Festakt zum Auftakt für das Böckstiegel-Museum

Anja Hanneforth,Nicole Donath

Festakt: Über 100 geladene Gäste – darunter Politiker, Verwaltungsbeamte und Kulturschaffende – wohnten Donnerstagabend der offiziellen Einweihung des Böckstiegel-Museums bei. - © Nicole Donath
Festakt: Über 100 geladene Gäste – darunter Politiker, Verwaltungsbeamte und Kulturschaffende – wohnten Donnerstagabend der offiziellen Einweihung des Böckstiegel-Museums bei. (© Nicole Donath)
Prüfender Blick: Zeit seines Lebens hatte sich Peter August Böckstiegel einen Ort für seine Kunst gewünscht. Jetzt ist das Museum, sein Museum, in Sichtweite zu seinem Elternhaus eröffnet.  - © Nicole Donath
Prüfender Blick: Zeit seines Lebens hatte sich Peter August Böckstiegel einen Ort für seine Kunst gewünscht. Jetzt ist das Museum, sein Museum, in Sichtweite zu seinem Elternhaus eröffnet.  (© Nicole Donath)

Werther. Es ist ein Abend der Superlative. Als sich die Tür vom Foyer in die Sammlung öffnet und die Gäste in das Allerheiligste treten dürfen, herrscht einen Moment Stille – und dann Staunen. „Ist ja irre!", kommentiert ein Besucher, „Diese Größe!", „Wow!", und schließlich: „Unglaublich!" Keiner unter ihnen, der von dem neuen Museum nicht begeistert wäre. „Ein Schatz für unsere Stadt", spricht Werthers Bürgermeisterin Marion Weike an diesem Abend wohl für viele.

110 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, der Stiftung, des Böckstiegel-Freundeskreises, Weggefährten der Böckstiegel-Kinder, Geldgeber, Planer, Nachbarn und Freunde sind gekommen, um dem langersehnten Ereignis beizuwohnen.

„Lassen Sie sich verböckstiegeln!“

26 Jahre liegen zwischen der Unterschrift unter den Erbvertrag und der Museumseröffnung. Was mit einem Versprechen des Kreises Gütersloh an die Böckstiegel-Kinder Vincent und Sonja begann – das Erbe ihres Vaters zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen – ist jetzt mit einem Ausrufezeichen eröffnet worden. Ein Ort für die Kunst, der sich vor den großen dieser Welt nicht zu verstecken braucht.

„Hier ist etwas Bedeutendes entstanden", sagt Landrat Sven-Georg Adenauer, über alle politischen Schranken hinweg, ein Bauwerk von großer ästhetischer Spannung, das eines klar zeige: Ein gelungener Ort für die Kunst müsse nicht Unter den Linden liegen und auch nicht auf einer Museumsinsel. „Die Schloßstraße Nummer 109 ist eine schöne Adresse."

Abends im Museum: Wie ein „Findling in der Obstwiese" präsentiert sich das Böckstiegel-Museum laut Architekt André Habermann, zudem punktuell illuminiert.  - © Foto: Nicole Donath
Abends im Museum: Wie ein „Findling in der Obstwiese" präsentiert sich das Böckstiegel-Museum laut Architekt André Habermann, zudem punktuell illuminiert.  (© Foto: Nicole Donath)

Findet auch Stiftungsvorsitzende Ursula Bolte: „Kann es einen idealeren Ort geben, um das Œuvre Böckstiegels zu zeigen?" Sie nennt das Museum einen „zu Stein gewordenen Generationenvertrag". Der Findling liege genau an der Stelle, an der Böckstiegel seine Staffelei aufgebaut und gemalt hat. „Wunderbar!"

Findling, das Wort hat Architekt Andé Habermann geprägt. Das Museum als Findling in einer Wiese, kein bauliches Pendant zum Böckstiegel-Haus, sondern ein Teil des Landschaftsraums. Er habe versucht, die richtige Antwort auf die Frage einer baulichen Aufgabe zu finden, sagt der Architekt. „Für mich macht es keinen Sinn, in einem historisierenden Stil zu bauen. Das Geburtshaus soll schließlich seine Alleinstellungsmerkmale behalten."

