So sieht das neue Böckstiegel-Museum von innen aus

Anja Hanneforth

Alt und Neu in perfekter Symbiose: Dem denkmalgeschützten Elternhaus Böckstiegels steht ab sofort der ultramoderne Museumsbau gegenüber. Ein gelungener Kontrast, eingebunden in das Grün der Obstwiese mit seinen alten Apfel- und Birnbäumen. - © Anja Hanneforth, HK
Alt und Neu in perfekter Symbiose: Dem denkmalgeschützten Elternhaus Böckstiegels steht ab sofort der ultramoderne Museumsbau gegenüber. Ein gelungener Kontrast, eingebunden in das Grün der Obstwiese mit seinen alten Apfel- und Birnbäumen. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. Montagmorgen 10 Uhr: Ein Dutzend Pressevertreter steht, Kameras geschultert und Blöcke gezückt, im Foyer und erbittet Einlass ins Allerheiligste. Doch die schwere Eichentür zu den Ausstellungsräumen bleibt trotz Drückens des automatischen Türöffners geschlossen. Erst als der künstlerische Leiter David Riedel den Sicherheitsriegel im Schaltkasten umlegt und die Arretierung löst, gibt die Tür den Blick frei. Ein Aha-Erlebnis. Der Neubau an der Schloßstraße, ein strahlendes, modernes, mit 70 Werken wunderbar bespieltes Museum.

Was sich Peter August Böckstiegel zu seinen Lebzeiten immer gewünscht, aber nie bekommen hat, ist Realität geworden – ein Museum für seine Kunst. Denn, so David Riedel bei seiner allerersten Führung gestern Morgen: „Böckstiegel hat nie für sein Elternhaus gemalt, sondern immer für Räume, die der Kunst dienen – für Museen, Galerien, für Ausstellungen." Jetzt lebt sein Traum.

So sieht das neue Böckstiegel-Museum von innen aus

Ein Traum, den nach ihm viele geträumt haben. Auch sie sind zum Pressetermin erschienen: Vertreter der Böckstiegel-Stiftung, des Architekturbüros, des Landschaftsverbandes, des Kreises Gütersloh, der Stadt Werther und der Geldgeber, ohne die der fast vier Millionen Euro teure Bau nicht hätte errichtet werden können.

Und sie sind einen langen Weg gegangen von den ersten Überlegungen bis zur Fertigstellung. Die Erleichterung, dass sie ihr Ziel erreicht haben, und die Begeisterung über das Ergebnis sind ihnen anzumerken.

„Gänsehautgefühl" beim ersten Rundgang

Landrat Sven-Georg Adenauer spricht von einem „kulturellen Leuchtturm mit architektonischer Strahlkraft", Stiftungsvorsitzende Ursula Bolte von einer „tiefen inneren Befriedigung" und Kuratoriumsvorsitzende Elke Hardieck von einem „Gänsehautgefühl", als sie erstmals die Ausstellung sieht.

Die 70 Arbeiten sind ein »Best of« des Expressionisten mit vielen bekannten Werken, aber auch solchen, die noch nie öffentlich gezeigt wurden. Wer sich auf die Ausstellung einlässt, unternimmt beim Rundgang durch die vier Räume eine Reise durch Böckstiegels künstlerisches Schaffen, angefangen bei seiner ersten erhaltenen Kohlezeichnung »Männerkopf« aus dem Jahr 1910 über das am weitesten gereiste Gemälde »Mein Quartierswald im Osten«, das Böckstiegel während des Ersten Weltkriegs 1916 im Norden Weißrusslands gemalt hat, bis hin zum Ölgemälde »Heimkehr« von 1951, ein düster wirkendes, kraftvolles Ölbild von 1951, fertiggestellt wenige Wochen vor seinem Tod.

Ab Freitag können sich die Bürger selbst ein Bild vom Museum machen. „Ein Museum ausdrücklich nicht für die oberen Zehntausend, sondern für alle, die Interesse an der Kunst haben", betont Sven-Georg Adenauer. Dass der Festakt zur Eröffnung am Donnerstagabend nur mit geladenen Gästen stattfindet, sei kein Affront gegen die Bevölkerung. „Wir haben schlicht keinen Platz für so viele Leute", stellt Geschäftsführerin Beate Behlert klar.

Nicht nur die erste Ausstellung soll ein Erfolg werden

Dass die Verantwortlichen bei aller Begeisterung über die Fertigstellung des Baus auch seine Zukunft fest im Blick haben, macht LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger deutlich: „Wir werden alles daransetzen, dass nicht nur die erste, sondern auch die 25. Ausstellung im Museum ein voller Erfolg wird."

Ab Freitag, 31. August, 12 Uhr, ist das Museum geöffnet. „Wir freuen uns sehr", sagen die Gastgeber und stehen mit einem Heer an Ehrenamtlichen bereit. Geöffnet ist immer mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr. Das denkmalgeschützte Künstlerhaus kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Führungen durch das Museum finden jeden Mittwoch von 17 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 15 bis 16 Uhr statt, dann auf Wunsch von 16 bis 16.30 Uhr auch mit Besichtigung des Künstlerhauses.

www.museumpab.de

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