Bibelausstellung in Werther: Vom Papyrus zur Heiligen Schrift

Ekkehard Hufendiek

Unter der Empore: Pastor in Rente Hans Fuhrmann (links) hält eine Thorarolle, ein Ausstellungsstück der kommenden Bibelausstellung, in der Hand. Pastor Hartmut Splitter hält zum Vergleich die Altarbibel daneben. - © Ekkehard Hufendiek, HK
Unter der Empore: Pastor in Rente Hans Fuhrmann (links) hält eine Thorarolle, ein Ausstellungsstück der kommenden Bibelausstellung, in der Hand. Pastor Hartmut Splitter hält zum Vergleich die Altarbibel daneben. (© Ekkehard Hufendiek, HK)

Werther. In ihr wurzelt unsere Kultur: Die Bibel ist das meistgedruckte, am häufigsten übersetzte und am weitesten verbreitete Buch der Welt. Nicht umsonst wird sie das Buch der Bücher genannt und besteht aus 66 verschiedenen Schriften. 39 gehören zum Alten Testament, 27 zum Neuen Testament. Wie ist die Bibel entstanden? Wie können wir sie verstehen? Was hat sie uns zu sagen? Hans Fuhrmann wird darauf Antworten geben.

Der Schröttinghausener Pfarrer im Ruhestand zeigt vom 3. bis zum 24. September in der St. Jacobikirche biblische Fundstücke, die er im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat: Bibeln, Bildbände und Thorarollen. Für die etwa 220 Ausstellungsstücke werden unter der Empore drei Bankreihen ausgeräumt. „Kirchen sind ideale Ausstellungsräume", sagt er, weil dort Platz sei. Neben den Objekten informieren Tafeln über die Inhalte.

Das Alte Testament entstand etwa in der Zeit von 1000 bis 100 vor Christus, das Neue Testament wurde in der Zeit von 50 bis 120 Jahre nach Christi Geburt aufgeschrieben. Aus der Zeit des Alten Testaments zeigt Fuhrmann eine Kopie der Jesaja-Rolle von Qumran, die rund 150 Jahre vor Christus entstanden ist. Aus der Zeit des Neuen Testaments präsentiert er ein Faksimile des 1. und 2. Petrusbriefs.

Neben den wissenschaftlich bedeutenden Funden wird Fuhrmanns Jugendbibel bei vielen Besuchern womöglich ein Schmunzeln hervorrufen: „Meine Konfirmationsbibel ist auch zu sehen – total zerfetzt. Nicht, weil ich darin so viel gelesen hätte, sondern weil wir uns damit beschmissen haben." Besucher seiner Ausstellung können neben vielen Kopien auch Originale der biblischen Schriften in Augenschein nehmen.

Petrusbriefe: So sehen die Originale der biblischen Schriften aus. - © Ekkehard Hufendiek, HK
Petrusbriefe: So sehen die Originale der biblischen Schriften aus. (© Ekkehard Hufendiek, HK)

Außerdem hat Hans Fuhrmann eine etwa 30 Zentimeter lange Frucht eines Johannisbrotbaumes aus Jericho mitgebracht. „Das ist eine Berufskrankheit: Man sammelt ständig gute Geschichten", sagt der Pastor, der seit fast zehn Jahren in Werther lebt. Für ihn gilt vermutlich das Wort Martin Luthers: „Die Heilige Schrift ist wie ein Kräutlein – je mehr du es reibst, desto mehr duftet es."

Sehr viele Textfunde aus dem Altertum ermöglichten, die Bibeltexte zu überprüfen. „In den letzten 200 Jahren hat die Bibelforschung riesige Fortschritte gemacht", erklärt Fuhrmann. Vieles, was in der Bibel stehe, gelte wörtlich, manches sei eher bildlich zu verstehen. Die Bibelforschung gebe viele einleuchtende Antworten. Ihretwegen stimme er heute dem bekannten populärwissenschaftlichen Buchtitel »Und die Bibel hat doch recht« größtenteils zu.

Hans Fuhrmann bietet während der Ausstellung auch Führungen an. „Niemand braucht Angst zu haben, dass das Wissen den Glauben hindert", sagt er. Das Gegenteil sei der Fall. Die Welt der Bibel sei hochinteressant.

Das älteste Fundstück der Ausstellung ist übrigens eine Silbertafel mit dem Text des Aaronitischen Segens. Der wird in vielen Kirchen im Gottesdienst als Abschluss gesprochen und ist 650 Jahre vor Christi Geburt verfasst worden. „Und er verbindet Christen, Juden und Moslems."

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