Flyer soll gegen zweiten »Koloss« aufklären

Ekkehard Hufendiek

Montage der Flügel: Das umstrittene Windrad soll die gleiche Höhe bekommen wie das auf dem Bild noch im Bau befindliche der Familie Surmann an der Rotenhagener Straße. - © Foto: Anja Hanneforth
Montage der Flügel: Das umstrittene Windrad soll die gleiche Höhe bekommen wie das auf dem Bild noch im Bau befindliche der Familie Surmann an der Rotenhagener Straße. (© Foto: Anja Hanneforth)

Werther . „Bitte keinen zweiten Koloss von Häger" fordert der Verein Lebensraum Häger. Er stellt sich weiter energisch gegen das geplante Windrad an der Holzstraße, das eine maximale Flügelspitzenhöhe von 207 Meter bekommen soll. „Ein Unding", sagt Helmut Althoff. Er will die Leute wachrütteln.

Der Vorsitzende vom Lebensraum Häger betont, dass sein Verein nicht gegen Windräder sei, doch gingen Augenmaß und Vernunft vor Gewinnstreben. Vor mehr als zwei Jahren zog er mit seinen Vereinskollegen ins Feld und blies dem Investor des Projektes – der Firma Ökovest GmbH aus Oldenburg – seitdem beständig Wind ins Gesicht. So ließ der Verein im März 2017 bunte Luftballons auf 207 Meter Höhe steigen, um die Dimension des Windrades zu veranschaulichen. Er informierte auf einer Bürgerversammlung und warnte mithilfe eines Fachmannes vom Regionalbündnis Windvernunft. Außerdem setzte der Verein zahlreiche Briefe auf und schlug vor, die Höhe der Anlage auf maximal 150 Meter zu beschränken. Die Resonanz war für die Mitglieder enttäuschend: Es gab keine Reaktion.

Uwe Gehring: „Es ist den Leuten egal"

Einig: Helmut Althoff (links) und Unterschriftensammler Emmanouil Kokolakis sind gegen ein Windrad. - © Foto: Ekkehard Hufendiek
Einig: Helmut Althoff (links) und Unterschriftensammler Emmanouil Kokolakis sind gegen ein Windrad. (© Foto: Ekkehard Hufendiek)

Landrat Sven-Georg Adenauer und die Bezirksregierung seien bislang auf einen Schriftwechsel nicht eingegangen, sagte Althoff, und die Mitgliederzahl von Lebensraum Häger sei geschrumpft statt gewachsen. „Es ist den Leuten egal", beklagte Vereinsmitglied Uwe Gehring jetzt bei der Jahreshauptversammlung in der Gaststätte Weinhorst.

Trotz der offenbar schulterzuckenden Emotionslage im Ort gibt sich Lebensraum Häger weiter kämpferisch: 1000 Flyer sind jetzt frisch gedruckt. Unter der Parole »Vernunft statt Reibach« illustriert der Verein darin die Größenverhältnisse des Windrades zur Jacobikirche und zum Kölner Dom, der rund 50 Meter niedriger ist.

Außerdem führt der Flyer die wichtigsten Gegenargumente in kurzen Sätzen ins Feld, die Helmut Althoff und seine Mitstreiter bewegen. Dazu zählen die Beeinträchtigungen durch Sicht, Lärm und Schattenwurf. Der Standort zur Wohnbebauung betrage kaum mehr als 500 Meter. Dadurch verlören Grundstücke und Gebäude bis zu 50 Prozent ihres Wertes, heißt es im Flyer.

Helmut Althoff dankte Emmanouil Kokolakis, der im Februar eine Unterschriftenliste gegen das Windrad mit 220 Namen zusammengetragen hat. „Den Entscheidungsträgern muss deutlich werden, dass ein großer Teil der Bevölkerung gegen das geplante Windrad ist", sagte Althoff den 16 Versammelten.

Helmut Althoff hält die Gefahr für „sehr groß", dass der Kreis Gütersloh die Baugenehmigung erteilt. Althoff fordert die Stadt auf, eine rechtliche Klärung durch einen unabhängigen Juristen voranzutreiben. Mit anderen Worten: Im Genehmigungsfall möchte Lebensraum Häger, dass die Stadt Werther den Kreis Gütersloh verklagt. Ein Argument: Die Anlage werde zirka 25 Meter in eine Grundstücksfläche hineinragen, für die laut Bebauungsplan eine Windrad-Höhenbegrenzung von 80 Metern gelte. Bis zum 25. März werden jetzt die Flyer verteilt. Auch im Rat der Stadt Werther. Der Flyer erhält einen Abschnitt zum Abreißen, mit dem die Bürger ihre Stimme gegen einen zweiten „Koloss" kundtun können.

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