Windradgegner zeigen Flagge

Anja Hanneforth

Gut besucht: Zahlreiche Windradgegner waren am Dienstagabend ins Rathaus gekommen, um der Entscheidung der Stadt beizuwohnen. Darunter auch Mitglieder und der Vorstand des Vereins »Lebensraum Häger« mit – vordere Reihe, von links: Kassenwartin Inge Holste, Schriftführerin Elisabeth Wöhrmann-Klekamp, Vorsitzender Helmut Althoff und sein Stellvertreter Markus Klekamp. - © Anja Hanneforth, HK
Gut besucht: Zahlreiche Windradgegner waren am Dienstagabend ins Rathaus gekommen, um der Entscheidung der Stadt beizuwohnen. Darunter auch Mitglieder und der Vorstand des Vereins »Lebensraum Häger« mit – vordere Reihe, von links: Kassenwartin Inge Holste, Schriftführerin Elisabeth Wöhrmann-Klekamp, Vorsitzender Helmut Althoff und sein Stellvertreter Markus Klekamp. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. Diesen Fall gibt es vermutlich kein zweites Mal in Deutschland: Wenn für eine genau definierte Fläche ein Bebauungsplan existiert, und neben dieser ein Windrad errichtet werden soll, und wenn dann – aber nur in bestimmter Windrichtung – einer der Flügel 25 Meter in den virtuellen Geltungsbereich dieses Bebauungsplans hineinragen würde, für den aber eine Höhenbegrenzung von 80 Metern gilt, ist es dann rechtlich zulässig, das Windrad überhaupt zu genehmigen?

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Mit dieser Frage befassen sich seit Monaten die Genehmigungsbehörden. Am Dienstag war der Planungsausschuss der Stadt an der Reihe. Seine Mitglieder brauchten allerdings nicht lange, um mit großer Mehrheit ihr gemeindliches Einvernehmen zu versagen.

Die Krux mit der Windkraft wurde jetzt im Ausschuss einmal mehr deutlich: Im Grunde sind alle Politiker Befürworter der regenerativen Energiegewinnung – nur eben nicht dann, wenn wie an der Holzstraße gleich eine Reihe von Häusern weniger als 600 Meter vom Windriesen entfernt liegen.

"Lebensraum Häger" ist die Gesamthöhe der Anlage ein Dorn im Auge

Vor allem die Gesamthöhe der geplanten Anlage von 200 Metern war es, die die Anwohner und Mitglieder des Vereins »Lebensraum Häger« auf den Plan rief. Sie waren am Dienstag mit rund 35 Vertretern ins Rathaus gekommen, um mit ihrer Anwesenheit deutlich zu machen, was sie von dem Bauvorhaben halten. Rederecht bekamen sie an diesem Abend keines, forderten es allerdings auch nicht ein.

Und obwohl der Ausschuss sein gemeindliches Einvernehmen versagte, verließen sie nicht wirklich zufrieden das Rathaus. Denn eigentlicher Entscheidungsträger ist in diesem Fall die Bauabteilung des Kreises Gütersloh, und die hat bereits grünes Licht für die Errichtung der Anlage gegeben. Notfalls, das wurde aus Gütersloh kommuniziert, werde sie das Votum aus Werther überstimmen. Dass ein Flügel in den Geltungsbereich des Bebauungsplans hineinragt, erachtet die Behörde als nicht gerichtsfest.

„Bau von Windrädern muss mit Verstand erfolgen"

Auch wenn die Mehrheit am Dienstag also Nein zum Windrad an der Holzstraße sagte, war die Anlage keineswegs für alle Politiker ein rotes Tuch. Man habe viel Geld und Energie in das Klimaschutzkonzept der Stadt gesteckt, argumentierten etwa Wolfgang Böhm (Grüne) und Johannes Lindemann (SPD). Wolle man die darin festgeschriebenen Klimaziele erreichen, ginge das nicht ohne ein zweites Windrad vor Ort.

Das sah Uwe Gehring (UWG) ganz anders, der zu Beginn der Sitzung eine persönliche Stellungnahme abgegeben hatte: Er sei ein großer Befürworter von Windenergie, Atom- und Braunkohlekraftwerke müssten schnellstmöglich abgeschaltet werden. „Aber der Bau von Windkraftanlagen muss mit Vernunft und Verstand erfolgen."

Seiner Ansicht nach sprächen mehrere Faktoren gegen ein Windrad an der Holzstraße: die geringe Windhäufigkeit, die zu hohe Bevölkerungsdichte und auch das Einsehen der Landesregierung, zukünftig größere Abstände zu Windrädern vorzuschreiben. „Sicher, dass die Flügel der Anlage in den Bebauungsplan hineinreichen, ist ein Zufall. Ich würde aber auch jeden anderen Strohhalm nutzen, um die Anlage an dieser Stelle zu verhindern oder zu verkleinern. "

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