Rentner um 361.000 Euro geprellt - Haftstrafen für zwei Wertheraner

Nils Middelhauve

Symbolfoto - © Sebastian Duda - Fotolia
Symbolfoto (© Sebastian Duda - Fotolia)

Werther/Bielefeld. Auf perfide Weise nutzten zwei Männer aus Werther ein Jahr lang die Gutgläubigkeit eines heute 84-jährigen Rentners aus. Immer wieder brachten sie den Senior dazu, ihnen Bargeld als Kredit zur Verfügung zu stellen – schließlich summierte sich der Betrag auf 361.000 Euro. Eine Rückzahlung des Darlehens war nie beabsichtigt. Das Bielefelder Amtsgericht verurteilte die 67 und 75 Jahre alten Täter am Freitag wegen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Betrugs zu Haftstrafen von drei Jahren beziehungsweise zwei Jahren und vier Monaten.

Fritz O. (Namen aller Betroffenen geändert), der ältere der beiden Angeklagten, kennt den geprellten Rentner seit Kindheitstagen – lange Jahre waren sie Nachbarn. Aus diesem Grund bestand ein enges Vertrauensverhältnis zwischen dem offenbar vermögenden Opfer Peter F. und dem 75-Jährigen. Allerdings befand sich Letzterer in desolaten finanziellen Verhältnissen. Gleiches galt für dessen langjährigen Bekannten Oskar T. (67), der sich nun ebenfalls vor Gericht zu verantworten hatte.

Gemeinsam beschlossen die Angeklagten, den wohlhabenden Rentner um eine Menge Geld zu bringen. Sie baten Peter F., ihnen bei Bedarf Bargeld als Darlehen auszuzahlen. Dies, so versicherten sie, werde selbstredend zurückgezahlt. Als vermeintliche Sicherheit nannte Oskar T. – nicht existierendes – Vermögen, über das er im Ausland verfüge. In der Zeit vom 7. Mai 2012 bis zum 31. Mai des Folgejahrs trafen sich die drei Männer sage und schreibe 95 Mal vor der kontoführenden Bank des Opfers – zumeist mehrmals pro Woche. Bei diesen Treffen händigte der gutgläubige Peter F. den Angeklagten stets Bargeld aus. Mal gaben sich die Täter mit 250 Euro zufrieden, in Einzelfällen wechselten jedoch auch 10.000 oder gar 20.000 Euro auf einen Schlag den Besitzer. Zurückgezahlt wurde – wenig überraschend – bis zum heutigen Tag nichts.

Während der ältere der beiden Angeklagten zumindest strafrechtlich bislang noch nicht mit der Justiz in Kontakt gekommen war, weist sein Kompagnon zahlreiche einschlägige Vorstrafen auf. Im Prozess vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Kirsten Reichmann schwiegen die Angeklagten zu den Vorwürfen. Dass das Ergebnis nur eine zu vollstreckende Freiheitsstrafe sein konnte, machte Richterin Reichmann den Männern in der Urteilsbegründung deutlich: „Wer einem anderen so viel Geld abzieht, braucht auf Bewährung nicht mehr zu hoffen."

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.