Bauboom: 24 neue Wohnungen für Werther – aber wieder Streit

Kerstin Spieker

Maß nehmen für das Bauprojekt: An der Weststraße in Werther sollen neben dem Komplex der Kreiswohnstättengenossenschaft zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen entstehen. - © Foto: Marc Uthmann
Maß nehmen für das Bauprojekt: An der Weststraße in Werther sollen neben dem Komplex der Kreiswohnstättengenossenschaft zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt zwölf Wohnungen entstehen. (© Foto: Marc Uthmann)

Werther . Wie knapp Wohnraum in Werther ist, wissen alle, die dort in den vergangenen Jahren nach neuen vier Wänden gesucht haben. Entspannung ist trotz Bemühungen aus Politik und Verwaltung nicht in Sicht. Jetzt sollen binnen absehbarer Zeit immerhin 24 neue Wohnungen im Stadtgebiet entstehen – zwölf an der Ravensberger Straße und zwölf an der Weststraße. Das ergab die jüngste Sitzung des Planungs- und Bauausschusses.

An der Weststraße liegen die beiden Grundstücke 42 und 46 seit gut drei Jahren brach. Das Areal mit zwei Mehrfamilienhäusern war 2014 von zwei Privatpersonen ersteigert worden. Bereits seit 2008 standen die 38 Wohneinheiten dort leer. Die durch Asbest belasteten Baukörper wurden abgerissen. Dann passierte lange nichts. „Bewegt haben wir Dinge unter der Erde", heißt es dazu von der Eigentümerin im Gespräch mit dem HK . Regenabwasserleitungen sowie Leitungen eines Telefonanbieters mussten weg vom Grundstück verlegt werden.

Vor eineinhalb Wochen ging nun der Bauantrag für zwei Mehrfamilienhäuser mit je sechs Wohneinheiten beim Kreis ein. Die beiden Bauprojekte entsprächen dem gültigen Bebauungsplan, erklärte Bürgermeisterin Marion Weike im Ausschuss. Dennoch regte sich dort heftige Kritik an den beiden schlichten Flachdachbauten. Wolfgang Böhm von den Grünen bezeichnete sie als eine „beschämende Architektur" und bekam Schützenhilfe von Rainer Mühl . Der Architekt wirkt als sachkundiger Bürger in den Reihen der Grünen und zeigte sich vom Entwurf der Häuser nicht begeistert.

Das wiederum trug den beiden Grünen harsche Kritik der Bürgermeisterin ein. Sie wundere sich, wie man hier im Ausschuss mit Bauherren umgehe. „Wenn etwas zwar den Vorgaben entspricht, aber hässlich ist, dann muss man das hier doch aber sagen dürfen", konterte Rolf Düfelmeyer von der UWG , dem die Optik der beiden dreigeschossigen Häuser ebenfalls nicht zusagte. Mit den Stimmen der Grünen sei die Gestaltungssatzung für das Areal im Übrigen auch nicht entschieden worden, stellte Dr. Hans-Dieter Kübler klar. „Außerdem sitzen wir doch hier, um konzeptionell zu wirken", sagte er. Das sah Weike nur bedingt so. Der Rat gehöre zur Verwaltung und sei vor allem für die Einhaltung der Vorgaben zuständig.

Als „schlicht und eben preiswert" bezeichnete dagegen Erika Sahrhage von der SPD die Entwürfe. Alle zwölf Wohnungen verfügen nach Angabe der Bauherren über jeweils drei Zimmer, einen Hauswirtschaftsraum und einen Balkon. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, durch das Flachdach so viel ganzjährig nutzbare Wohnfläche zu schaffen wie möglich", erläuterte ein Mitglied der Bauherrengemeinschaft. Das Erdgeschoss sei außerdem barrierefrei konzipiert. Man glaube, mit dem Angebot ein breites Segment der Bevölkerung anzusprechen. Zudem habe man die Möglichkeit des sozialen Wohnungsbaus geprüft. Die Konditionen seien aber zum Zeitpunkt der Planung einfach inakzeptabel gewesen. „Und wir planen jetzt auch nicht mehr um."

Auch das Wohnungsbauprojekt an der Ravensberger Straße fand bei Böhm und Mühl keine Zustimmung. Hier sollen neben dem ehemaligen Domizil des Bunten Sandkastens ein eingeschossiges Haus und dessen Nebengebäude abgerissen werden. Zwischen Ravensberger Straße und Engerstraße sollen dann zwei Häuser mit je sechs Wohnungen entstehen, erschlossen über die Ravensberger Straße. Rainer Mühl sieht durch die Neubauten das Stadtbild zerrissen. Der Ausschuss stimmte den Projekten bei zwei Gegenstimmen dennoch zu.

Kommentar: Gestalten oder verwalten?

Das Thema holt Politik und Verwaltung in Werther immer wieder ein. Mehrfach äußerten Fraktionen in der Vergangenheit, dass man das Thema Stadtplanung gemeinsam und mit externer fachlicher Unterstützung in den Fokus nehmen solle. Konkrete Pläne für das Verkehrswegenetz, für die Nutzung von Flächen und eine generelle Ausrichtung in der Stadtkonzeption wurden bereits von verschiedenen Fraktionen angemahnt.

Wie weit die Vorstellung der Verwaltungsspitze und politischer Vertreter dabei auseinanderliegen, zeigte die Streiterei am Rande der Ausschusssitzung. Während in diesem Fall die Grünen für sich den Gestaltungswillen deklarieren, betont die Bürgermeisterin die verwaltungsbezogene Funktion des Rates. Auf dieser Ebene ist ein fruchtbares Zusammenwirken schwierig.

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