Lebensraum Häger stemmt sich gegen das geplante Windrad

Birgit Nolte

So würde es aussehen: Das mögliche zweite Windrad in Häger ist mit einer Höhe von 207 Metern geplant. Auf der Fotomontage ist der Blick aus Richtung Häger zu sehen. - © Foto/Montage: HK
So würde es aussehen: Das mögliche zweite Windrad in Häger ist mit einer Höhe von 207 Metern geplant. Auf der Fotomontage ist der Blick aus Richtung Häger zu sehen. (© Foto/Montage: HK)

Werther-Häger. Helmut Althoff versteht die Welt nicht mehr: „Wenn ich an der Stelle ein Carport bauen möchte, bekomme ich das nicht genehmigt. Ein 200 Meter großes Windrad aber offensichtlich schon." Der Vorsitzende des Vereins Lebensraum Häger ist einigermaßen verzweifelt, seitdem bekannt wurde, dass die Pläne für das Windrad in Häger nicht wie gehofft vom Tisch sind, sondern anscheinend kurz vor der Genehmigung stehen.

Lageplan: Unten im Bild ist das Bebauungsplangebiet mit der bestehenden Höhenbegrenzung für Windräder eingezeichnet. Das Rotorblatt des geplanten Windrads würde laut Verein hineinragen. - © Bioplan Marburg-Höxter GBR
Lageplan: Unten im Bild ist das Bebauungsplangebiet mit der bestehenden Höhenbegrenzung für Windräder eingezeichnet. Das Rotorblatt des geplanten Windrads würde laut Verein hineinragen. (© Bioplan Marburg-Höxter GBR)

Wie mehrfach berichtet möchte die Oldenburger Firma Projekt Ökovest GmbH an der Holzstraße eine 207 Meter hohe Windkraftanlage bauen. Die Mitglieder können nicht nachvollziehen, warum überhaupt eine Genehmigung im Raum steht.

„Der geplante Standort des Windrades liegt in unmittelbarer Nähe einer Fläche, für die kraft eines rechtsgültigen Bebauungsplans eine Höhenbegrenzung von 80 Metern vorgegeben ist. Bei Inbetriebnahme dieses Windrades würde das Rotorblatt mit 25 Metern in diese Fläche hineinragen", führte Helmut Althoff aus, der sich im Namen des Vereins in diesem Punkt auch juristisch beraten ließ. Laut der Rechtsanwalt- und Notarkanzlei Stoffregen & Schulze in Georgsmarienhütte sei klar, „dass das Windrad die Grenze des geltenden Bebauungsplans nicht überschreiten darf". Außerdem wiesen die Juristen darauf hin, dass „die Stadt Werther das gemeindliche Einvernehmen verweigert hat – so dass die Baugenehmigung nicht erteilt werden darf".

Bußwinkel beantwortet Brief an Adenauer

Ziel des Vereins ist, dass der Kreis durch unabhängige Fachleute prüfen lässt, ob das Windrad an dieser Stelle genehmigungsfähig ist. Einen entsprechenden Brief an Landrat Sven-Georg Adenauer haben die Mitglieder bereits geschrieben. „Die Antwort kam aber nicht von ihm, sondern von Bernhard Bußwinkel", berichtet Althoff. Laut des Leiters der Bauabteilung beim Kreis Gütersloh müsse die Projekt Ökovest GmbH nur noch an einigen Stellen nachbessern und Unterlagen einreichen, dann könne das Genehmigungsverfahren „in die ernsthafte Genehmigungsphase" gehen, steht damit also genau im Gegensatz zur Sichtweise des Vereins. „Bei rechtlichen Zweifeln muss doch im Sinne der Bürger entschieden werden und nicht im Sinne eines Großinvestors, der nur an die Kohle denkt", kritisierte Helmut Althoff. Zumal sich im Umkreis von 600 Metern rund um das geplante Windrad zwölf bewohnte Häuser befinden würden.

Initiative: Helmut Althoff (von links), Peter Leupold, Inge Holste, Markus Klekamp und Elisabeth Wöhrmann-Klekamp vom Verein Lebensraum Häger bemühen sich, das geplante Windrad auf Hägeraner Grund zu verhindern. - © Birgit Nolte
Initiative: Helmut Althoff (von links), Peter Leupold, Inge Holste, Markus Klekamp und Elisabeth Wöhrmann-Klekamp vom Verein Lebensraum Häger bemühen sich, das geplante Windrad auf Hägeraner Grund zu verhindern. (© Birgit Nolte)

Die Vereinsmitglieder sind ratlos, wie sie eine unabhängige Überprüfung erreichen können. „Wir sind für jeden Hinweis dankbar", sagt Helmut Althoff, der befürchtet, dass den Mitgliedern kein anderer Ausweg bleibt. „Dafür braucht es noch nicht einmal einen betroffenen Anwohner, sondern wir können das über eine sogenannte Drittanfechtungsklage angehen. Dafür müssen wir unsere Finanzen aufstocken, aber das kriegen wir hin", zeigte sich Althoff kämpferisch.

Einer, der sich mit dem Juristischen auskennt, ist Stephan Ellersiek. Er klagt immer noch gegen das Surmann-Windrad. „Besonders wenn es nieselig ist und der Wind richtig steht, dann höre ich den Lärm", berichtete Ellersiek. Bei den Bürgern, die näher als die dreifache Windradhöhe entfernt zur Anlage wohnen, wird in NRW gesondert geprüft. Dass bei den Prüfungen viel herauskommt, bezweifelt Ellersiek: „Jeder einzelne Baum und Strauch im Garten wird als Minderung der optischen Bedrängung durch ein Windrad gewertet."

Selbst eine Erhöhung der Mindestabstände auf Landesebene würde dem Verein nicht unbedingt in die Hände spielen. „Es könnte durchaus sein, dass damit gegen Bundesrecht verstoßen wird. Außerdem ist nicht sicher, ob die Neuregelung auch bei schwebenden Genehmigungsverfahren Anwendung finden würde", sagt Helmut Althoff.

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