Lebensraum Häger: „Genehmigung für zweites Windrad ist moralisch fragwürdig“

Anja Hanneforth

Große Sorge: Viele Hägeraner fürchten erhebliche Auswirkungen durch ein zweites Windrad neben dem bereits existierenden auf dem Hof Surmann (unser Foto). - © Wilfried Pix
Große Sorge: Viele Hägeraner fürchten erhebliche Auswirkungen durch ein zweites Windrad neben dem bereits existierenden auf dem Hof Surmann (unser Foto). (© Wilfried Pix)

Werther-Häger. Dass der Kreis Gütersloh das Windrad an der Holzstraße in Häger nach Monaten der Überprüfung jetzt genehmigt hat, stößt nicht nur bei den unmittelbaren Anliegern auf Widerstand. Zahlreiche weitere Bürger des Ortsteils, darunter die Mitglieder vom Verein »Lebensraum Häger« und UWG-Ratsherr Uwe Gehring, reagieren mit Unverständnis.

Verein »Lebensraum Häger«

Helmut Althoff - © Birgit Nolte
Helmut Althoff (© Birgit Nolte)

„Wir müssen wohl davon ausgehen, dass das Windrad gebaut wird", sagt Helmut Althoff resigniert. Dennoch sieht der Vorsitzende vom »Lebensraum Häger« die Entscheidung aus Gütersloh kritisch: „Ein Abstand zur Wohnbebauung von 1.500 Metern, wie von der NRW-Landesregierung ins Auge gefasst, wäre der richtige Weg. Hier aber liegen manche Häuser weniger als 600 Meter entfernt. Viel zu nah", findet er.

Die Hoffnung Althoffs: „Wenn es schon keine vernünftige Abstandsregelung gibt, dann brauchen wir zumindest eine Höhenbegrenzung." 150 Meter seien an diesem exponierten Standort maximal vorstellbar. Ganz sicher jedenfalls nicht die von der Oldenburger Firma Ökovest geplanten 200 Meter.

Dass die Problematik der optisch bedrängenden Wirkung durchaus von den Entscheidern aus Gütersloh gesehen wurde, macht Althoff daran fest, dass an mindestens zwei Stellen Anpflanzungen vorgenommen werden sollen, um den Windriesen zu verdecken. „Wie das bei 200 Metern gehen soll, weiß ich nicht. Wenn die Lage nicht so ernst wäre, könnte man über diesen Vorschlag lachen."

Eine Chance, das Windrad doch noch zu verhindern, sieht Althoff in dem Umstand, dass bei bestimmten Windrichtungen eine Flügelspitze in ein benachbartes Bebauungsplangebiet ragen würde – und in ihm eine Höhenbegrenzung für Windräder von 80 Metern existiert. „Dies muss auf jeden Fall vor dem Bau juristisch geklärt werden", fordert Althoff.

Selbst hat der Verein keine direkte Klagemöglichkeit. „Aber wir werden alle Anwohner, sollten sie den Klageweg beschreiten, in ihrem Vorhaben unterstützen." Von zwei oder drei Anliegern wisse er, dass sie eine Klage ins Auge fassen, so Althoff.

Ratsherr Uwe Gehring

Uwe Gehring - © HK
Uwe Gehring (© HK)

Große Bedenken hat auch Uwe Gehring gegen das zweite Windrad in Häger. „Ich halte es für ethisch und moralisch fragwürdig, es so nah an der Bebauung zuzulassen." Zumal das Land NRW demnächst einen Mindestabstand von 1.500 Metern von Windrädern zu Wohnhäusern vorschreiben wird. Nach der aktuellen Rechtslage sei das geplante Windrad vom Abstand her allerdings genehmigungsfähig, räumt Gehring ein.

Im Umkreis von rund 600 Metern um das geplante Windrad befinden sich zwölf bewohnte Häuser. Aus Sicht Gehrings ist es wissenschaftlich erwiesen und Stand der Technik, dass der Infraschall, der von Windrädern ausgehen kann, zu Beschwerden bei Menschen führt. Schlafmangel, Kopfschmerzen und Übelkeit könnten die Folgen sein.

In anderen Quellen wird bestritten, dass es solche Auswirkungen von niederfrequenten Schallwellen unterhalb des menschlichen Hörvermögens durch Windräder gibt. Gehring kritisiert aber nicht nur die Probleme durch Infraschall. „Das neue Windrad wird im Westen stehen und die Probleme durch seinen Schattenwurf und den Schall werden deshalb häufiger da sein", befürchtet er. Die Anlage werde rund 600 Meter vom Zentrum Hägers entfernt errichtet. „400 Meter weniger als das Windrad von Familie Surmann."

Möglicherweise hat sich die Stadt Werther auch bei ihrer Planungspolitik verzockt. Gehring erinnert an das Vorranggebiet für Windräder an der Holzstraße, bei dem die Höhe per Bebauungsplan auf 80 Meter begrenzt war. „Da lohnte sich ein Windrad nicht." An anderer Stelle waren erst gar keine Windräder zugelassen. Doch 2015 wurde das Gebiet aufgehoben, weil es im Stadtrat den politischen Willen für ein Windrad gab.

„Kurz danach gab es den Bauantrag für das Windrad Surmann", so Gehring. Seit 2016 bemühe sich nun der Betreiber aus Oldenburg um den Bau eines zweiten Windrads. „Er hat schon viel Geld in die Sache gesteckt", weiß Gehring. Die aktuelle Rechtslage spreche für Ökovest. Allerdings hat Gehring wie Althoff die Hoffnung, dass es Schwierigkeiten geben könnte, da ein Flügel des Windrads gelegentlich in das angrenzende Bebauungsplangebiet hineinragen würde. „Darin sehen manche ein rechtliches Problem", erklärt Gehring.

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