Online-Betrüger versteckt Mahnungen vor seiner Freundin

Amtsgericht: Immer wieder ordert ein Wertheraner im Netz – doch er bezahlt nie

Lüdeke Horn

Symbolfoto - © Kraximus - Fotolia
Symbolfoto (© Kraximus - Fotolia)

Werther. Neun Mal – von September 2015 bis Juni 2016 – sollten eine 25-jährige Frau aus Werther und ihr 29-jähriger Freund aus Bielefeld im Internet Kleidung bestellt haben, ohne die Absicht, zu bezahlen. Dabei sollten sie auch noch einen falschen Namen angegeben haben. Der Warenwert habe mehr als 3600 Euro betragen. Deswegen fanden sich beide wegen gewerbsmäßigen Betruges in Tateinheit mit gewerbsmäßiger Urkundenfälschung auf der Anklagebank des Amtsgerichts Halle wieder.

Der Mann räumte die Tat sofort ein und entlastete seine damalige Freundin: „Ja, mein Mandant hat diese Waren bestellt", erklärte sein Verteidiger für ihn und fuhr fort: „Die Mitangeklagte wusste davon aber nichts. Die Pakete hat er ihr nicht gezeigt und auch nicht die späteren Mahnschreiben. Nur einmal hat er ihr aus diesen Sendungen ein Weihnachtsgeschenk gemacht, aber nichts davon gesagt, woher er das hatte. Die beiden Angeklagten haben auch nie einen gemeinsamen Plan gefasst."

Das bestätigte die Freundin: „Ich habe damals Vollzeit gearbeitet. Der Mitangeklagte wohnte bei mir in Werther. Von irgendwelchen Bestellungen und Paketen, die ankamen, habe ich nichts gewusst. Ein einziges Mal habe ich ein Schreiben gesehen. Da passte aber der Name nicht und ich habe das nicht weiter beachtet. Auch bei dem Weihnachtsgeschenk habe ich mir nichts gedacht."

Pakete wurden immer nur vom Mann angenommen

Dafür sprach auch der Akteninhalt, den der Richter vortrug. Der Paketzusteller hatte bestätigt, dass die Pakete immer nur von dem Mann angenommen worden waren. Bei einer Durchsuchung hatte man die vielen Mahnschreiben auch versteckt vorgefunden. Danach musste das Gericht nur noch die Vorstrafen des Mannes erörtern: eine Vorstrafe von 15 Tagessätzen wegen versuchten Betruges.

Die Staatsanwältin beantragte, die Frau freizusprechen, wies ansonsten darauf hin, dass der gewerbsmäßige Betrug mit mindestens sechs Monaten Freiheitsstrafe zu ahnden sei. Insgesamt beantragte sie für den Freund ein Jahr Freiheitsstrafe, die wegen der geringen Vorbelastungen zur Bewährung auszusetzen sei, außerdem 2000 Euro Geldbuße und Wiedergutmachung des Schadens. Dem folgte das Gericht, nur die Geldbuße setzte es nur auf 1800 Euro fest. Dass aus Rechtsgründen der Tatbestand der Urkundenfälschung nicht vorlag, half dem Angeklagten nicht.

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