Abriss läuft: Reitmodenhersteller Pikeur baut Logistikzentrum

Für einen zweistelligen Millionenbetrag entsteht neben der Firmenzentrale am Esch die neue Anlage. Die Baugenehmigung wird jeden Tag erwartet, im April soll es losgehen

Anja Hanneforth

Der ehemalige Komplex von Aldi/Edeka am Esch wird abgerissen und weicht einem großen Logistikzentrum des Reitmodenherstellers Pikeur. Über die Pläne informieren - von links: Wilhelm Castrup, Facility-Manager der bugatti Holding Brinkmann, der geschäftsführende Gesellschafter Markus Brinkmann und Wilfried Asbrock, Leiter Logistik und Zoll bei der Firma Pikeur. - © Anja Hanneforth
Der ehemalige Komplex von Aldi/Edeka am Esch wird abgerissen und weicht einem großen Logistikzentrum des Reitmodenherstellers Pikeur. Über die Pläne informieren - von links: Wilhelm Castrup, Facility-Manager der bugatti Holding Brinkmann, der geschäftsführende Gesellschafter Markus Brinkmann und Wilfried Asbrock, Leiter Logistik und Zoll bei der Firma Pikeur. (© Anja Hanneforth)

Werther. Es wird ein Umschlagplatz für jährlich bis zu einer halben Million hängender und 1,5 Millionen liegender Teile und ist ein klares Bekenntnis zum Standort Werther: das neue Logistikzentrum der Firma Pikeur am Esch. Der Reitmodenhersteller, Tochter der Herforder bugatti Holding Brinkmann, investiert einen zweistelligen Millionenbetrag, um der steigenden Nachfrage nach Reithosen, Jacketts und Zubehör fürs Pferd zu begegnen. „Wir nehmen die Herausforderung an, in denen die Leute heute klicken und morgen die Sachen vor der Haustür haben wollen", sagt Juniorchef Markus Brinkmann beim Pressetermin auf der Baustelle.

Gleich neben dem Sitz des Unternehmens arbeiten sich seit vergangener Woche zwei Abrissbagger durch die alte Bausubstanz. Was früher einmal der Aldi- und Edeka-Komplex war, wird nun dem Erdboden gleichgemacht.

Über die Pläne informieren - von links: Wilhelm Castrup, Facility-Manager der bugatti Holding Brinkmann, der geschäftsführende Gesellschafter Markus Brinkmann und Wilfried Asbrock, Leiter Logistik und Zoll bei der Firma Pikeur. - © Anja Hanneforth
Über die Pläne informieren - von links: Wilhelm Castrup, Facility-Manager der bugatti Holding Brinkmann, der geschäftsführende Gesellschafter Markus Brinkmann und Wilfried Asbrock, Leiter Logistik und Zoll bei der Firma Pikeur. (© Anja Hanneforth)

Bereits 2012 hatte der Reitmodenhersteller das Grundstück erworben. Eine richtungsweisende Entscheidung, wie sich jetzt zeigt. Geschäftsführer Wolfgang Brinkmann drückte es seinerzeit so aus: „Man hat selten die Gelegenheit, einen Nachbarn zu kaufen." Schon damals standen die Zeichen auf Wachstum, und an diesem Trend hat sich zur Freude des Unternehmens bis heute nichts geändert.

Umsatzrekord im vergangenen Jahr

Seit 1990 gehört Pikeur zur Brinkmann-Gruppe. In 27 Jahren sei es gelungen, den Umsatz um mehr als zu vervierfachen, bilanziert Markus Brinkmann. Allein im Geschäftsjahr 2017 habe der Reitmodenhersteller einen neuen Rekord einfahren und das umsatzstärkste Jahr der Firmengeschichte verzeichnen können. In diese Richtung, so seine Hoffnung, soll es weitergehen.

