"Erntefeld" kehrt heim

Ölgemälde von Peter August Böckstiegel wird verliehen

Anja Hanneforth

Rückkehr: 1927 von Peter August Böckstiegel gemalt und seit 1962 im Besitz des Bielefelder Polizeipräsidiums, kehrt das Ölgemälde »Erntefeld« nun an seinen Entstehungsort zurück. Über die Dauerleihgabe, die Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere (Zweite von links) gestern übergab, freuen sich – von links: Ursula Bolte, David Riedel und Beate Balsliemke von der Böckstiegel-Stiftung. - © Foto: A. Hanneforth
Rückkehr: 1927 von Peter August Böckstiegel gemalt und seit 1962 im Besitz des Bielefelder Polizeipräsidiums, kehrt das Ölgemälde »Erntefeld« nun an seinen Entstehungsort zurück. Über die Dauerleihgabe, die Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere (Zweite von links) gestern übergab, freuen sich – von links: Ursula Bolte, David Riedel und Beate Balsliemke von der Böckstiegel-Stiftung. (© Foto: A. Hanneforth)

Werther. Wo genau mag Peter August Böckstiegel gestanden haben, als er das »Erntefeld« gemalt hat? Und wer ist die Frau auf dem Bild? – Zwei Fragen, die David Riedel gern beantwortet hätte. Ansonsten ist der künstlerische Leiter des Böckstiegel-Hauses stolz und glücklich, den jüngsten Zugang in Arrode präsentieren zu können: das Ölgemälde »Erntefeld« von 1927. Im Besitz des Bielefelder Polizeipräsidiums, wird es der Stiftung als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Gestern wurde es von Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere übergeben.

Die öffentliche Hand besitzt eine ganze Reihe von Kunstwerken. Eine schöne Geldanlage, die sich in Notzeiten auch versilbern ließe. Was in diesem Fall keineswegs geplant sei, wie Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere ausdrücklich betont. 1962 hat die Polizeidirektion das Gemälde im Zuge des Neubaus der Behörde am Kesselbrink erworben. 6500 D-Mark hat sie damals dafür bezahlt. Heute dürfte sich sein Wert mehr als verzehnfacht haben, Giere und Vertreter der Stiftung gehen von einem Wert im höheren fünfstelligen Bereich aus. Genauer wissen sie es nicht, da Arbeiten Böckstiegels selten über öffentliche Auktionen verkauft werden.

Erworben hat es die Polizei seinerzeit von Hanna Böckstiegel. Die Witwe des Malers habe sich zeitlebens bemüht, das Werk ihres Mannes zu erhalten, habe auch eine Reihe von Werken verkauft, so Riedel.

Über viele Jahre hing das »Erntefeld« im Besprechungsraum des Polizeipräsidenten. Als die Behörde 1994 an der Kurt-Schumacher-Straße neu baute, zog das Gemälde mit um – in das Zimmer des Direktionsleiters Gefahrenabwehr und -einsatz. „Da hing es natürlich gut, nur gesehen hat es keiner", so die Polizeipräsidentin. Als jetzt eine Renovierung der Räume anstand, habe man sich die Frage gestellt, ob es nicht schöner wäre, wenn sich möglichst viele Augen an dem Bild erfreuen könnten. So sei die Idee entstanden, es der Böckstiegel-Stiftung als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen.

Die ist darüber mehr als erfreut und spricht der Polizei einen großen Dank aus. „Viele glauben ja, dass es eine Fülle solcher Erntebilder gibt", sagt Riedel. Das sei aber nicht der Fall. Lediglich fünf Gemälde dieser Größe und Qualität seien erhalten. Eines hinge im Sitzungssaal des Wertheraner Rathauses, eines besitze die Böckstiegel-Stiftung, zwei weitere befänden sich in Süddeutschland und in Kalifornien. Nun käme das »Erntefeld« zurück nach Arrode. „Eine Lücke schließt sich", sagt Riedel.

Wer in den nächsten Tagen das Böckstiegel-Haus besucht, kann sich selbst ein Bild von der Schönheit des Gemäldes machen. Nach Fertigstellung des Museums soll es dort seinen endgültigen Platz finden.

Es geht voran: Die Wände des Untergeschosses sind gegossen, als Nächstes soll das Böckstiegel-Museum eine Kellerdecke erhalten. Danach beginnt der Hochbau. Noch in diesem Jahr sollen Richtfest gefeiert und das Dach abgedichtet werden. - © Foto: Anja Hanneforth
Es geht voran: Die Wände des Untergeschosses sind gegossen, als Nächstes soll das Böckstiegel-Museum eine Kellerdecke erhalten. Danach beginnt der Hochbau. Noch in diesem Jahr sollen Richtfest gefeiert und das Dach abgedichtet werden. (© Foto: Anja Hanneforth)
Info

Etwas hinter dem Zeitplan

• Zwar liegt der Bau des Böckstiegel-Museums ein wenig hinter dem Zeitplan zurück, dennoch sind die Vertreter der Stiftung zufrieden: „Es läuft gut", sagt Geschäftsführerin Beate Balsliemke. Die Betonarbeiten seien in vollem Gang, als Nächstes werde die Kellerdecke gegossen. Ziel sei weiterhin, noch in diesem Jahr Richtfest zu feiern und das Dach vor Einbruch des Winters dicht zu bekommen. „Wir gehen fest davon aus, dass es klappt", freut sich Balsliemke, dass das Wetter bislang gut mitgespielt hat.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.