WertherKein Internet und Telefon: Seit "Herwart" geht nichts mehr

Anja Hanneforth

Sie ist schuld: Eine kapitale Buche stürzte durch Sturm "Herwart" am vergangenen Wochenende auf eine Freileitung an der Rotingdorfer Straße. Mehrere Häuser sind seitdem ohne Telefon und Internet. - © Foto: Anja Hanneforth
Sie ist schuld: Eine kapitale Buche stürzte durch Sturm "Herwart" am vergangenen Wochenende auf eine Freileitung an der Rotingdorfer Straße. Mehrere Häuser sind seitdem ohne Telefon und Internet. © Foto: Anja Hanneforth

Werther-Rotingdorf. »Ziel nicht erreichbar«: Diese Nachricht erhalten Anrufer, wenn sie in diesen Tagen versuchen, jemanden an der Rotingdorfer Straße zu kontaktieren. Mehrere Privathäuser, die Brauerei und die Lebensbaum-Wohngemeinschaft sind seit fast einer Woche ohne Telefon und Internet. Eine Buche ist durch Sturmtief »Herwart« auf die Straße gestürzt und hat die Freileitung beschädigt. Die Telekom sagte den Hausbesitzern zu, sich zu kümmern. Passiert ist bisher nichts.

Ereignet hat sich der Vorfall bereits am vergangenen Sonntag. Personen wurden nicht verletzt. Die Feuerwehr räumte den Baum, der die Kabel mitgerissen hatte, von der Fahrbahn. Seitdem liegt er am Straßenrand – und die Telefon- und Internetverbindung im Argen. Für Einrichtungen, die den Großteil ihres Schriftverkehrs mittlerweile über das Netz abwickeln, ein Problem. Gäbe es keine Handys, die Häuser wären von der Außenwelt abgeschlossen.

Besonders schwierig ist die Situation für die Wohngemeinschaft des Lebensbaums. Sabine Bittner schildert, warum: „Seit fast einer Woche sind wir nicht erreichbar, können mit niemandem, auch nicht mit Ärzten oder Apotheken, telefonieren. Natürlich haben unsere Mitarbeiter Handys, aber sie können ja nicht alle dienstlichen Gespräche über ihre privaten Geräte führen.“

„Warum legt man die Leitung nicht unter die Erde?“

Abgesehen davon habe das Gebäude, in dem die Wohngemeinschaft untergebracht ist, dicke Mauern. Empfang gebe es nur in einem einzigen Zimmer, und das gehöre einem Bewohner. „Da könne wir doch nicht immer stören!“

Für die Rotingdorfer Brauerei sehen die Einschränkungen ähnlich aus. Dringliche Zoll- und Steuerangelegenheiten müssen wieder klassisch schriftlich und per Post erledigt werden, telefoniert wird nur noch übers Handy. Da viele Kunden jedoch nur die Fehlermeldung auf ihrem Display lesen, müssen sie sich fragen, ob es die Brauerei überhaupt noch gibt.

Viele Male haben die Anlieger der Rotingdorfer Straße bereits beklagt, dass die Telefonleitung an dieser Stelle oberirdisch verläuft. „Warum legt man sie nicht unter die Erde, wie anderswo auch?“, will Sabine Bittner wissen. Stattdessen passiere es immer wieder, dass Müllwagen oder landwirtschaftliche Fahrzeuge die Leitung abreißen; regelmäßige Ausfälle von Telefon und Internet seien die Folge. Als einziger Vorteil einer oberirdischen Leitung fällt Sabine Bittner ein, dass sich Schäden beheben lassen, ohne die Straße aufgraben zu müssen. „Andererseits würden diese Schäden gar nicht passieren, wenn die Leitung im Boden läge.“

Erschwerend kommt in diesem Fall hinzu, dass es sich um einen Sturmschaden und damit um höhere Gewalt handelt. „Da ist die Telekom nicht wie sonst in der Pflicht, sofort Abhilfe zu schaffen“, beklagt Sabine Bittner. Sie und die übrigen Anlieger sind sauer. Auch darum, weil ihnen niemand sagen kann, wann der Schaden behoben wird. „Wir kümmern uns“, hätte die Telekom versichert. Ein Grund der Verzögerung dürften wohl die beiden Feiertage sein. Ein Telekomsprecher nennt noch einen weiteren: „Leider hat der Sturm extrem viele Schäden im ganzen Land verursacht, die alle repariert werden müssen. Wir haben eine Prioritätenliste angelegt und versuchen nun, diese zeitnah abzuarbeiten.“

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