Werther sowie die Mitgliedschaft im Zukunftsnetz Mobilität NRW. Letztere sei kostenfrei und ein ergänzendes, hilfreiches Mittel auf dem Weg zur klimafreundlicheren Mobilität in der Stadt, argumentierte die Verwaltung. Entsprechende Zustimmung fand die Antragstellung auf Mitgliedschaft.

Weniger Begeisterung kam angesichts des Energieberichtes auf. Er zeigt die verbrauchen Mengen Gas, Strom und Wasser in den städtischen Immobilien auf. Fast überall wurden in den vergangenen Jahren energetische Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. „Ja, die Verbräuche sind reduziert, aber nicht signifikant", fasste es Johannes Lindemann (SPD) zusammen. Bürgermeisterin Marion Weike erklärte, dass die Kurve grundsätzlich bei den Verbräuchen nach unten zeige. Manche Maßnahme müsse vielleicht auch noch greifen. „Wir werden da intensiv darauf schauen", versprach sie.

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