Startklar für den großen Auftritt in Rio

Pikeur stattet Olympiaspringreiter aus

Anja Hanneforth

Alles Einzelanfertigungen: Carolin Haget vom Marketing (links) und Christina Hahn vom Produktmanagement präsentieren Sakko und Weste der Olympia-Kollektion – und erläutern, dass das Logo des Wertheraner Reitmodenherstellers genau ein einziges Mal auf jedem Kleidungsstück auftauchen darf. Knöpfe, Reißverschlüsse, sogar das Innenfutter sind tabu. - © Foto: Anja Hanneforth
Alles Einzelanfertigungen: Carolin Haget vom Marketing (links) und Christina Hahn vom Produktmanagement präsentieren Sakko und Weste der Olympia-Kollektion – und erläutern, dass das Logo des Wertheraner Reitmodenherstellers genau ein einziges Mal auf jedem Kleidungsstück auftauchen darf. Knöpfe, Reißverschlüsse, sogar das Innenfutter sind tabu. (© Foto: Anja Hanneforth)

Werther. Genau ein einziges Mal darf der Name Pikeur auf dem Sakko auftauchen, in Schulterhöhe über dem Bundesadler. Nicht auf Taschen, nicht auf Knöpfen, nicht auf Reißverschlüssen, nicht am Hosenbund, nicht einmal im Innenfutter. Das sind die strengen Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees. Und wenn man sich nicht daran hält? „Dann droht uns eine Konventionalstrafe“, sagt Produktmanagerin Christina Hahn. Da hat der Reitmodenhersteller aus Werther lieber alle Auflagen erfüllt, schließlich soll der Auftritt bei den Olympischen Spielen ein voller Erfolg werden. Wenn die deutschen Springreiter am 14. August im Pferdesportzentrum von Deodoro erstmals ihre Pferde satteln, fiebert das ganze Team von Pikeur mit.

Seit vielen Jahren stattet das Unternehmen mit Sitz am Esch Reitsportequipen bei Olympischen Spielen aus. In diesem Jahr werden die Springreiter Ludger Beerbaum, Marcus Ehning, Christian Ahlmann, Daniel Deußer und als Ersatzreiterin Meredith Michaels-Beerbaum Sakkos, Hosen und Hemden »made in Werther« tragen. Weil die Bekleidung aber nicht von der Stange kommt, sondern es sich bei jedem Teil um eine Sonderanfertigung handelt, war der Weg entsprechend lang, bevor die Kollektion fertig für die Reise nach Südamerika war.

Im Oktober 2015 nahm das Projekt Olympia mit dem ersten Treffen zwischen Pikeur und dem Deutschen Olympiadekomitee für Reiterei in Warendorf seinen Anfang. Zu diesem Zeitpunkt kannte das Team aus Werther bereits die Vorgaben des IOC, was für die Bekleidung erlaubt sein würde und was nicht. Auch die Farbe Rot war – wie seit Jahren – gesetzt.

Ein Bulli mit Maßanfertigungen

Ansonsten gab es freie Hand für die Kreativen von Pikeur: Was würde benötigt? Wie würde das Wetter sein? Brauchen die Reiter eher warme oder eher leichte Sachen? Welche Stoffe sollte man verwenden? Welche Schnitte?

Glücklicherweise sind Rio nicht die ersten Olympischen Spiele für den Reitmodenhersteller. Seit Jahrzehnten statten die Wertheraner deutsche Equipen für Championate, Nationenpreise, Welt- und Europameisterschaften aus und wissen, was die Reiter wollen.

So ging es bei den ersten Treffen im Herbst vergangenen Jahres bereits ins Detail. Auch, weil der Zeitrahmen für das Projekt von Beginn an eng bemessen war. Zehn Reiter sollten eine Komplettausstattung erhalten, Trainings- und Wettkampfbekleidung mit je zwei Sakkos, fünf weißen Reithosen, zwei Trainingshosen, zehn Polohemden, fünf Shirts, einer Weste, zwei Caps und neun Paar Strümpfen.

„Zehn darum, weil wir bis kurz vor Beginn der Spiele gar nicht wussten, welche fünf Reiter wirklich fliegen", beschreibt Carolin Haget vom Marketing den großen Unsicherheitsfaktor. Pferde könnten sich schnell einmal verletzen. Mit der Anfertigung der Sachen aber erst kurz vor Rio zu beginnen, wäre unmöglich.

Also hieß es für Pikeur, 37 Einzelteile für zehn Reiter maßanzufertigen. „Durch die vielen Championate kennen wir allerdings die Größen fast aller Nationenpreisreiter. Daniel Deußer hat zum Beispiel unglaublich lange Arme, dem passt kein Sakko von der Stange", lacht Christina Hahn.

Aber nicht nur die Springreiter tragen in Rio Produkte von Pikeur. Auch die Pferdepfleger, Physiotherapeuten, der Tierarzt, der Bundestrainer, sein Stellvertreter, eben das gesamte Team sollte eingekleidet werden.

„Da kommt einiges zusammen", sagt Christina Hahn. Genau ein Bulli voll, wertvolle Fracht, die Mitte Juli beim großen Reitturnier in Aachen – der Veranstaltung, bei der der Bundestrainer seine Nominierung bekanntgab – übergeben wurde. „Ein schöner, irgendwie befreiender Moment", beschreibt Christina Hahn.

Genau wie das gesamte Team von Pikeur empfindet sie es als große Ehre, Wettkampfbekleidung für ein Ereignis wie die Olympischen Spiele anfertigen zu dürfen. Kein Wunder also, dass sie den Wettbewerben schon gespannt entgegensieht.

Und sie hat zwei weitere heiße Eisen im Feuer. Wenn es mit dem deutschen Edelmetall nicht klappen sollte („was ich nicht hoffe"), könnte es vielleicht etwas mit dem brasilianischen oder niederländischen werden. Denn auch die Springreiter dieser Nationen, in Holland zusätzlich noch die Dressurreiter, werden von Pikeur eingekleidet. Die Holländer gewinnen über die Deutschen? Im Fußball keine schöne Vorstellung. Und im Reiten? „Ach was", lacht Christina Hahn. „Wir sind Gönner!"

Info
Seit vielen Jahren stattet Pikeur Reitsportequipen bei Olympischen
Spielen aus. Auch in diesem Jahr werden in Rio die Sportler wieder »made
in Werther« tragen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.