„Allerdings sind die logistischen Prozesse nicht im gleichen Maß mitgewachsen", führt der Juniorchef aus. Hier verspreche man sich mit dem neuen Logistikzentrum eine deutliche Optimierung. Mussten bisher Lagerräume im näheren Umkreis von Werther angemietet werden, um die Produkte für die Kunden bereitzuhalten, soll dies künftig vom Standort Esch aus abgewickelt werden.

Geplant ist der Neubau eines zweigeschossigen Komplexes mit einer Gesamtnutzfläche von 8000 Quadratmetern und der Möglichkeit, auf lange Sicht das Gebäude noch um eine weitere Etage aufzustocken. „Daher werden die Zwischengeschossdecke und das Dach nicht als Stahlkonstruktion angelegt, sondern aus Beton gegossen", erläutert Wilfried Asbrock, Leiter Logistik und Zoll bei der Firma Pikeur. Dies stelle zugleich sicher, dass im Obergeschoss größere Lasten bewegt werden könnten, was im Altbau derzeit nicht möglich sei.

„Klares Statement zur Marke und zum Standort Werther"

In Zahlen wird es im neuen Logistikzentrum ein Hochregallager für 1000 Palettenstellplätze geben, 7800 laufende Meter Fachboden und Rollenregale, 4000 Meter Hängelager und 3400 Meter Schienensysteme zur Kommissionierung der über 8000 verschiedenen Artikel. Zum Einsatz kommen außerdem Teleskopförderer, um die Ware noch schneller vom Lager in den Laster zu bringen. Und der Umschlag ist erheblich: 100.000 Kartonagen und hängende Waren mit mehr als zwei Millionen Teilen werden jährlich den Standort am Esch verlassen. Das sind jeden Tag bis zu 1200 Pakete.

In etwa zwei Wochen soll der Abriss der alten Gebäude abgeschlossen sein. Bereits Ende vergangenen Jahres hat das Unternehmen den Neubau des Logistikzentrums beantragt, „wir rechnen jeden Tag mit der Genehmigung", sagt Wilhelm Castrup, Facility-Manager der bugatti Holding Brinkmann. Rohbau und Erdarbeiten habe man bereits ausgeschrieben, liefe alles nach Plan, werde man im April mit den Erd- und Entwässerungsarbeiten beginnen. Dies werde sich wegen des schwierigen Baugrunds einige Zeit hinziehen. Im Sommer könnten dann der Rohbau, im Spätsommer die Dach- und Fassadenarbeiten, ab Herbst/Winter der Innenausbau und schließlich die Montage der Lagerlogistik beginnen. Ginge alles reibungslos vonstatten, werde man den Neubau im April 2019 in Betrieb nehmen.

Und auch wenn die Firmenvertreter wissen, dass sich Zeitpläne für derart große Maßnahmen nicht immer auf den Tag genau realisieren lassen – für die 70 Mitarbeiter und auch die Stadt Werther ist der Bau des Logistikzentrums ein wichtiges Signal für die Zukunft. „Ich sehe die Investition als ein klares Statement zur Marke und zum Standort Werther", bringt es Markus Brinkmann auf den Punkt.

Info
Kein Fabrikverkauf am Esch

Die Frage an die Geschäftsleitung, ob die Firma Pikeur nach Fertigstellung ihres neuen Logistikzentrums auch ein Outlet in Werther einrichten wird – was viele Reiter interessieren dürfte – beantwortet sie mit einem klaren „Nein". Aus guten Gründen habe sie sich dagegen entschieden: Aufgrund ihrer Händlerstruktur, und weil sich der Verkauf eines speziellen Spartenprodukts wie Reitbekleidung nicht mit dem anderer Damen- oder Herrenbekleidung vergleichen ließe. Bekanntermaßen betreibt die Muttergesellschaft bugatti Holding Brinkmann in Herford für die Produkte ihrer übrigen Marken sehr wohl einen Fabrikverkauf.

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