Kreis gibt grünes Licht für zweites Windrad in Häger

Anja Hanneforth

Genehmigt: Der Kreis Gütersloh hat sein Okay für die zweite Anlage in Häger gegeben. Sie soll an der Holzstraße errichtet werden und stammt anders als das Windrad am Hof Surmann (Foto) nicht vom Hersteller Enercon, sondern von der Firma Vestas. - © Anja Hanneforth, HK
Genehmigt: Der Kreis Gütersloh hat sein Okay für die zweite Anlage in Häger gegeben. Sie soll an der Holzstraße errichtet werden und stammt anders als das Windrad am Hof Surmann (Foto) nicht vom Hersteller Enercon, sondern von der Firma Vestas. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther-Häger. Was die direkten Anlieger und eine Reihe von Hägeranern befürchtet, viele Befürworter erneuerbarer Energien sich hingegen gewünscht haben, ist eingetreten: Der Kreis Gütersloh hat das geplante Windrad an der Holzstraße genehmigt. Das bestätigte Bernhard Bußwinkel, Leiter der Bauabteilung, auf Anfrage. Seine Behörde sieht mögliche Bedenken bezüglich Lärm, Schattenwurf und vor allem optisch bedrängender Wirkung als ausgeräumt und die Beeinträchtigungen als „vertretbar" an. Bis zum 1. September hat die Stadt Werther nun Zeit, Stellung zu beziehen.

Zwei Jahre ist es her, dass die Oldenburger Firma Projekt Ökovest GmbH den Bau des Windrads beantragt hat. Seit dieser Zeit regt sich Widerstand seitens der Anwohner. Vor allem darum, da die Anlage an einer exponierten Stelle errichtet werden soll und somit höher als ihre 200 Meter wirken dürfte.

Für den Kreis kein Grund, die Genehmigung zu verweigern. „Wir sehen keine Hindernisse mehr, die eine Ablehnung rechtfertigen würden", betont Bernhard Bußwinkel. Zum Knackpunkt der optisch bedrängenden Wirkung sagt er, dass seine Behörde mehrere Termine vor Ort gehabt und man sich die Situation intensiv angesehen habe – insbesondere die genaue Ausrichtung des Windrads. Das sei notwendig gewesen, da etwa acht Wohngebäude innerhalb des zwei- bis dreifahren Abstands zur Höhe der Anlage liegen würden, also in einer Entfernung von mehr als 400, jedoch weniger als 600 Metern. Nach allen Abwägungen sei der Bau aus Sicht des Kreises jedoch möglich.

Inzwischen hat die Gütersloher Behörde die Stadt Werther angeschrieben und um eine neuerliche Stellungnahme gebeten. Nötig wird dies, da das Windrad anders als zunächst vom Investor geplant einen anderen Generator erhalten soll. Der ist zwar nicht zwingend lauter, bedarf aber aufgrund geänderter Lärmwerte eine neuerliche Beteiligung der Stadt.

Wie berichtet hatte diese vor zwei Jahren ihr gemeindliches Einvernehmen verwehrt. Der Kreis geht nicht davon aus, dass sich an dieser Haltung etwas ändern wird. Allerdings bedeutet ein Nein aus Werther nicht zwangsläufig, dass die Anlage nicht errichtet würde. So kann sich der Kreis mit begründeten Argumenten über das Votum der Stadt hinwegsetzen. „Bei offensichtlicher Rechtswidrigkeit können wir das Einvernehmen ersetzen", erläutert Bußwinkel die rechtliche Situation. Möglicherweise werde es auch ein kommunalaufsichtliches Verfahren geben. Dies sei aber zum jetzigen Zeitpunkt rein spekulativ.

Er werde jetzt erst einmal abwarten, wie sich die Stadt äußert und welche Begründung sie anführt, sagt er, gibt aber zu, dass die ganze Sache schon „ein sehr spezieller Fall" sei.

Bußwinkel erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Stadt das Areal an der Holzstraße ursprünglich einmal als Windvorrangfläche ausgewiesen hat. „Sie hat also selbst den Bereich als prädestinierten Standort für ein Windrad gesehen."

Mit Frist 1. September hat die Stadt nun Zeit, Stellung zu beziehen. Doch auch Bürgermeisterin Marion Weike geht nicht davon aus, dass sich an dem Mehrheitsvotum von 2016 etwas ändert. „Die Politik hat den Bau der Anlage einmal abgelehnt und wird dies wohl auch ein zweites Mal tun", schätzt sie. Jedenfalls sei aus ihrer Sicht kein Umschwenken erkennbar. Allerdings wolle sie der Entscheidung auch nicht vorgreifen.

Klagen gegen die Genehmigung des Windrads sind wahrscheinlich

Unglücklich sei, dass die nächste Sitzung des zuständigen Planungsausschusses für den 4. September terminiert sei. „Ob wir vorher noch eine Bedarfssitzung einberufen, werden wir besprechen müssen."

Sie selbst hält ein Windrad am Standort Holzstraße mit einer Höhe von 200 Metern für „bedenklich". Fragt sich allerdings, ob sich ein Bau hinsichtlich der derzeitigen Einspeisevergütungen überhaupt wirtschaftlich darstellen lässt. „Das kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen." Ein Investor baue aber nur, wenn er sich einen Gewinn verspricht. Und aufgrund der Abstände zur Wohnbebauung und zum erwarteten Schattenwurf werde das Windrad womöglich häufiger stillstehen. Ob sich da ein Bau lohnt, könne sie nicht sagen.

Dass die Anlage beklagt wird, davon geht Marion Weike fest aus: „Aus der Nachbarschaft des Windrads war schon zu hören, dass Anwohner darüber nachdenken", berichtet sie. Auch der Verein »Lebensraum Häger« hat bereits von Klage gesprochen.

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