So will das Gymnasium in Werther einen Beitrag zum Klimaschutz leisten

Anja Hanneforth

Sie machen den Anfang: Die Schüler des "Lernstudios 8" sind Anfang des Jahres in das Projekt "Energiesparen macht Schule" eingestiegen. Damit bald ein prima Klima am Evangelischen Gymnasium herrscht, müssen erst einmal die wichtigsten Grundregeln aufgestellt werden. "Heizung aus, wenn Fenster auf!" ist eine davon. - © Anja Hanneforth, HK
Sie machen den Anfang: Die Schüler des "Lernstudios 8" sind Anfang des Jahres in das Projekt "Energiesparen macht Schule" eingestiegen. Damit bald ein prima Klima am Evangelischen Gymnasium herrscht, müssen erst einmal die wichtigsten Grundregeln aufgestellt werden. "Heizung aus, wenn Fenster auf!" ist eine davon. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. Sind Licht, Heizung und elektrische Geräte in Klassenräumen, in denen kein Unterricht stattfindet, vor allem aber nach Schulschluss ausgestellt? Sind Wasserhähne zugedreht, stehen keine Geräte auf Standby, laufen Computer und Beamer tatsächlich nicht mehr? Und gibt es noch weitere Möglichkeiten, den Energieverbrauch herunterzufahren? – Fragen, mit denen sich das Evangelische Gymnasium seit Anfang des Jahres intensiv befasst. Und sich mindestens die nächsten vier Jahre befassen wird. So lange läuft nämlich das Projekt »Energiesparen macht Schule«, bei dem alle 720 Schüler, die Lehrer, Hausmeister und der Trägerverein eingebunden sein werden. Die ersten Gruppen haben jetzt losgelegt.

Wichtige Hilfsmittel: Bettina Baron vom e&u Energiebüro (links) und Biologielehrerin Ingrid Arning mit dem Messgerätekoffer. Er enthält unter anderem ein Messinstrument, das anzeigt, ob der Raum die optimale Helligkeit aufweist. - © Anja Hanneforth, HK
Wichtige Hilfsmittel: Bettina Baron vom e&u Energiebüro (links) und Biologielehrerin Ingrid Arning mit dem Messgerätekoffer. Er enthält unter anderem ein Messinstrument, das anzeigt, ob der Raum die optimale Helligkeit aufweist. (© Anja Hanneforth, HK)

Es ist eine Tatsache, dass Schulen zu den großen Energieverbrauchern gehören. Da bildet das Evangelische Gymnasium keine Ausnahme. Bei hunderten von Schülern und erheblichen Bedarfen an Licht, Strom und Wärme kein Wunder. Und die Bausubstanz ist nicht die neueste, der Altbau stammt aus den 1950er, der »Neubau« aus den 1980er Jahren. Was also tun, um die Energiebilanz zu senken?

Vor genau zehn Monaten tat sich unerwartet die Lösung auf: Die Stadt hatte zu einer Infoveranstaltung über Energiesparmodelle an Schulen eingeladen, und das Gymnasium ergriff die Gelegenheit beim Schopf. „Wir wollten unbedingt mitmachen", blickt Ingrid Arning, Koordinatorin für die Initiative »EGW goes green«, zurück.

Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt und wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative vom Bund gefördert. Auch die Stadt Werther gibt Geld dazu, genau wie das Gymnasium selbst, so dass jetzt 16 000 Euro zur Verfügung stehen.

Was ermöglicht, dass sich die Schule mit dem Bielefelder e & u Energiebüro professionelle Hilfe an die Seite holt. Bevor allerdings erste Aktionen starten können, muss erst einmal der Ist-Zustand ermittelt werden: Was sind die großen Energiefresser im Haus, welche lassen sich überhaupt beeinflussen, wie ist es um die Heizungsanlage bestellt, lässt sie sich anders regeln, wo sind die Stromzähler, wo brennt immer Licht, wo stehen die Fenster auf Kipp?

So klein, so nachhaltig: Physiklehrerin Doris Diekmann präsentiert ein Solarmobil, das demnächst mit den Schülern gebaut werden soll. - © Anja Hanneforth, HK
So klein, so nachhaltig: Physiklehrerin Doris Diekmann präsentiert ein Solarmobil, das demnächst mit den Schülern gebaut werden soll. (© Anja Hanneforth, HK)

In diesem Schuljahr werden sich die ersten Kurse mit dem Energiesparthema befassen, auf lange Sicht wird die ganze Schule eingebunden. Ideen gibt es reichlich, es sollen Klimawegweiser erstellt, Energieteams in den Klassen gebildet, Fortbildungen angeboten werden. Wie ein Tropfen auf einer Wasseroberfläche soll das Projekt Kreise ziehen, in die Familien, die Verwandtschaft, das gesamte Umfeld hinein. „Wenn alle mitziehen und jeder einen Beitrag leistet, könnte Werther immer mehr zu einer klimafreundlichen Stadt werden", wünscht sich Bettina Baron vom Energiebüro.

Der effektivste Weg dahin ist allerdings die größte Herausforderung, und das wissen alle Beteiligten: Sie müssen ihr eigenes Verhalten ändern, quasi ihr Denken überdenken. Der Computer bleibt eben nicht den ganzen Tag über eingeschaltet, der Weg zur Schule wird nicht mit dem Auto, sondern mit dem Bus, Fahrrad oder zu Fuß zurückgelegt, es kommt nicht jeden Tag ein Stück Fleisch auf den Tisch.

„Unser Ansatz ist nicht »weniger, weniger«", betont Bettina Baron ausdrücklich. Vielmehr sollten die Beteiligten miteinander ins Gespräch kommen, sich hinterfragen, warum sie es nicht schaffen, liebgewonnene Gewohnheiten abzustellen, und schließlich Lösungen finden. „Denn wir wollen ja auch noch in 50 Jahren unseren Planeten gut bewohnen können."

Wenn die materiellen Ziele auch zweitrangig sind – im Blick hat sie die Schule dennoch: „Es ist nicht unrealistisch, dass wir es schaffen, zehn Prozent unserer Energiekosten einzusparen. Also einen hohen vierstelligen Betrag. Und das wäre doch toll", findet Geschäftsführer Marcus Wöhrmann.

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