Schlüsselübergabe vor Publikum: Museumsdirektor David Riedel (links) und Architekt André Habermann stehen im Mittelpunkt. - © Anja Hanneforth, HK
Schlüsselübergabe vor Publikum: Museumsdirektor David Riedel (links) und Architekt André Habermann stehen im Mittelpunkt. (© Anja Hanneforth, HK)

Nachdem Habermann den symbolischen Schlüssel an Museumsdirektor David Riedel übergeben hat, nimmt dieser den Faden auf: Er könne nicht sagen, ob Böckstiegel jemals in den Sinn gekommen ist, dass einmal ein Museum seinen Namen trägt. „Fest steht, dass er jetzt hier angekommen ist!"

„Wir sind offen für alle, die sich nicht vor der Barriere einer Tür scheuen"

Mehr als 80 Führungen hätten sich bis Silvester angekündigt, sagt Riedel. „Und wir sind offen für alle, die sich nicht vor der Barriere einer Tür scheuen!"

Vogelperspektive: So sieht das Böckstiegelmuseum aus der Luft aus. - © Ulrich Fälker
Vogelperspektive: So sieht das Böckstiegelmuseum aus der Luft aus. (© Ulrich Fälker)

Hochrangige politische Grüße überbringen an diesem Abend Landtagspräsident André Kuper („Das Ergebnis ist großartig – Respekt!") und Dieter Gebhard, Vorsitzender der Landschaftsversammlung („Hier kann man Böckstiegel ganz neu sehen und erleben!").

Marion Weike nennt die Eröffnung „einen bedeutenden Tag für die Stadtgeschichte". Sie dankt allen Entscheidern, dass sie den Mut für den Standort Werther hatten. Die Gestaltung des Gebäudes hält sie für „herausragend" – auch wenn sie sicher ist, dass sie für Diskussionen sorgen wird. Sie zitiert erst Thomas Kuhlbusch, den ehemaligen Geschäftsführer der Stiftung und an diesem Abend ebenfalls unter den Gästen, der den Satz geprägt habe: „Lassen Sie sich verböckstiegeln!" Und dann aus einem Brief des Malers, den dieser 1950 an die Stadt geschrieben hat: „Wenn die Verwaltung meinen Einfluss als Mensch und Künstler nutzen würde, könnte sie bald die Kleinstadt sein, über die man in Deutschland spricht." Fast 70 Jahre später scheint dieser Satz nicht mehr abwegig. Wie sagt die heutige Geschäftsführerin der Stiftung, Beate Behlert: „Die Eröffnung ist erst der Anfang ..."

Heute nimmt das Museum offiziell seinen Betrieb auf. Um 12 Uhr öffnen sich die Türen für alle Kunstliebhaber aus der Region und darüber hinaus.

Info

„Ein kulturelles Juwel für die Region"


Ob Peter August Böckstiegel das neue Museum wohl gefallen würde? So ganz anders als sein kleines Elternhaus, streng, ultramodern, wie ein „Findling in der Obstwiese", wie es Architekt André Habermann nennt? Fest steht, dass sich Böckstiegel Zeit seines Lebens einen Ort für seine Kunst gewünscht hat, und dieser Ort nun einen außergewöhnlichen Kontrapunkt zum bestehenden Künstlerhaus setzt.
Der frühere Landrat Günter Kozlowski erklärt: „Für mich ist das ein besonderer Tag, weil ich Sonja und Vincent Böckstiegel hier vor 25 Jahren kennen lernen durfte. Damals war noch nicht klar, was aus dem Erbe wird – auch Dresden und Frankfurt waren Optionen. Ich konnte sie für den Standort hier in Arrode begeistern, und heute lösen wir das Versprechen ein, dass das Erbe ihres Vaters angemessen gewürdigt wird."
Dr. Andrea Wandschneider, Leiterin des Kunstmuseums Paderborn: „Ich bin zum ersten Mal hier und empfinde es als schöne Koinzidenz, dass wir gerade die von Böckstiegel angelegte Kunstsammlung zeigen und hier das Museum eröffnet wird – es ist provokant und gefällig zugleich."
Für den ehrenamtlichen Mitarbeiter Dieter Stier erfüllt sich mit dem Museum ein Traum: „Dass ich mit meinen eigenen Händen Bilder aufhängen darf, ist etwas ganz Besonderes."
Landtagspräsident André Kuper sprach von einem „kulturellen Juwel für die Region". 

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