WertherStadt will Waldkindergarten retten

Anja Hanneforth

Kann er erhalten werden? Vertreter von Rat und Verwaltung sowie die Eltern sind sich jedenfalls einig: Er muss. Die AWO als Träger will den Waldkindergarten hingegen schließen, da er sich ihrer Aussage nach nicht wirtschaftlich betreiben lässt. - © Foto: Anja Hanneforth
Kann er erhalten werden? Vertreter von Rat und Verwaltung sowie die Eltern sind sich jedenfalls einig: Er muss. Die AWO als Träger will den Waldkindergarten hingegen schließen, da er sich ihrer Aussage nach nicht wirtschaftlich betreiben lässt. © Foto: Anja Hanneforth

Werther. Die Sondersitzung des Sozialausschusses am Montag war wie ein Ventil. Nach Wochen angestauter Wut ließen die Eltern des Waldkindergartens Dampf ab, und der ging auf eine Frau nieder, die sich an diesem Abend wohl gern weit weg gewünscht hätte: auf Sabine Schubert vom AWO-Bezirksverband OWL, die sich Ärger ungeahnten Ausmaßes gegenüber sah und den Argumenten von Eltern, Rat und Verwaltung wenig entgegenzusetzen hatte. Am Ende blieb ihr nichts anderes, als zu versprechen, noch einmal mit dem Vorstand zu reden – und den Eltern die vage Hoffnung, den Waldkindergarten vielleicht doch noch zu retten.

Wie berichtet plant die AWO, alle eingruppigen Kindergärten zu schließen. Auch den Waldkindergarten, der für 20 Jungen und Mädchen ausgelegt ist. Für das nächste Kindergartenjahr liegen lediglich 13 Anmeldungen vor. „Selbst wenn es 20 wären, könnten wir nicht auskömmlich wirtschaften“, begründete Sabine Schubert die Schließung. Sie soll zum Kindergartenjahr 2018/2019 vollzogen werden. Nach ihrer Aussage fährt die Einrichtung jedes Jahr ein Defizit zwischen 6000 und 25 000 Euro ein. Und zwar seit der Zeit, da es das Kinderbildungsgesetz gibt und ein veränderter Verteilschlüssel greift – also seit 2008.

Spätestens nach dieser Aussage wurde es für sie ungemütlich. Denn offenbar war niemandem – weder Eltern, Stadt noch Politik – das Defizit-Problem kommuniziert worden. „Wir wussten nur, dass die Anmeldezahl gesunken ist. Von einem Defizit oder gar einer Schließung war nie die Rede“, beklagte Bürgermeisterin Marion Weike.

Für die Eltern war es ein Schock, als sie von der Schließung erfuhren – bei einem Elternabend, zu dem sie eingeladen worden waren, ohne die Tagesordnung zu kennen und zu ahnen, was auf sie zukommen würde.

Es könne nicht sein, rechtfertigte sich Schubert am Montag, dass die Verluste im Waldkindergarten durch die anderen zwei Wertheraner AWO-Kitas aufgefangen werden müssten. Zumal man dort das Geld gut gebrauchen könne. Erst auf Nachfrage musste sie zugeben, dass die Verluste nicht über die örtlichen Kitas, sondern den Gesamtverband ausgeglichen würden.

Für Andreas Honsel (FDP) war die Sache klar: „Wenn man einen Vertrag schließt, muss man ihn einhalten. Sie hätten ihn ja nicht zu unterschreiben brauchen. Sicher werden Sie am Waldkindergarten nicht pleite gehen.“ Die AWO müsse den Vertrag mit der Stadt erfüllen, sagte er. Dieser liefe über 25 Jahre, jetzt also noch zwölf Jahre. „Und wenn die Anmeldezahlen stimmen, kommen Sie aus dem Vertrag auch nicht raus.“ Er kritisierte, dass die AWO weder Stadt noch Politik rechtzeitig informiert habe, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Jetzt, da von Schließung die Rede sei, würden Eltern ihre Kinder wohl kaum beim Waldkindergarten anmelden.

Diese Befürchtung teilten viele der Anwesenden. Auch die Bürgermeisterin, die sich allerdings wie Honsel sicher ist, dass eine Kündigung durch die AWO rechtlich nicht ohne Weiteres möglich ist. Natürlich habe der Waldkindergarten nur bei entsprechendem Zulauf eine Zukunft. Doch es könne nicht so schwierig sein, 20 Eltern von dem Konzept zu überzeugen. „Vielleicht unterschätzt die AWO hier das kleine Werther.“

Derart massiven Gegenwind hatte Sabine Schubert wohl nicht erwartet. In einer Sitzungsunterbrechung machten die Eltern ihrem Ärger Luft: „Von der Schließung zu erfahren war für uns ein Schlag“, so Elternvertreterin Beate Eichholz. Zumal an anderer Stelle in Werther über den Neubau einer Kita nachgedacht werde und sich die AWO sogar als Träger beworben habe. „Wie geht das zusammen?“ Andere Eltern fragten: „Warum hat die AWO nicht eher mit uns gesprochen? Warum macht sie keine Werbung für den Waldkindergarten? Warum sieht sie nicht dessen besondere Bedeutung?“

„Waldkindergarten steht in besonderer Weise für Toleranz und Inklusion“

Marc Strothe wurde noch bestimmter: „Unsere Kinder spielen und arbeiten den mit behinderten Menschen der Waldheimat, haben mit ihnen einen ganz unverkrampften Umgang: Das ist unverzichtbar!“ Bodo Brinkmann (SPD) unterstrich: „Der Waldkindergarten ist ein Leuchtturmprojekt, steht in besonderer Weise für Toleranz und Inklusion. Kinder und Menschen mit Behinderung begegnen sich, haben über den Garten, die Gewächshäuser und die Tiere viele Schnittmengen. Ja, er kostet Geld. Aber er ist unersetzbar. Leuchttürme abzureißen, ist gefährlich.“

Auch Heike Wäger (UWG) griff Sabine Schubert mit deutlichen Worten an: „Gleichzeitig über die Schließung einer Einrichtung zu sprechen und sich als Träger für eine neue Kita in Werther zu bewerben: da fehlt mir jedes Verständnis!“

Als Ergebnis dieses Abends wird Werther nun alles unternehmen, den Waldkindergarten zu erhalten. Dazu sollen zunächst weitere Gespräche geführt und die Finanzen noch einmal genau in den Blick genommen werden.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.