Ehepaar fühlt sich übergangen

Claus Meyer

Um dieses Haus geht es: Auf rund 2.500 Quadratmetern liegt die Villa von Joachim Kürschner und Gabriele Funke-Kürschner an der Ravensberger Straße. - © Claus Meyer
Um dieses Haus geht es: Auf rund 2.500 Quadratmetern liegt die Villa von Joachim Kürschner und Gabriele Funke-Kürschner an der Ravensberger Straße. (© Claus Meyer)

Werther . Am Mittwoch ist Gabriele Funke-Kürschner auf der Straße in Werther angesprochen worden. Ihr Haus an der Ravensberger Straße 20, das sie zusammen mit ihrem Mann Joachim Kürschner bewohnt, sei Tagesordnungspunkt beim Ausschuss für Planen, Bauen und Umwelt. Mitgeteilt habe die Stadt ihr das nicht, sagt Gabriele Funke-Kürschner dem HK . Ihr Mann und sie als Hauseigentümer fühlten sich darüber hinaus im gesamten Verfahren um den Denkmalschutz ihres Hauses ein Stückweit von den Behörden übergangen. „Ich bin sehr betroffen", fasst Gabriele Funke-Kürschner zusammen.

Die Vorgeschichte: Ein Vertreter des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) hatte im Januar dieses Jahres das Haus auf Initiative der Stadt von außen begutachtet. Mit dabei war ein Vertreter der Stadt Werther. Nach der Inaugenscheinnahme stand für den LWL als beratende Instanz die Denkmalwürdigkeit fest. Ende Januar ging entsprechendes Schreiben der Behörde an die Stadt.

Von dem Besichtigungstermin im Januar wussten die Eheleute nach eigener Aussage nichts. Mit Schreiben vom 19. April erst wurden die Kürschners von der Stadt informiert, dass ihr Haus in die Denkmalliste aufgenommen werden soll. Ihnen wurde bis zum 1. August eine Frist zur Stellungnahme gegeben.

Im Juni kam es zu einem Gespräch im Rathaus, an dem Gabriele Funke-Kürschner, ein Freund ihrer Familie, Sarah Huxohl von der Stadt sowie zwei Vertreter des LWL teilnahmen. „Ein angenehmes Gespräch" sei das gewesen, sagt Funke-Kürschner im Rückblick. Wie aus der Ausschussvorlage zu entnehmen ist, sprach sie sich bei diesem Termin gegen die Unterschutzstellung des Hauses aus. Sie führte dabei auch an, dass das LWL-Gutachten nicht mehr korrekt sei, weil mittlerweile Umbauarbeiten im Innern des Hauses stattgefunden hätten.

„Aus wirtschaftlichen Gründen" wolle sie keine Aufnahme in die Denkmalliste, unterstreicht die Ehefrau gegenüber dem HK . Heißt: Ein möglicher Verkauf des Hauses könnte sich schwierig gestalten, wenn es den Denkmalstatus hat. Das nicht altersgerecht eingerichtete Haus sei schließlich – bei Verkauf – auch als Altersvorsorge zu sehen. Noch weitaus schwerer wiege jedoch ein zweites Argument. Joachim Kürschner wohnt seit seiner Jugend in dem Haus. Joachim Kürschners Vater hatte das Haus seit 1952 gemietet, hier eine Arztpraxis betrieben und mit seiner Familie dort gewohnt. 1969 hat Joachim Kürschner das Haus dann gekauft. Der Statiker hat es instandgehalten, Geld und viel Herzblut in das Domizil investiert. Nun ist Joachim Kürschner krank, die Situation belaste ihn nicht zuletzt deswegen außerordentlich, so seine Ehefrau.

Ein dritter Weg wäre aus Sicht des Ehepaars möglich gewesen

Dabei hätte es einen dritten Weg aus ihrer Sicht geben können: zum Beispiel, dass im Falle eines Verkaufs des Hauses vertraglich festgehalten wird, es nicht abzureißen. Denn sie und ihr Mann hätten großes Interesse daran, dass das Haus in seinem Zustand erhalten bleibt.

Hierin sind sich die Kürschners mit der Stadt einig. Aus Sorge vor einem Abriss, der 2016 durch einen möglichen Investor im Raum stand, hat die Stadt offenbar die LWL-Expertise beantragt. Gabriele Funke-Kürschner selbst wird am Dienstag den Ausschuss besuchen. Der beginnt um 18 Uhr im Rathaus.

Ob sie dann auch zu den Lokalpolitikern sprechen kann, ist allerdings noch nicht klar. Die Ausschussmitglieder müssten dafür einer Unterbrechung der Sitzung zustimmen. Bürgermeisterin Marion Weike sagt, „von Amts wegen" habe ihre Verwaltung die mögliche Unterschutzstellung aufgegriffen. Das entspricht Paragraf 3 des NRW-Denkmalschutzgesetzes. Man habe erst einmal überhaupt klären wollen, ob das Haus denkmalwürdig sei. Zum Ärger der Kürschners äußert sich Marion Weike auch. „Ich kann ihre Situation verstehen", sagt sie. Andere Lebensumstände wären sicherlich besser für das jetzige Verfahren gewesen. „Es ist auch klar, dass die Eigentümer immer sorgfältig mit dem Haus umgegangen sind." Die Verwaltung, da ist sich die Bürgermeisterin sicher, habe das Ehepaar nach der LWL-Expertise zumindest über das weitere Vorgehen in der Sache in Kenntnis gesetzt.

Begründet wird die Denkmalwürdigung vom LWL unter anderen damit, dass die Villa von 1933/34 „Leben und Wirtschaften eines Arztes einer Kleinstadt in der Umbruchzeit zwischen Weimarer Republik und nationalsozialistischem Regime deutlicher werden" lasse. Architekt war der 1901 geborene und später wegen seiner jüdischen Herkunft vor den Nazis geflohene Leopold Fischer.

Der Ausschuss stimmt über den Vorschlag der Verwaltung ab, das Haus in die Denkmalliste der Stadt aufzunehmen. Abschließend entscheidet der Rat am 20. September. Marion Weike betont, dass es schwierig wäre, gegen die Schutzstellung zu stimmen. „Ein Gericht würde die LWL-Expertise als begründet ansehen", ist sie sich sicher. Der Beurteilungsspielraum der Politik sei somit begrenzt.

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